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Baustellenführung, Staatsoper Unter den Linden, Sonntag, 11. Juni 2017

Dank Susanne Klinger konnten wir einen exklusiven Besichtigungstermin auf der Baustelle der Staatsoper organisieren. Der Raumausstatter Herr Buchwald (Fa. Beese Raumgestaltung), der u.a. die gefalteten, akustisch wirksamen Deckenbespannungen sowie Geländerummantelungen für dieses Projekt erstellt hat, hat uns zusammen mit dem professionellen Guide herumgeführt. Die besonderen Eindrücke der Baustelle hat Uta Staake-Ansorg für uns in folgendem Bericht zusammengetragen:

 

Sonntag, 11.6.2017, 28° – Sommer, Sonne, Kaffeegartenzeit …

Wir, die wir dabei waren – wenn ich richtig erinnere, 12 Kollegen vom BDIA – haben den Abstecher in die Stadtmitte sicher nicht bereut: Um hier noch einmal die Gelegenheit wahrzunehmen, im doppelten Sinne noch einmal hinter die Kulissen schauen zu können, da nun doch das Ende dieser Großbaustelle (2011-2017) auch abzusehen ist.

Von der Wärme in die angenehme Kühle des Altbaus: Die erste Station der Besichtigung führte uns in das ehemalige Magazingebäude, welches nunmehr mit Um- und Anbauten der Verwaltung und dem vorbereitenden Kunstbetrieb dient. Der Baustellenguide gab uns eine Einführung über die wechselvolle Geschichte des Hauses: Entstehung zu Friedrichs Zeiten, Abriss, Neubau, Zerstörung im 2. Weltkrieg, Wiederaufbau durch die DDR 1955/56 unter Federführung des Architekten Prof. Paulick, dessen Handschrift das Haus bis zum Beginn der Rekonstruktion prägte und auch weiterhin prägen wird – glücklicherweise.

Hauptgrund der Rekonstruktion war die an den heutigen Anforderungen gemessene, nicht mehr ungenügende Akustik im Saal, als auch sämtliche nicht mehr ausreichenden Nebenfunktionen wie der Kulissentransport, nicht vorhandene Proben- und Vorbereitungsräume, fehlende Verwaltungsräume und natürlich eine in den Jahrzehnten des Betriebes verschlissene Substanz, baulich wie auch technisch.

Zur Rekonstruktion gab es zwei Entwürfe zum Haupthaus:

  1. Alte Fassade mit behutsamer Erneuerung des Bestandes, Anhebung der Saaldecke zur Verbesserung der Nachhallzeit: Entwurf Prof. Merz.
  2. Alte Fassade mit völliger Entkernung, neuer innerer Gestaltung, Anhebung der Decke unter Einfügen eines 4. Ranges.

Der zunächst bestätigte Entwurf der zweiten Variante wurde – ich wiederhole: „glücklicherweise“ – dann nochmals in Frage gestellt, sodass nunmehr der alte Saal (von Prof. Paulick) uns technisch aufgerüstet zukünftig empfängt. Die Anhebung der Saaldecke ist von außen nicht wahrzunehmen, da hier genügend Höhe vorhanden war – allerdings unter Einbringung eines neuen Stahltragwerkes, um das Dach abzufangen.

Was noch beeindruckend war/ist:

– Der neu geschaffene Verbindungsgang zum Opernhaus für alle an einer Aufführung Beteiligten bzw. zum Einsatz kommenden Teile (Kulissen etc.) im schwierigen Berliner Baugrund, der obendrein von einem Hauptabwasserkanal durchkreuzt wird.

– Ein Bühnenraum, der sämtlichen aktuellen technischen Anforderungen an einen Spielbetrieb gerecht wird, wie man uns teilweise vorführen konnte.

– Ein Opernsaal, der von der Bühne aus gesehen plötzlich sehr klein wirkte, jedoch über mehr Plätze als die Komische Oper verfügt. Der Eindruck eines kleinen Theater-Opernsaales mag hier sicher an dem Verhältnis von Breite zu Höhe liegen. (Ich hatte zuvor gerade die Komische Oper besucht, die nur über zwei Ränge verfügt und im Halbrund breiter erbaut wurde.)

– Ein erneutes, verändertes Magazingebäude, deren alte Substanz zu neuen, schönen Verwaltungsräumen umgestaltet wurde.

– Proberäume für Orchester, Chor und Solisten, die akustisch abgeschirmt und technisch allen Anforderungen genügen.

– Ein feiner Terrazzoboden im Neubau.

– Eine zurückhaltende Farbgebung (Flure, Büroräume, Casino).

– Und nicht zuletzt, sind hier unbedingt die wunderbaren textilen Arbeiten zu erwähnen, die vor allem im rekonstruierten Altbau des Magazingebäudes zu bewundern sind: Die vornehmlich an der Decke zu findenden, von Stuck und Holzprofilen eingefassten und in Falten gelegten textilen Verspannungen sind beeindruckend. Von den Schwierigkeiten, die sich dabei auftaten – immer einen gleichmäßigen, chronisch verlaufenden Faltenspiegel herzustellen – konnte uns Herr Buchwald sachkundig berichten. Seine Firma, BEESE-Raumgestaltung, hatte den anspruchsvollen Auftrag zur Realisierung dieser Arbeiten erhalten. Ihm sei hier nochmals gedankt für seine begleitenden Erläuterungen auf dem gesamten Rundgang.

Was noch zu erwähnen bleibt: Tolle, exzellent aufbereitete Fotos vom gesamten Bauablauf, die zum Abschluss der Führung in einer Ausstellung zu sehen waren. Ein Teil davon ziert künftig die neuen Intendanzräume.

Für Euch betrachtet von Uta Staake-Ansorg