bdia impuls. hello again | Review

„Kreislaufähige Innenarchitektur bietet viele Chancen“
REVIEW bdia impuls. hello again am 21. Oktober 2021 in Frankfurt am Main – hybrid

„Wir brauchen ein Wirtschaftsmodell, das dem Planeten zurückgibt, was es ihm wegnimmt, durch eine Kreislaufwirtschaft, die mit erneuerbarer Energie betrieben wird,“ hat EU Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen im September 2020 zum Auftakt des New European Bauhaus gesagt. Der Umbau zu einer Kreislaufwirtschaft wird im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung auch die Innenarchitektur fordern. Dies muss zusammen und vor allem interdisziplinär mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft umgesetzt werden.

Mit der hybriden Veranstaltung bdia impuls. hello again am 21. Oktober 2021 in Frankfurt am Main rückte der bund deutscher innenarchitekten Hessen die Themen Innenarchitektur in einer Kreislaufwirtschaft und damit auch Bauen im Bestand in den Fokus. Das Programm der Veranstaltung, die im Showroom des Möbelherstellers e15 im Frankfurter Osten stattfand, gestaltete sich vielseitig: Von Vorträgen, einer Diskussion, über einen Circular Walk, bei dem man zirkuläre Bauprodukte erleben konnte, bis hin zum anschließenden Get-together – natürlich unter Einhaltung der 3G-Hygiene-Regelungen.

„Als Innenarchitekt*innen fühlen wir eine Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen. Wenn nicht wir jetzt damit beginnen nachhaltig zu bauen, wer und wann dann?“, begrüßte Monika Slomski als Vorsitzende des bdia Landesverband Hessen und Gastgeberin das Publikum. Anschließend stellte Philipp Mainzer als Hausherr sein Unternehmen e15 und seine Vision für nachhaltiges Möbeldesign kurz vor.

Für das Hauptprogramm hatte der bdia Hessen Expert*innen zum Thema kreislauffähige Innenarchitektur eingeladen. In seiner Key Note stellte Prof. Dirk Hebel eindrücklich dar, welche Schlüsselrolle der Gebäudesektor im Kontext von Klima- und Ressourcenschutz spielt. „Müll ist ein Designfehler“, sagte der Spezialist für Nachhaltiges Bauen am Karlsruhe Institute for Technology. Im Projekt UMAR (Urban Mining and Recyling) im Forschungsgebäude NEST in der Schweiz setzte Hebel zusammen mit dem Forscher Felix Heisel und dem Bauingenieur Werner Sobek auf Sekundärmaterialien, um den Wert von Baustoffen zu zeigen, die wir bislang abreißen, wegschmeißen oder vernichten. Seine Forderung an die Innenarchitekt*innen: „Es gibt keine Ausreden mehr.“

„Wenn wir nachhaltig und kreislauffähig bauen, haben wir einen Vorteil“, erklärte Tina Kammer, Architektin und Nachhaltigkeitsexpertin – und betonte damit nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch Chancen. „Wenn wir materialgesunde Produkte einsetzen, ist gleichzeitig das Raumklima immer ein Schritt weiter.“ Mit Interior Park berät Tina Kammer mit Andrea Herold nicht nur nachhaltige Bauprojekte, sondern baut auch selbst. So stellte sie ihr Projekt Schlosserhof sowie eine Galerie vor, beides Sanierungen in Stuttgart. Ihre Forderung: „Die Verantwortung nicht wegschieben. Wir müssen mit den anderen reden und gemeinsam an den Zielen arbeiten.“

In der Pause stellten Claytec, e15, Mosa, Organoid und NeptuTherm ihre zirkulären Produkte im Rahmen eines Circular Walks vor. Die Teilnehmer*innen erhielten in kleinen Gruppen jeweils kurze Produktpräsentationen, um anschließend darüber in den Austausch zu kommen. Im digitalen Livestream konnten die Zuschauer*innen Filme der Hersteller ansehen.


In der anschließenden Diskussion kamen zu Prof. Dirk Hebel und Tina Kammer zusätzlich Dominik Campanella, Mitgründer der zirkulären Materialplattformen restado und Concular, und bdia Vizepräsidentin Irene Maier auf die Bühne. Zentrale Fragen waren: Wie kann die Innenarchitektur kreislauffähiges Bauen umsetzen? Und welche Chancen ergeben sich aus dieser Notwendigkeit? „Es darf keine festgeschriebenen Rezepte für die nachhaltige Transformation geben“, sagte Dirk Hebel. Das Experiment sei Teil dieses Prozess. Tina Kammer gab zu bedenken: „Wenn wir diese Lösungen nicht selbst entwickeln, machen es halt andere.“ Alle waren sich einig, dass Deutschland Vorreiter werden könne in Sachen Kreislaufwirtschaft – wenn jede*r mitmache. Dominik Campanella unterstrich die Bedeutung der digitalen Tools, wie digitale Materialpässe oder digitale Plattformen für Sekundärmaterialien.

Der bund deutscher innenarchitekten hat mit der Weimarer Erklärung 2019 und der Phase Nachhaltigkeit zusammen mit dem DGNB 2021 Konzepte für nachhaltige Innenarchitektur auf den Weg gebracht, erklärte Irene Maier. Die bdia Vizepräsidentin verspricht, das Thema in den kommenden Aktivitäten des Verbandes verstärkt in den Fokus zu nehmen. „Wir wollen Nachhaltigkeit nicht nur an Zertifikaten festmachen, sondern an gelebten Kreisläufen.“

Der bdia Hessen dankt allen Speaker*innen, Sponsoren und Unterstützern des bdia impuls. hello again, ohne die die Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre: Insbesondere e15 für den wunderbaren Veranstaltungsort, den Sponsoren Claytec, e15, formwandler, Mosa, Organoid, NeptuTherm und Vitra, den Netzwerkpartnern DGNB, Pier F und raumprobe, den Medienpartnern AIT, German-Architects, Interior Fashion, MD und Stylepark. Und schließlich dem kleinen Team, die den bdia impuls mit viel Enthusiasmus umgesetzt haben: allen voran Monika Slomski (bdia Vorstand), Simone Jüschke (bdia Vorstand), Martina Metzner (Journalistin) und Eric Johann (bdia), weiterhin Denise Boxler, Tamina Milius, Hannah Wilhelm, Katrin Barth und Alexander Schmid (alle bdia).

Wer den bdia impuls. hello again verpasst hat, kann ihn hier nachschauen:
» Stream bdia impuls.
» Programm.pdf


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