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25. Januar 2017

bdia ausgezeichnet! für Paulina Mecik „Die Kastenmälzerei – Das Hostel auf Zeit“

Bachelorarbeit SS 2016 an der Hochschule Kaiserslautern
Betreuung: Prof. Gregor M. Rutrecht

Die Kastenmälzerei – Das Hostel auf Zeit

In meiner Masterarbeit „Hostel auf Zeit“ habe ich ein temporäres Wohnungskonzept für Neuankömmlinge und Wohnungssuchende in unserer Hauptstadt Berlin entwickelt, welches eine Antwort auf die aktuelle Wohnungsfrage in Großstädten geben soll.

In der ehemaligen Kastenmälzerei der Malzfabrik in Tempelhof/Schöneberg, die jahrelang für die Herstellung von Malz für die Brauerei Schultheiss AG zuständig war, entsteht ein neuartiges Hostel, welches samt Gepäck, Möbel und etwas Mut zu einem Neuanfang bezogen werden kann.
Das Hostel bietet als Zwischenstopp auf dem Weg in einen Neuanfang in einer fremden Stadt eine Basis, von der aus sich die Bewohner orientieren und eine Existenz aufbauen können – sei es privat oder beruflich.
Der Neuankömmling steht im „Hostel auf Zeit“ unter keinem Zeitdruck und das Konzept der Unterkunft bietet dem Bewohner verschiedene interne Unterstützungsmöglichkeiten in Bezug auf die herausfordernde Wohnungssuche in einer Großstadt.
Das „Hostel auf Zeit“ ist mehr als eine Unterkunft: Es ist die Verbindung zwischen dem „alten“ und „neuen“ Leben für Großstadthungrige und schafft einen flexiblen Start in die neue Umgebung.

Im Hostel werden Veranstaltungen organisiert und attraktive Freizeitangebote geschaffen, die das Networking zwischen Neuankömmlingen und Einheimischen ermöglichen. So entstehen Freundschaften oder auch zukünftige Wohngemeinschaften. Gleichzeitig lernt der Bewohner seine neue Heimat auf interessante und abwechslungsreiche Weise besser kennen.
Die Fahrradstation im Hostel ermöglicht außerdem ein flexibles und mobiles Erkunden der Stadt.
Auch Start-up-Unternehmen und Existenzgründer finden im „Hostel auf Zeit“ ihren Platz. Neben 16 Wohneinheiten, die mindestens 32 Personen beherbergen können, stellt die ehemalige Kastenmälzerei den Existenzgründern Arbeits-, Besprechungs- und Seminarräume zur Verfügung.

Der Alltag der Hostelbewohner wird durch die Vielzahl der Angebote des aktiven Hostel-Lebens bereichert: Es können regelmäßige Veranstaltungen in der Malzfabrik im Bereich Musik und Kunst besucht werden, die Cafeteria bietet einzigartige Sitz- und Liegemöglichkeiten in den ehemaligen Weichen der Mälzerei, die an die ursprüngliche Aufgabe des Gebäudes erinnern; ein Open-Air-Kino auf der Dachterrasse, ein Fitnessraum, eine Bibliothek und ein Teich auf dem Fabrikgelände machen das Hostelleben zu etwas Besonderem.

Die Wohnungen der Mälzerei zeichnen sich nicht nur durch ihren offenen Grundriss und die gemeinschaftlich genutzten Räumlichkeiten aus. Charakteristische, speziell für die Kastenmälzerei entworfene Möbel runden das Konzept spielerisch ab und unterstreichen den Entwurf. Eine „1to1“-Schlaf- und Sitzbox bietet dem Bewohner einen privaten Rückzugsort mit variablen Funktionen. Zudem kann diese zu einem Ort der Begegnung verwandelt werden und als Sitzbox beispielsweise auf der Dachterrasse der Kastenmälzerei oder bei einem Fernsehabend in der Wohnung genutzt werden. Bewegliche Möbel im Wohnungs- und Arbeitsbereich des Hostels ermöglichen eine flexible Nutzung der Räumlichkeiten. Sie können durch ihre Anpassungsfähigkeit auf die ständig wechselnden Situationen im Hostel problemlos und zuverlässig reagieren.

Das Gestaltungskonzept des Hostels zieht sich einheitlich und konsequent durch das gesamte Bestandsgebäude: Dabei soll der Fabrikcharakter der ehemaligen Kastenmälzerei erhalten bleiben. Die Verbindung zwischen Alt und Neu, die nicht immer klar voneinander trennbar ist, aber sich bei genauer Betrachtung deutlich abzeichnet, schafft eine besondere und spannende Atmosphäre, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht nur nebeneinander existieren können, sondern voneinander profitieren.

Charakteristisch für die ehemalige Kastenmälzerei ist ihr Baustil der Moderne der 50/60er Jahre. Sie zeichnet sich durch ihre Skelettbauweise, ihre Funktionalität, Materialien wie Beton mit Brettschalung, Metallelementen in verschiedenen Grüntönen und den erhaltenen und in das neue Konzept integrierten Maschinen, die für die Produktion des Malzes zuständig waren, aus.
Die Gebäudehülle und die bestehende Tragkonstruktion der Kastenmälzerei bleiben erhalten und bilden den Rahmen für das Konzept des Hostels. Ausgewählte Maschinerien, wie zum Beispiel ein Keimkasten, mehrere Weichen oder Silos werden in das Gestaltungskonzept integriert und mit neuer Funktion inszeniert.
Neue Elemente und Bauteile der Kastenmälzerei heben sich durch ihre Materialität wie Glas, Filz, Seekiefernholz und Spanngurten und ihrer Beweglichkeit und Leichtigkeit als Gegensatz zum starren, massiven Bestand deutlich ab.

Das „Hostel auf Zeit“ bildet auf diese Art einen spannenden Bogen zwischen Aufbruch und Ankunft, Alt und Neu, individueller Bedürfnisse und Gemeinschaft und geht auf aktuelle Herausforderungen am Wohnungsmarkt und dem Umgang, bzw. der Umnutzung von Bestandsgebäuden ein. Paulina Mecik

Die Bewertung der Bachelor- und Masterarbeiten erfolgte am 7. Juli 2016. Jury: bdia Innenarchitektin und bdia Vizepräsidentin Pia A. Döll sowie bdia Innenarchitekt Pierre Gruen.

Jurybegründung: Das Gestaltungskonzept des Hostels zieht sich einheitlich und konsequent durch das gesamte Bestandsgebäude: Dabei wurde der Fabrikcharakter erhalten. Die Verbindung zwischen Alt und Neu schafft eine besondere und spannende Atmosphäre. Eine in sich stimmige Abschlussarbeit mit individuellen Lösungen, die ein starkes innenarchitektonisches Ganzes ergeben

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