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7. Mai 2015

„Materialien werden von neuen Technologien beeinflusst.“ von Stefanie Geipel, materialis, Berlin

Wir leben in einer Zeit, in der Fortschritt von technologischen Neuerungen mit rasanter Geschwindigkeit voranschreitet. Sie durchziehen sichtbar und unsichtbar alle Bereiche unseres Lebens und verändern damit die Gestaltung von Produkten, deren Herstellungsprozesse sowie den Einsatz von Materialien.

Nederland, Amsterdam, 11-09-2014. 3D Print Canal House project. Met een 3d printer en lijm wordt in Amsterdam Noord een huis geprint. Foto: Olivier Middendorp

Nederland, Amsterdam, 2014.
3D Print Canal House project.
Foto: Olivier Middendorp

Nederland, Amsterdam, 11-09-2014. 3D Print Canal House project. Met een 3d printer en lijm wordt in Amsterdam Noord een huis geprint. Foto: Olivier Middendorp

Nederland, Amsterdam, 2014.
3D Print Canal House project.
Foto: Olivier Middendorp

Im Bereich der additiven Fertigungsverfahren zeigen sich die am stärksten sichtbaren Innovationen. Hier wird stetig an der Weiterentwicklung neuer, verbesserter Druckverfahren und Materialien geforscht. Die derzeitige Baustelle des 3D Print Canal House in Amsterdam ist zugleich Forschungs- und Testfeld für neue druckfähige Baukonstruktionsweisen und biobasierte Materialien. Die Gruppe von emerging objects™ experimentiert mit Materialkompositen wie Betonpolymeren, Holz-, Papier-, Salz- oder Schokoladenverbundstoffen. Der Schritt von der Prototypenherstellung zur schnellen und materialeffizienten Serienfertigung schien bisher durch den sehr langsamen Druckprozess noch weit entfernt. Die Firma carbon3D stellte nun im März 2015 das neue 3D-Druckverfahren CLIP (Continuous Liquid Interface Production) vor, das mittels UV-Licht und Sauerstoff den flüssigen Kunststoff aushärten lässt, ähnlich dem Stereolithografie-Verfahren, dies aber mit 25- bis 100-facher Geschwindigkeit.

Einen von Materialien fast gänzlich losgelösten Bereich stellen die Audio-Visuellen (AV-) Technologien dar. Von Smartphones, Tablets bis hin zu großflächigen Touchscreen-Bildschirmen, gewinnen diese interaktiven Oberflächen im Berufs- wie auch Privatleben zunehmend an Bedeutung und Raum. Fassaden und Innenräume werden zu bewegten, informativen Lichtwänden, die zwar jede Materialität optisch imitieren können, diese aber nicht für unseren haptischen Sinn erfahrbar machen.

Umso wichtiger werden hierbei Materialien, die uns umgeben und unseren Tastsinn verstärkt ansprechen. Der Wunsch nach für uns vertrauten Materialien mit kultureller Verknüpfung zeigt sich an der Wiederkehr von traditionellen Handwerkstechniken und Manufakturen. Dabei wird nicht einfach Althergebrachtes wieder aufgelebt, sondern es stehen auch die Neuinterpretation von traditionellen Herstellungsverfahren und die Einzigartigkeit des Produkts im Vordergrund. Viele dieser Entwicklungen sind dazu im Produktdesign zu finden. Hier wird Holz wie Papier geprägt (Hanne Willmann Design, MIMIKRY), recyceltes Zeitungspapier wie Textil gewebt (Tutki™ Projekt) und Textil wie Holz gedrechselt (Kathrin Morawietz, VEIO).

So unterschiedlich die neuen Technologien und traditionellen Handwerkstechniken auch sind, beide verfolgen den Wunsch nach einzigartigen, individuell gestaltbaren Produkten.

Die Ausstellung „Unikate – individuelle Materialien und Technologien“ von materialis – unabhängige Materialberatung zeigt hierzu vom 12. – 19. Juni 2015 in Berlin exemplarische Beispiele zum Ansehen und Anfassen.

Text: Stefanie Geipel, materialis, Berlin
Erschienen in der AIT 5/2015

Portraetfoto_Stefanie Geipel_materialisDipl.-Ing. (FH) Stefanie Geipel widmet seit nun über 7 Jahren ihre ganze Aufmerksamkeit und Leidenschaft den Materialien. Schon während Ihres Studiums der Innenarchitektur an der Detmolder Schule war sie maßgeblich am Aufbau und der Betreuung der hochschuleigenen Materialbibliothek beteiligt. Später arbeitete sie für die Materialberatungsabteilung des weltweit agierenden Ingenieurbüros Arup in Berlin, war bis Ende 2013 Projektleiterin der in Stuttgart ansässigen Materialagentur raumPROBE und forschte und lehrte an Hochschulen zu zahlreichen Materialthemen.

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