bdia ausgezeichnet! Master für Sarah Gütlein „Alte Post – Neues Gästehaus“
Masterarbeit SS 19 an der Hochschule Darmstadt

„Alte Post – Neues Gästehaus“

Ort
Entlang der 53 km langen Schwarza erstreckt sich eines der ältesten Naturschutzgebiete Thüringens, das Schwarzatal. Im Schwarzatal befinden sich vereinzelte Ausflugsziele, wie die Schwarzburg, trotzdem ist der Leerstand in den Dörfern ein großes Problem.
Das direkt an der Schwarza gelegene Dorf Mellenbach-Glasbach ist durch die Bahnstrecke gut an die Infrastruktur angebunden, außerdem führt der Panoramawanderweg durch das Straßendorf.
Der Topografie des Ortes geschuldet, gibt es kein erkennbares Ortszentrum. An der zentralen Kreuzung des Dorfes befindet sich die leer stehende Alte Post, die Dorfkirche und ein neu gestalteter begrünter Platz. Das Ensemble soll
den neuen Ortskern bilden und durch seine günstige Lage an der Schwarza und in der nähe des Bahnhofes Besucher anlocken.

Aufgabe
Durch die neue Nutzung des ehemaligen Postgebäudes soll dem Leerstand im ländlichen Raum entgegengewirkt werden. Der Bau mit der für die Region typischen Schieferfassade wurde von der Gemeinde erstanden und soll wieder belebt werden.
Im Erdgeschoss soll eine öffentliche Nutzung mit kleiner Gastronomie entstehen, die als Treffpunkt dient. In den oberen Geschossen soll dem Wohnen eine neue Rolle zukommen, dabei sind verschiedene Varianten des Wohnens
und Übernachtens einzuplanen. Der sensible Umgang mit dem Bestand und die Nutzungsvielfalt sind zentrale Punkte der Planungsaufgabe.

Konzept
Das Konzept sieht in jedem der vier Geschosse eine eigene Nutzung vor, die sich jeweils um die Verteilerzone anordnet. Erschlossen wird das Gebäude auf der Südseite über eine kleine Terrasse mit rollstuhlgerechter Rampe.

Im Erdgeschoss befindet sich die kleine Gastronomie, die gleichzeitig als Empfang dient. Hier werden die Gäste mit einer kleinen Auswahl an Speisen bewirtet. Neben der Theke befindet sich eine Kaminlounge. Der Gastraum ist an der Ostseite gelegen und kann nach Süden und Norden durch große Drehtüren nach außen geöffnet werden. Die große Terrasse auf der Nordseite ist zurSchwarza hin ausgerichtet und verfügt über Sitztreppen. Hinter dem Gebäude im Garten befindet sich ein Boulefeld.

Im Kellergeschoss, das zusätzlich über die Gebäuderückseite erschlossen werden kann, befindet sich ein Fitness- und Kursbereich, sowie Nebenräume.

Über das Bestandstreppenhaus gelangt man ins erste Obergeschoss, dort können bis zu sieben Personen in einer Wohngemeinschaft für mehrere Monate zur Probe auf dem Land leben. Jede der beiden Wohnungen verfügt über
ein eigenes Badezimmer und einen Wohnbereich, die Küche wird gemeinschaftlich genutzt. Im vorderen Bereich gibt es einen großen Gemeinschaftsbereich, der von allen Personen in den Wohngeschossen genutzt werden kann, über einen großen Luftraum wird die Verbindung in das Dachgeschoss geschaffen.

Dort befindet sich die Herberge für Wanderer mit zwei 4er-Zimmern, einem Betreuerzimmer mit eigenem Bad und Sanitärbereichen. Am Luftraum liegt die kleine Küche und ein Sitzbereich. Über eine Stiege gelangt man in den Spitzboden mit Matratzenlager mit Schlafplätzen für vier Personen und kleiner Lounge.

Die Fliesen im Erdgeschoss und die Holzdielen im ganzen Gebäude sollen erhalten und restauriert werden. Im Erdgeschoss wird die bogenförmige Öffnung erhalten und weitere in die Bestandswände eingefügt. Durch eine vorgesetzte Holzvertäfelung wird die Verteilerzone indirekt beleuchtet.
Auch im Obergeschoss werden die meisten Bestandswände erhalten oder weiter geöffnet. In die Wand eingelassene Regale und Sitznischen sorgen für mehr Gemeinschaftsfläche. Im Luftraum wird das Fachwerk freigelegt, um den Bestand zu spüren, große, skulpturale Leuchten werden abgehängt und sorgen für Atmosphäre. Die großen Fenster leiten viel Tageslicht in die Räume, ergänzt wird es durch schlichte schwarze Hänge-, Einbau- und Standleuchten.
Über dem Luftraum werden drei Dachfenster eingefügt, die Dachgauben werden vergrößert und ergänzt. Helle Holzmöbel und Einbauten fügen sich in den Bestand ein, Polstermöbel in rosé und tannengrün, sowie die
Fliesen in den neuen Bädern setzen Akzente. Die dunkelgrauen Küchen werden durch Arbeitsplatten aus Schiefer ergänzt.
Sarah Gütlein


Jurybegründung: Die Jury lobt den sensiblen Umgang mit dem alten Gebäude und die Verwendung von bestehenden Materialien. Durch die klare Achse vom Eingang im Erdgeschoss hin zur Schwarza werden abwechslungsreiche Aufenthaltszonen gestaltet. Gelungen zeigt dich der zweigeschossige Innenraum im 1.OG zur Giebelseite. Der Entwurf bietet ein vielfältiges Nutzungsangebot vom Untergeschoss bis in das Dach. Im Außenbereich stellt die Terrasse mit Sitzstufen und auskragendem Steg den Bezug zum Fluss her. Feine Materialien und ein stimmiges Beleuchtungskonzept runden die schön dargestellte Arbeit ab.