Aktuelles

Das bdia-Blog

23. Januar 2017

bdia ausgezeichnet! Bachelor für Bernadette Wilbs „Alte Schule, Bernkastel-Kues“

Bachelorarbeit SS 2016 an der Hochschule Trier
Betreuung: Prof. Wolfgang Strobl

Alte Schule, Bernkastel-Kues

ALLGEMEINES. Die „Alte Schule“ in Bernkastel-Kues liegt inmitten einer von vier Straßen begrenzten Fläche im Stadtteil Kues. In dem ursprünglich erhaltenen Teil Alt-Kues herrscht eine dörfliche Struktur mit Reihenhausbebauung. In diesem bildet das große Gebäude einen zentralen Baustein.
Laut eines Gutachtens von 1989, handelt es sich bei der „Alten Schule“ um ein erz- bischöfliches Zehnt- und Kelterhaus von 1720/1721. 1829 kaufte die Zivilgemeinde das Gebäude um es zu einem Schulgebäude umzubauen. Darin befanden sich abgesehen von den Klassenräumen auch Wohnungen für zwei Lehrer und ein Gemeindesaal. Auf Grund weiter steigender Kinderzahlen wurde eine katholische Volksschule an anderer Stelle errichtet und die „Alte Schule“ wurde von 1912-1965/66 als Kindergarten genutzt. Später erfolgte der Umbau und die Einrichtung des gesamten Hauses als Wohnbau. Da sich das Gebäude mittlerweile aber in baufälligem Zustand befindet, wurde diese Nutzung 2013 eingestellt. In der vorliegenden Arbeit geht es um den Umbau und die Sanierung der Alten Schule zur Wiederherstellung als Wohnungsbau.

KONZEPTIDEE. Den Bestand respektieren und Neues selbstbewusst zeigen. Zu Beginn
des Entwurfsprozesses stellte sich die Frage, welche Bereiche des Hauses oder auf dem Gelände erneuert oder angepasst werden müssen, um eine komfortable Nutzung des Gebäudes als Wohnbau möglich zu machen. Zwei Elemente bilden hier den Schwerpunkt. Das Erste ist die momentan in großen Teilen marode Treppe und das Zweite ein kleiner Neubau, der als Abstellraum für Fahrräder und Ähnliches dient. Diese neuen Elemente zeigen selbstbewusst, durch neue Konstruktionsarten und Farbe, dass sie in dieser Form zuvor nicht dagewesen sind. Gleichzeitig behält das Haus in seiner Gesamtwirkung durch den respektvollen Umgang mit der Fassade sein früheres Wesen.

FASSADE. Der wunderschöne Eindruck der Natursteinfassade bleibt bestehen, Freigelegt vom Sandputz, ist überall der Bruchstein zu sehen. Die Süd-West Fassade des Hauses war zuvor sehr klar als Schauseite erkennbar, wohingegen die rückwärtige Fassade in ihrer Anordnung eher willkürlich wirkte. Dieser Eindruck entsteht nun nicht mehr, da die Fenster in ihrer Größe und Symmetrie aneinander angeglichen sind. Um die Wirkung des Hauses nicht zu verfälschen sind überwiegend, ausgenommen an den Fenstern der Treppenräume, vorhandene Fensterteilungen übernommen. Da sich nun auch im Dachgeschoss Wohnungen befinden, sind neue Gauben platziert. Diese fügen sich in die Symmetrie der Fensteranordnung an der Fassade ein und sind auf Grundlage der Gestaltungsfibel Bernkastel-Kues für denkmalgeschützte Gebäude geplant.

GRUNDRISSE. Entstanden sind insgesamt neun Wohnungen, die gleichmäßig auf die drei Geschosse verteilt sind. Diese reichen von 1-Zimmer-Wohnungen bis hin zu 3-Zimmer-Wohnungen. Eine der drei Wohnungen im Erdgeschoss erlaubt eine behindertengerechte Nutzung. Im Entwurf ist Wert auf funktionale und praktische Grundrisse gelegt.
Die vorhandenen Kaminschächte sind als Installationsschächte miteinbezogen.
Weitgehend besitzt jeder Raum mindestens ein eigenes Fenster oder wird durch natürliches Licht belichtet. Die ausgewählten Materialien sind hochwertig und strapazier- fähig. Bei der Einrichtung der Wohn- und Schlafräume, sowie der Küche, gibt es viel Spielraum für eigene Ideen.

TREPPE. Die Treppe sticht als neues Element unverkennbar heraus. Im Gegensatz zur Bestandstreppe aus Holz ist diese nun eine Stahlkonstruktion. Der Augenmerk liegt dabei auf dem rot lackierten Lochblech, aus dem sowohl die Stufen, als auch die Wangen bestehen. Das Muster des Bleches ist eine grafische Abwandlung des Bruchstein- mauerwerkes. Die Farbe hebt sich deutlich ab, wirkt aber gleichzeitig nicht ganz fremd aufgrund der rotbraunen Sandsteingewände und rötlicher Elemente in dem Mauerwerk. Die neue Treppenart wurde konsequent umgesetzt. Somit besteht auch die kleine Außentreppe an der Frontseite des Gebäudes aus dem gleichen Material und weist mit einem kleinen Augenzwinkern darauf hin, dass sich im Inneren des Hauses etwas Neues befindet. Eine weitere markante Änderung ist die Öffnung des Treppenraumes bis unter das Dach, so dass ein durchgehendes Treppenauge entsteht. Wände und Böden des Treppenraumes sind in einheitlichem Weiß gehalten, sodass die rote Farbe ihre Wirkung frei entfalten kann. Die Öffnungen im Bereich der Treppenhäuser sind in einer Ganzglas- ausführung und die Fenster sind mit unsichtbaren Rahmen eingebaut. Sie bilden damit eine Art Guckloch in der Fassade auf das Neue im Innern.

NEBENGEBÄUDE. Das Nebengebäude ist ebenfalls eine Stahlkonstruktion mit innenliegender Entwässerung. Es erzielt eine homogene Wirkung, da es rundum mit ebenfalls demselben Lochblech verkleidet ist. Lediglich die Skalierung der Öffnungen ist der Nutzung angepasst. Durch die lichtdurchlässige Fassade ist ein Einsatz von weiteren Öffnungen zur Belichtung nicht nötig. An der nicht einsichtigen Rückseite befindet sich eine, ebenfalls mit Lochblech verkleidete Schiebetür, die den Zugang zum Fahrradraum und zum Abstellplatz für Mülleimer bietet. Das Nebengebäude ist ein kleiner Verweis auf den alten, maroden Schuppen, der früher an derselben Stelle in ähnlichen Abmaßen stand. Bernadette Wilbs

Die Bewertung der Bachelor- und Masterarbeiten erfolgte am 15. Juli 2016. Jury: Innenarchitektin und bdia Vizepräsidentin Pia A. Döll sowie bdia Innenarchitekt Pierre Gruen.

Jurybegründung: Der Entwurf überzeugt durch eine klare Neugliederung, wobei die markante Treppenskulptur die Hauptrolle spielt. Der sensible Umgang mit dem Bestand in Ergänzung mit modernen Lösungen für eine Bandbreite an Wohnungen zeichnen diese gelungene Bachelorarbeit aus.

 

Was ist Ihre Meinung dazu?