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23. Februar 2017

bdia ausgezeichnet! Bachelor für Thays Runge „Auf den Spuren von Thaïs“

Bachelorarbeit SS 2015 an der Hochschule Coburg
Betreuung: Prof. Michael Heinrich

Auf den Spuren von Thaïs – eine räumlich-dramaturgische Entdeckungsreise

Das Phänomen der Fusion von Drama und Gesang, sowie das Zusammenspiel von visuellen und akustischen Reizen hat mich dazu bewogen, mich in meiner Abschlussarbeit der Bühnenbildgestaltung für das Musiktheater zu widmen
In der Konsequenz entwarf ich schlussendlich ein Bühnenbild zu der Oper Thaïs des französischen Komponisten Jules Massenet.
Die Besonderheit des Operngenre liegt dabei in der Bedeutung der Musik. Die Musik begleitet nicht nur, sie erzählt, sie erschafft Musik, Bilder und Stimmungen, die auch in meinem Entwurf eine wichtige Rolle spielen. Nach einer sehr gründlichen Analyse des Werks begann ich die Motive beziehungsweise die Aussageabsichten der Oper herauszuarbeiten.
Ziel meiner Gestaltung sollte es sein, das Publikum anzuregen, es dazu zu animieren, sich mit den Figuren zu identifizieren und mitzufühlen.
Mir lag daran, eine Welt schaffen, die keine oder nur eine ungenaue zeitliche Einordnung zulässt und räumlich
abstrakt genug ist, um die Stimmung der im Libretto angegebenen Räume zu transportieren, ohne sich bildlich konkret darzustellen. Die Vielfalt der Motive werden zugunsten der Komplexität der Geschichte und ihrer Figuren erhalten.
Das daraus resultierende Leitmotiv soll zu jeder Zeit an jedem Ort Gültigkeit besitzen.
Es geht um die Suche, die Reise und den Kampf darum, seinen Platz in der Welt,
in der man lebt zu finden, sowie die Fremdbestimmung und Selbstbestimmung der Entscheidungen,
die in diesem Zusammenhang getroffen werden.
Der Fokus liegt dabei auf den Wegen, Irrwegen, Ängsten und Zweifeln,
die einem Menschen auf dieser Reise begegnen, begleiten und leiten.
Konkret bedeutet dies, dass ich die innere Reise der Hauptfiguren darstellen wollte. Die Wege, die sie dabei einschlagen, oder gerade nicht einschlagen, die Beweggründe ihrer Entscheidungen und die Art und Weise, wie sie bei diesen Entscheidungen von der Gesellschaft beeinflusst und gelenkt werden.
Ebenso geht es  um die Auswirkungen der Verneinung von Menschlichkeit. Auf dieser Reise bewegen sie sich zwischen zwei Extremen, sogar zwischen zwei extremen Lebensentwürfen.
Das draus resultierende Bühnenbild setzt sich somit aus folgenden drei Hauptelementen zusammen:

    • Das zentrale Element bildet eine konisch zulaufende und variabel einsetzbare Rampe, auf der sich das gesamte Geschehen abspielt. Diese Rampe ist durchzogen von rissartigen Gräben, die sich heben und senken lassen, sodass entweder eine Grabenlandschaft, oder eine ebene Rampe dargestellt werden kann.
    • Das Gegenstück dazu bilden Kristallvorhänge, die nicht ganz bis zum Boden reichen und so das abgehobene, losgelöste Stadtbild darstellen. Während die Risse, beziehungsweise die Gräben der Rampe die (Irr-)Wege der einen Welt darstellen, bilden die Vorhänge die (Irr-)Wege der andern Welt. Mit ihnen können verschiedene Räume gebildet werden.
    • Das dritte Element ist der Feigenbaum, der die Natürlichkeit und Geborgenheit, sowie die Verbindung der Extreme symbolisiert. Vom Feigenbaum sind jedoch nur die charakteristischen Wurzeln, beziehungsweise der Stamm zu sehen, um die Größe und Symbolbedeutung des Baumes hervorzuheben. Die Krone wird lediglich mit Hilfe der Schatten eines Blätterdaches angedeutet.

Die Bewertung der Arbeiten erfolgte am 19. August 2015 mit der Sichtung von 20 Bachelor- und 1 Masterarbeit im Studiengang Innenarchitektur des Sommersemesters 2015. Jury: Innenarchitektin Claudia Schütz, bdia Vizepräsidentin, Innenarchitekt Jürgen Bahls, Vorsitzender bdia Bayern, Innenarchitekt Christoph Lay, Vorstand bdia Bayern, Innenarchitekt Tillmann Fischbach sowie bdia Ehrenpräsident Rainer Hilf.

Jurybegründung: Durch intensive Recherche der Rahmenbedingungen für die Entstehung der Oper mit einer tiefgreifenden Analyse der Analogie des Librettos sowie einer sorgfältigen Interpretation der Oper gelang Thays Runge ein ausnehmend kreatives und formvollendetes Konzept für die Gestaltung und Umsetzung des Bühnenbilds. Eine beeindruckende und vorbildliche Bachelorarbeit, die durch die Stärke der Einfachheit und Qualität der Mittel besticht und vielfältigen Raum lässt für die Entfaltung der Phantasie der Zuschauers einerseits und besonders für die Interpretation der Musik und der Geschichte von „Thaïs“ durch die Protagonisten andererseits.

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