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11. August 2015

„Lebenslänglich“ von Hanne Thiebes, Innenarchitektin und Sachverständige, Troisdorf

Hanne Thiebes_AIT 7_8_2015

Hanne Thiebes, Innenarchitektin und Sachverständige, Troisdorf

Mein Weg zum Traumberuf begann im Alter von vierzehn Jahren – jedenfalls war ich ab da wild entschlossen, mich der Innenarchitektur mit Leib und Seele zu widmen. Es folgten Abitur, Schreinerpraktikum, Studium der Innenarchitektur an der FH in Düsseldorf mit Erlangung des Diploms um dann endlich, nach Aufnahme als Mitglied in der Architektenkammer und in den BDIA, Berufspraxis schnuppern zu können. Euphorisch am Ziel angekommen, musste ich zügig feststellen, dass bei den an der Hochschule erlernten Fähigkeiten etwas Entscheidendes fehlte: die praktische Erfahrung bei der Umsetzung von Entwürfen und Konstruktionen mit Verarbeitung der dafür geeigneten Baumaterialien. Der Wunsch nach Sicherheit und Routine, die hohen Anforderungen und der Qualitätsanspruch an unseren Beruf führten schließlich dazu, dass ich vielfältige Weiterbildungsangebote schon bald nach Beendigung des Studiums in Anspruch genommen habe. Die Architektenkammern legen ihren Mitgliedern die Fortbildungsverpflichtung auf, um der ständigen Weiterentwicklung von Gesetzestexten, Normen und dem „Stand der Technik“ in Bezug auf neue Materialien und Technologien Rechnung zu tragen. Die große gesellschaftliche Verantwortung und nicht zuletzt unser hohes Haftungsrisiko verlangen detaillierte Fachkenntnisse.

BDIA-Seminar war Auslöser!

Das BDIA-Seminar „Einführung in das Sachverständigenwesen“ weckte 1994 mein besonderes Interesse. Neben der kreativen Planungsleistung, die das Berufsbild des Innenarchitekten deutlich prägt, hat der vom Bauherrn geäußerte Wunsch nach Nachhaltigkeit in Bezug auf die Mangelfreiheit der Baumaßnahme auch einen hohen Stellenwert. Das leidenschaftliche Plädoyer des Referenten, dass Innenarchitekten sich der Sachverständigentätigkeit widmen müssen, weil sie als „Generalisten“ für Schäden im Gebäude die geeignete Fachkompetenz besitzen, zeigte Wirkung. Diese zusätzliche Wissenserweiterung schien mir geradezu ideal im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit als selbständige Innenarchitektin in Bezug auf die Errichtung möglichst mangelfreier Umbauten.

Bald stellte sich heraus, dass die zur Verfügung stehende Freizeit von nun an mit eifrigem Lernen ausgefüllt war und meine einigermaßen ausgewogene work-life-balance deutlich ins Wanken geriet. Auch der finanzielle Aspekt bei diesem „großen“ Schritt einer zusätzlichen Qualifikation ist nicht zu vernachlässigen. Die Fortbildungsseminare sind kostspielig und die Veranstaltungsorte selten nah am Heimatort. Doch eine angenehme Begleiterscheinung der Fortbildungsmaßnahmen ist das Zusammentreffen mit anderen Berufskollegen, der rege Austausch bedeutet einen immensen Zugewinn an Wissen und Erfahrung in jeder beruflichen Hinsicht.

Viel Disziplin bis zur öffentlichen Bestellung!

Die folgenden 3 Jahren waren von einem hohes Maß an Disziplin und Eigenverantwortung geprägt, um die von der IHK vorzunehmende öffentliche Bestellung zur „ö.b.u.v. Sachverständigen für Schäden an und Bewertung von Innenräumen“ zu erlangen. Zur Ausbildung gehört die Hospitanz bei erfahrenen Sachverständigen, um die Durchführung von Ortsterminen und den Aufbau eines Gutachtens zu erlernen. Nach umfangreicher Seminarteilnahme wird abschließend in einer zweitägigen Prüfung schriftlich und mündlich von der IHK die Erlangung der „besonderen Fachkenntnis“ überprüft.

Zur öffentlichen Bestellung, wird ein Eid abgelegt, dass die Erstattung der Gutachten für Gerichte und Privatpersonen unabhängig, unparteiisch und weisungsfrei erstellt werden. Dies bedingt – als Qualitätsgarantie – eine fortwährende Fortbildungsverpflichtung, die von der zuständigen IHK überprüft wird. Und heute? In meiner täglichen Berufspraxis werden ständig neue Herausforderungen an mich herangetragen: durch komplizierte Sachverhalte bei der Gutachtenerstattung oder durch komplexe Planungsaufgaben in der Innenarchitektur. Hinzu kommen die hohen Anforderungen der Aufraggeber und schließlich der eigene Qualitätsanspruch. Unverzichtbar sind für mich das aufmerksame Lesen der Fachpresse, mein Kollegen-Netzwerk und kontinuierliche Weiterbildung. „Lebenslanges Lernen“ sehe ich als Chance für den Zugewinn des Erfahrungsschatzes und Erlangung von größtmöglicher Routine und Wissen für das eigene Kompetenz-Profil.

Text: Hanne Thiebes, Troisdorf
www.hanne-thiebes.de
Erschienen in der AIT 7/8 2015

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