bdia ausgezeichnet! Bachelor für Michaela Beuscher „Urban Agriculture and Living“

Bachelorarbeit WS 2015/16 an der HAWK Hildesheim
Betreuung: Prof. Günter Lois Weber und Verw.-Prof. Almut Weinecke

Urban Agriculture and Living

KONZEPT zur Verbindung von moderner Landwirtschaft und urbanen Lebensprozessen zur Revitalisierung einer städtischen Büroimmobilie.

Das Wechselspiel von Urbanisierung, gesellschaftlichem Bewusstseins- wandel, Landlucht, moderner Landwirtschaft, leerstehenden Büroimmobilien sowie großem Bedarf an Wohnraum, fordern ein Umstrukturieren der städtischen Raumgestaltung. Mit dem Konzept „architecture for urban agriculture and living space“ suche ich nach einer gestalterischen Lösung auf die vorangegangenen Problemstellungen.
Der Entwurf soll einen städtebaulichen und sozialen Mehrwert schaffen, wo sich Bewohner und Gäste begegnen, landwirtschaftlich zusammmen arbeiten, den Ernteertrag konsumieren, ihr Wissen erweitern und ein alternatives Nutzungskonzept erleben. Anbauflächen sind auf den Dächern des Hauptbaus und des Anbaus verortet. Verbunden sind diese optisch und räumlich von der kubische Gewächshausstruktur, die sich entlang des Erschließungskern auf der Westseite des Gebäudes bis auf das Dach erstreckt.
Während im Außenraum planar angebaut wird, soll in den Gewächshaukuben ein Anbau in Regalsystemen erfolgen. Der erwirtschaftete Ertrag und die Ernte regionaler Bauern wird in dem im Erdgeschoss verorteten Shop verkauft und dem Restaurant im ersten Ober- geschoss zu Speisen verarbeitet.
Durch die luftige, weite Raumgestaltung wird die Nahrungskette für den Kunden transparent. Die Fassade ist nach Süden geöffnet und mit einer Glasbausteinwand versehen. Diese bringt Tageslicht ins Innere, hält durch ihre opalen Eigenschaften jedoch die direkte Südsonne ab. Der Shop ist clean und schlicht gehalten: Beton, Sichtestrich, Eichenholz und pastellig gebeizte Möbel bestimmen die Raumwirkung, der Fokus liegt dabei auf den mittig platzierten Auslagetischen und der Ernte. Dieser Bereich wird dominiert von quadratischen Nimbus Leuchten mit hohen Beleuchtungsstärken, sowie Akustik Panelen, die den Fokus auf die Auslage richten. Ein geringer Indirekt-Anteil der Leuchten sorgt dafür, dass die Decke nicht zu düster wirkt. So wird ein gleichmäßiges, allgemeines Raumlicht erzeugt. Versteckte lineare Richtstrahler beleuchten den Kassenbereich, nehmen sich gegenüber der Luftrauminstallation jedoch zurück. Vertikale Wandflächen werden durch Streiflichtkanäle akzentuiert und sorgen für Orientierung.
Ein Luftraum verbindet Shop und Restaurant; dort gepflanzte Birken bringen die Natur in den Innenraum. Das Restaurant liegt im ersten Obergeschoss, kann durch Treppe und Aufzug erschlossen werden und ist in zwei Bereiche unterteilt. Eine offene Küche sowie zwei mittig platzierte Tafeln bringen Transparenz und Leben in den Gastraum. Der dahinterliegende Loungebereich weißt durch eine Wandnische eine geborgenere Raumatmosphäre auf. In der Restaurantküche gilt das „Farm to Table-Prinzip“:
der Ernteertrag gelangt auf den Teller des Gastes. Dies kann ebenso durch den direkten Blick auf die auf dem Dach liegenden Anbauflächen miterlebt werden. Das Restaurant wird von mehreren modernen Kronleuchtern beleuchtet: diese erzeugen ein niedriges, gemütliches Lichtniveau als allgemeines Raumlicht.
Das Informationszentrum befindet sich im Erdgeschoss des Hauptbaus. Die großzügig gestaltete Glasfassade lässt viel Tageslicht in die Räume eindringen, wodurch ein offener und heller Raum entsteht. Eine Vortrags fläche befindet sich im offenen Raum, genauso wie eine angrenzende Arbeitsfläche. Die Terrasse mit Kräutergarten ist vom Informations- zentrum direkt begehbar. Von ihr aus wird eine Verbindung zum Shopbereich geschaffen, wodurch ein Umlauf entsteht.
Neben den öffentlichen Bereichen sind zusätzlich 25 Wohneinheiten vorgesehen. Diese erstrecken sich vom ersten bis zum fünften Obergeschoss des Hauptbaus. Die drei unterschiedlichen Wohntypen sind auf den Platzbedarf von Singles, ebenso wie von Familien ausgelegt. Inspiriert von den bestehenden Schiebewänden des einstigen Büro- gebäudes, sind die Wohneinheiten weit und offen gestaltet, mit der Möglichkeit der individuellen Unterteilung und dem Bestreben möglichst viel Tageslicht einfallen zu lassen. Ziel ist es zum einen, dem starken Wohnungsmangel der Region entgegen zu treten und zum anderen die Möglichkeit zu bieten, das Konzept näher zu erleben. Zum Beispiel durch die Bewirtschaftung einer Anbaufläche im Haus eigenen Garten. Michaela Beuscher


Die Bewertung der Abschlussarbeiten erfolgte am 3. Februar 2016. Teilnehmer der Jury waren: Landesvorsitzender bdia Bremen/Niedersachsen und Innenarchitekt Michael Jülke, bdia Innenarchitektin Imke Oltmanns sowie bdia Innenarchitekt Arnold Derks.

Jurybegründung: Eine Büroimmobilie wird durch Verbindung von moderner Landwirtschaft und urbanen Lebensprozesen revitalisiert. Dieser Entwurf überzeugt durch konsequente gestalterische und konzeptionelle Planung von innen nach außen. Das Tages- und Kunstlichtkonzept ist besonders gelungen.