bdia ausgezeichnet! Bachelor für Lea Machtolf : „SYMBIOSE_studierendenzentrum im alten schlachthof“

Bachelorarbeit SS 2018 an der Hochschule Kaisereslautern
Betreuer: Prof. N. Zenner



Bachelorarbeit SS 2018 an der Hochschule Kaisereslautern

SYMBIOSE_studierendenzentrum im alten schlachthof

Grundlagen
Seit nunmehr 17 Jahren steht die ehemalige Schlachthalle aus dem Jahre 1883 leer und wird lediglich als Lagerfläche verwendet. Die Aufgabe war es, das  zu ändern.
Der alten, historistischen Schlachthalle soll neues Leben eingehaucht werden, studentisches Leben.
Saniert, sollen die beiden Hallen nun Platz für das studentische Alltagsleben schaffen. Ausgangspunkt für die Planung des Studierendenzentrums war das Ziel, einen Ort zu schaffen, an dem man sich gerne aufhält, der einlädt herum zu stöbern, zu erkunden und auch zu verweilen.

Nun soll es endlich Raum geben für zum Beispiel die studentische Selbstverwaltung, Hochschul-Workshops, und Partys. Das Projekt soll der Hochschule Kaiserslautern dazu dienen, sich öffentlich präsentieren zu können. Durch die Veranstaltung von Ausstellungen, auch über einen längeren Zeitraum hinweg, einem Café/einer Bar werden auch Nicht-Studierende der Hochschule Kaiserslautern im Gebäude herzlich willkommen geheißen und sind zudem eingeladen, sich nicht nur die Veranstaltungen anzuschauen, oder einen Kaffee zu trinken, sondern auch durch das gesamte Gebäude zu laufen und sich alles ganz genau anzuschauen.
Dies soll realisiert werden, ohne den Bestand grundlegend zu verändern.
Deswegen war der erste für mich selbstverständliche Schritt, die zu konstruierenden Bereiche mindestens 1 m einzurücken, damit der Bestand genügend respektiert wird und auch zur Geltung kommt.

Anhand der Achsen der Bestandssäulen und den bestehenden Fluchtwegen, entstand ein Achsenraster, an welchem ich zu allererst, alle nötigen Bereiche mit ausreichend einkalkulierter Fläche anordnete. Daraus entstanden verschiedene Gebäude, angepasst an ihre Funktion.
Auf Grund von brandschutztechnischen Gegebenheiten, war das Einfügen von raumhohen Trennwänden in Halle 2 erforderlich, um einen zweiten Fluchtweg zu schaffen. Auf Grund meines Konzeptes, um keine visuelle Veränderung am Bestand vorzunehmen, fiel meine Materialwahl dabei auf transparentes Glas.

Vertiefungsbereich
Konzeptdefinierender Aspekt bei meinem Projekt ist mein Vertiefungsbereich: Die Installation.
Eine Konstruktion im Raum, in welchem die Funktion frei gewählt werden kann und an der sich der Raum aufteilt. Ganz wichtig war es, eine Ummantelung zu konstruieren, die mit den Bestandssäulen im Raum steht, aber nicht in den Bestand visuell und konstruktiv eingreift.

Räumlicher Aufbau
Die Halle 1, welche sich am nächsten zur Hochschule befindet, bekam die Funktion der Begegnung. Ein Raum, in dem sämtliche Aktivitäten, wie Partys , Ausstellungen, sportliche Aktivitäten, Gruppenarbeiten u.v.m. stattfinden, wo auch tagsüber und bis spät in die Nacht rein etwas los ist, und man sich mit Freunden und Fremden treffen kann.
Die Halle 2 beschäftigt sich mehr direkt mit den Hochschülern im Detail. In Halle 2 befindet sich die studentische Selbstverwaltung, der FH Blog, Besprechungsräume, ein Schlafsaal, und ein Work-/Workshopbereich am Ende der Halle.

Leitfaden
Die gelben Linien im Gebäude sollen dem Betrachter unter anderem helfen, das Neue vom Alten abzugrenzen.
Es kommt eine Art gelbe Markierung an den Stellen, um die Flächen, auf denen Neues entsteht.
Wenn die neu hinzugekommene Fläche sich vertikal zu dem Bestandsboden verhält, wie man z.B an den Wänden sehen kann, dann ist die Markierung vertikal, und bei Horizontalen, ist sie horizontal, wie zum Beispiel an der Küche.
Die vertikalen Markierungen dienen als eine Sockelleiste, während die horizontalen Markierungen als Anpassungsprofil fungieren, damit keine unschöne Kante entsteht.

Materialität
Die Bestandsinnenfassade, wird mit Calcium-Silikat-Platten mit einer Dicke von 5 cm verkleidet und mit weißem Kalkputz verputzt, da sich diese Platten hervorragend für eine Bestandssanierung eignen und, anders als eine normale Innendämmung, keine Feuchtigkeit aufnehmen, was dazu führt, dass keine Probleme durch Tauwasserausfall entstehen.
Dazu werden auch die bestehenden Fenster, durch gleichartige, aber energetisch wirksamere Fenster ersetzt. Die einst zugebauten Fensteröffnungen am westlichen Teil des Gebäudes werden wieder geöffnet, um mehr Licht in das Gebäude zu bringen.
Die neuen Wände bestehen aus Rigips Platten, welche verspachtelt und in einem seidenglänzenden weißen Farbton gestrichen werden, um sich vom matten Kalkputz abzuheben.
Die Türzarge wird in die Wand eingebaut, so dass sie von außen und innen nicht sichtbar ist. Dazu besteht das Türblatt aus einer in weiß HPL beschichteten Vollholzplatte.
Für den Bodenbelag wollte ich den Bestandsestrich erhalten. An den Stellen, an denen neue Räume entstehen, wird dann mit Hilfe von Gussasphalt ein einheitliches Niveau und neuer Bodenbelag verlegt.
Dabei wird in den Büros, den Besprechungsräumen und den Schlafräumen wegen der Akustik und auch der Gemütlichkeit, ein pflegeleichter, hellgrauer Ziegenhaarteppich verlegt.
In den Sanitärbereichen, den Lagerflächen, der Küche, dem Café und auf dem Gang in der Galerie, wird ein weißer Fliesenboden verlegt.
Durch diese Materialkombination wird ein Gleichgewicht zum markanten Bestandsboden geschaffen.

» Ich habe mir zur Aufgabe gemacht, neues zu kreieren/entwerfen, ohne die Aussagekraft des alten zu zerstören, deswegen ist es für mich notwendigerweise eine (ART) Symbiose weil das neue ohne das alte gar nicht existieren kann und der Bau ohne das alte seine Einzigartigkeit und Individualität verlieren würde.
Allerdings das Neue eben durch das Alte an Einzigartigkeit gewinnt und umgekehrt.
Das Alte wäre ohne das Neue eine Ruine und das Neue wäre ohne das Alte ein profaner Neubau. « Lea Machtholf