bdia anerkannt! Master für Michele Altergott: „Let´s pee kind“

Masterarbeit WS 20/21 an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Detmold
Betreuung: Prof. Ulrike Kerber und Prof. Dr. Thomas Hake

„Let´s pee kind“

Durch die Suche nach der „Schönheit der Alltäglichkeit“ und der Antwort auf die Frage, was Innenarchitekten und den Wert ihrer Arbeit ausmacht, filterte ich für mich die Essenz heraus, dass es die Innenarchitekten sind, die mit all ihrer Empathie auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen, um ein Umfeld zu erschaffen, das die Menschen individuell sein lässt, ihnen Raum zum Leben und nicht nur zum Existieren gibt.

Was sind also Räume, die unser aller Alltag prägen, welche zumeist nur funktionieren, jedoch kaum eine Verbindung von Mensch und Raum ermöglichen?
Öffentliche Sanitärräume.

Es gibt kaum einen Prozess, der tagtäglich von jedem praktiziert wird und gleichzeitig so sehr unter Verschluss gehalten wird, wie der Vorgang der körperlichen Ausscheidungen. Ein Tatbestand, der sich leider viel zu häufig in den dafür vorgesehenen Räumen widerspiegelt.
Unwohlsein, fehlende Wertschätzung und Ekel werden mit Vermeidung und Vandalismus beantwortet.

Man soll sich „lösen“ in einem auf das Minimum reduzierten, von Schamwänden eingegrenzten Bereich, durch die jedoch Gerüche und Geräusche zu allen anderen Anwesenden durchdringen, für die es sich in unserer Gesellschaft unbedingt zu schämen gilt. Dabei handelt es sich doch um etwas, das jeder von uns gemein hat und wir alle teilen.

Es braucht einen Ort der uns vermittelt, was wir darin anstreben zu tun – Sauberkeit, Erfrischung, Erleichterung, Wertschätzung.
Ein Ort der jedem die Möglichkeit bietet, seine gewohnten Rituale durchzuführen oder neue zu entwickeln und kennenzulernen.

Das Konzept soll den Menschen dorthin führen, sich und seinen Körper, mit all seinen Prozessen und Facetten, wieder akzeptieren und lieben zu lernen.
Tabus anzusprechen, die entstandene Scham und die daraus resultierenden negativen Gefühle zu senken und die Räume der Hygienekultur als Lebensraum anzunehmen. Michele Altergott

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Jury: Karin Friedrich-Wellmann, Kerstin Geppert, Manfred Haverkamp, Susanne Thüte, Michelle Wanitzek
Jurybegründung: Diese Arbeit zeichnet sich durch eine Architektur aus, die völlig im Einklang mit dem vorhandenen Ort und der Natur steht und dem Nutzer die Möglichkeit eines besonderen, individuellen Rückzugsortes bietet.