bdia ausgezeichnet! Master für Annelie Seiferheld „Pavillon im Nymphengarten“

Masterbeit WS 18/19 an der Hochschule Darmstadt
Betreuung: Prof. Anke Mensing und Prof. Hartmut A. Raiser


„Hinan“ Pavillon im Nymphengarten,

Karlsruhe
Die Stadt Karlsruhe liegt in der Rheinebene im badischen Teil des Landes Baden-Württemberg. Die verkehrsgünstige Lage, die Landschaft mit Rhein und Schwarzwald, die direkte Nachbarschaft zum französischem Elsass und ein großes kulturelles Angebot bieten eine hohe Lebensqualität für die rund 300.000 Einwohner. Als ehemalige Residenzstadt mit sternförmigem Grundriss, welcher auf die fächerartige Bebauung rund um das Schloss zurückzuführen ist, gilt sie als besonders innovative Stadt mit großem Entwicklungspotential in der Zukunft.

Aufgabenstellung
Mitten in der Stadt befinden sich drei der höchsten juristischen Instanzen Deutschlands; der Bundesgerichtshof, das Bundesverfassungsgericht und die Bundesstaatsanwaltschaft. Alle drei Institutionen haben für Verhandlungen diverse Gruppen unterschiedlicher Größe und Zusammensetzung als Gäste und tagen gemeinsam an einem Tisch. Unter dieser Gegebenheit wurde die Aufgabe gestellt, neue Räumlichkeiten für einen Gastronomiebetrieb zu entwickeln, der darauf eingestellt ist die Gäste der Karlsruher Gerichte unter hohen Sicherheitsmaßnahmen, jedoch ohne großen organisatorischen Vorlauf zu bewirten. Ein Ort, der für diverse Konstellationen und verschiedene Anlässe eine Küche auf höchstem Niveau in einem angemessenen und qualitätsvollem Ambiente bietet. Damit die feine Küche nicht nur einem ausgewählten Kreis zur Verfügung steht und der Betrieb wirtschaftlicher laufen kann, soll es im gleichen Gebäude neben der gesicherten Gastronomie ein Restaurant für die Öffentlichkeit geben. Dieses gastronomische Konzept soll in dem uns zur Verfügung stehenden Gebäude, einem eleganten Pavillon im Stil der 60er Jahre, entwickelt werden. Dieser befinder sich im Park des Naturkundemuseums, dem Nymphengarten.

Konzept
Mit meinem Entwurf möchte ich das breite gastronomische Leben der Stadt Karlsruhe um ein neues, interessantes Angebot ergänzen: ein japanisches Restaurant mit hochwertigem Charakter in einem traditionell modernem Ambiente. In der Umsetzung greift mein Entwurf daher Elemente der japanischen Architektur bzw. des japanischen Designs auf. Demzufolge finden sich neben natürlichen Materialien und ausgewählter minimalistischer Einrichtung in neutralen, gedeckten Farben, auch diverse Designelemente, welche die japanischen Tugenden wie Ordnung, Frieden, Geborgenheit, Harmonie und den Respekt für die Natur miteinander vereinen und gestalterisch interpretieren. Die ausgewählten Komponenten sollen im Innenraum eine entschleunigende Atmosphäre schaffen und auf den Gast eine angenehm-beruhigende Wirkung haben.

Ein wichtiger Aspekt meines Konzeptes ist die Neugestaltung der Fassade. Die Bestandsfassade mit ihrer großflächigen Verglasung wirkt in seiner kompletten Präsenz zu wuchtig und nimmt dem Körper daher die Leichtigkeit.  Mein Entwurf sieht vor die massive Fassadenwand der ersten Étage, wie im Parterre, hinter die Stützen zurückzuversetzen. Als stilvoller Abschluss der beeindruckenden Glasfront und als architektonischer Blickfang sollen den Kubus umspielende Lamellen aus Massivholz bilden. Dies schafft für die Gäste im Innenraum einen Sichtschutz nach Außen, der funktional aber auch als Sonnenschutz dient.

Angefangen bei der Zonierung des Raumes, welche sich in meinem Entwurf durch das symmetrische Stützenraster ergeben hat, wurde die großzügige Fläche des zweigeschossigen Baus in verschiedene Bereiche strukturiert. Nebenräume wie die Küche, WC Kerne und Fluchttreppenhäuser befinden sich an der dem Naturkundemuseum zugewandten Seite und erstrecken sich übereinander angeordnet auf beiden Étagen. Beide Restaurants –privat und öffentlich- richten sich zum attraktiven  Nymphengarten hin aus und teilen sich die Flächen im Parterre und der ersten Étage.

Die Sicherheitsanforderungen der Richter und Anwälte sind eine elementare Anforderung an die Struktur und Nutzung des Gebäudes. Um diese Anforderungen zu gewährleisten ist neben einer separaten Erschließung auch eine räumliche Trennung im Inneren vorgesehen. Somit ist der gesicherte Bereich an der Ostseite platziert, der öffentliche an der Westseite erschlossen. Da das Innere des Erdgeschosses durch seine zurückversetzte Glasfassade weniger lichtdurchflutet ist als das mit Oberlichtern versehene Obergeschoss, sieht mein Konzept vor im EG ein gediegenes, dunkleres Ambiente zu schaffen, das auch das hochwertige gastronomische Angebot unterstreicht. Im Kontrast ist die Atmosphäre in der ersten Étage hingegen durch einen Materialwechsel und hellen Anstrich der Wände luftiger und transparenter gestaltet. Durch das Öffnen der Zwischendecke und der daraus resultierenden Verbindung mit der oberen Étage entstehen spannende Blickbezüge zwischen den hellen und dunklen Gestaltungswelten. Diese Öffnung in der Mitte des Gebäudes wird durch herabhängende Shojis – eine Anlehnung an die verschiebbaren Raumteiler in der traditionellen japanischen Architektur – betont. Es entsteht der Charakter eines traditionellen, japanischen Innenhofs. Hinzu kommen von der Decke herabhängende Kuben, welche den Lichteinfall durch die Oberlichter im Luftraum zusätzlich verstärken. Annelie Seiferheld


Jurybegründung: Die Jury lobt das besonders gelungene Raumkonzept. Die vielen variablen und unterschiedlichen Sitzmöglichkeiten gliedern den Raum, ohne dabei Unruhe zu schaffen. Die harmonische Zonierung mit fein abgestimmten Materialien bildet ein durchgängiges Konzept. Der mutige Eingriff in die Fassade eröffnet neue Außenräume im Obergeschoss und durch die eingeschnittenen Lichtkuben im Dachgeschoss wird eine interessante Lichtführung bis in das Erdgeschoss erreicht. Die Abgrenzung zu dem Sicherheitsbereich mit Sichtbezug über den Luftraum ist schlüssig gelöst. Die auffallend detaillierte Plandarstellung und die Perspektiven runden diese starke Arbeit ab.