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24. Januar 2017

bdia ausgezeichnet! Master für Philine Pleuger „skiafos – Freiraum für Achtsamkeit“

Masterarbeit SS 2016 an Akademie der Bildenden Künste, München
Betreuung: Prof. Maria Auböck, Prof. Gregor Eichinger, Prof. Carmen Greutmann-Bolzern, Prof. Urs Greutmann

skiafos – Freiraum für Achtsamkeit

Mit skiafos – Freiraum für Achtsamkeit – soll ein neuer Raum für Ortsansässige, Pendler aus Athen und temporär dort lebende Touristen geschaffen werden. Darüber hinaus soll der Entwurf als Anstoß für eine neue Nutzung der viele Jahrzehnte lang leerstehenden Rohbauten in Griechenland verstanden werden.

Skiafos entsteht durch den rahmenbildenden Rohbau mit seinem umgebenden verwunschenen „Wildgarten“ und das angrenzende Meer. Aus der Ferne wird der Rohbau in seiner Ursprungsform wahrgenommen, teils verdeckt durch die wuchernden Bäume, Büsche und anderen botanischen Besonderheiten. Nähert man sich ihm von der Landseite, so entdeckt man dort die (in ihrer Erscheinung) dezent eingefügten Lamellen, die die beiden Gebäudeteile im oberen Abschnitt verbinden und in der additiven Erschließungszone mit ihren Wandscheiben eine starke Achse bilden.
Wiederum von der Meeresseite ist das Gebäude deutlich geöffneter in seiner Erschein- ungsform und verdeutlicht diese einladende Geste durch einen Steg, der Meer und Objekt verbindet.  Wurde die Neugierde des spontanen Besuchers oder die des angemeldeten Gastes geweckt, so erschließt er skiafos über die Nordostseite über einen quer- verlaufenden Steg, der auf die eigentliche Hauptachse stößt.
Diese Hauptachse führt mit einer leichten Steigung zentral auf die Gebäudehälften und inszeniert und verlängert den Weg durch den sich schon andeutenden wilden Wald. Der Besucher wird durch einen Mauerabschnitt, der dann auf Erdniveau eintaucht und wieder verschwindet, geleitet.Wenige Meter später wird der Gast vom Mittelbau aufgenommen und erlebt durch die Lichtfilterung in Form der überkopfverlaufenden Lamellenkonstruktion eine langsame visuelle Gewöhnung an die Schattierung.

Linker Hand trifft er auf den Empfang, an dem sich ihm ein Angebot an erfrischenden, einfachen Getränken offenbart. Der Verleih von Handtüchern und Matten sowie das Buchen der Kurse sind hier ebenso vorgesehen. Es entstehen Blickachsen zum einen durch die Bibliothek, den dahinterliegenden Hof und den Durchgang zum Garten und zum anderen in entgegengesetzter Richtung den Hof mit dem Wasserbassin.

Die Blicke des Gastes werden durch das Zusammenspiel von den Bestandsstützen und den bewusst gesetzten neuen Wandscheiben geleitet oder teilweise unterbrochen, um so die Neugierde für dahinterliegende Räume zu steigern. Durch diese Gliederung des ursprünglichen „wandlosen“ Raums entstehen Raumbereiche, wie die Küchenzone, die nach einem Spaziergang durch die umgebende Botanik oder die nahegelegenen Anhöhen Raum für eine Weiterverarbeitung der Kräuter bietet. Auch Tees für den Aufenthalt können dort zubereitet und am Küchentresen oder auf einer der Sitzinseln konsumiert werden. Als raumbildendes, zentrales Element steht ein Regal, das für die mit Kräutern versetzten Öle und zum Trocknen aufgehängten Kräuterbündel Platz bietet.

Von der Kräuterverarbeitung blickt man in Richtung der neu eingesetzten Olivenbäume, der Ruhebank, des Wasserbassins und der Treppensegmente. Die beiden letzteren Objekte sind Zeichen meines „Rückbaus“. Das Bassin fungiert als Überbleibsel des ehemals geplanten Pools und die Treppe als ursprüngliche Verbindung zur Terrasse des ersten Obergeschosses. An der Nordostseite des Hofs gliedert sich der Vortragsraum für etwa 20 Besucher an. Optisch geteilt werden diese beiden Zonen von einem verandaartigen Bereich, der die neue Erschließung des Obergeschosses mit der Sportfläche, einer Sonnenterrasse sowie einem geschützten Umkleidebereich umfasst.

Auf der Südwestseite befindet sich die deutlich ruhigere Zone (ebenfalls durch den Steg zu erreichen). Untergebracht sind hier eine über nahezu zwei Geschosse reichende Bibliothek mit einem offenen Lesebereich, das ruhige besonders für die kühleren Jahreszeiten genutzte Kaminzimmer und der freistehende Klangschalenraum im ehemaligen Poolunterbau. Der neu geschaffene Innenhof bildet das Bindeglied zwischen den baulichen Elementen und dem an der Rückseite der alten Betonwand befindlichen verwunschenen Garten.

Der Einsatz der Materialien ist bewusst reduziert gewählt. So ergibt sich aus dem Bestand eine Basis von rauem, eher dunklem Sichtbeton. Ergänzt wird dieser durch glatte, deutlich heller nuancierte Beton-Wandfüllungen, die jeweils Schattenfugen aufweisen, um sich neben der farblichen Abstufung zusätzlich vom Bestand zu unterscheiden. Der Lichtfilter besteht aus hintereinander gespannten Betonlamellen, die im Falle der Mittelachse verdichtet auftreten.

Das Mobiliar, wie auch die wiederkehrenden Regalsysteme, die Arbeitsplatte und Regalfächer der Küche und der Steg, der sich an seinem Ende als Sitz- oder Liegemöglichkeit über dem Wasser herausbildet, ist aus örtlich vorkommendem Zypressenholz vorgesehen. Neben der – je nach Nutzungsbereich – unterschiedlichen Oberflächenbehandlung des Holzes – natur, geölt oder später natur-verwittert – verströmt es einen besonderen Duft. Die Haptik des fein strukturierten und warmtönigen Zypressenholzes harmoniert mit der Kühle des Sichtbetons und steht gleichzeitig im strukturellen Zusammenhang mit der Schalungsbetonoptik des Bestandes. Im Außenbereich gleicht es sich im Laufe der Zeit witterungsbedingt langsam an das Grau des Sichtbetons an. Transparenz und Windschutz bieten die Schiebe- und Festverglasungs- elemente sowie die gläserne Absturzsicherung im Obergeschoss. Durch die variablen Öffnungsmöglichkeiten sind die Bereiche winddurchströmt und lassen einen möglichen akustischen Schall nach außen.

In den Lese- und Ruhebereichen fügen sich Textilien wie Leinen und Baumwolle in Naturtönen ein, die eine warme Gemütlichkeit erzeugen und sich positiv auf die Akustik auswirken. Teppiche aus natürlichem Geflecht – bspw. aus Agavenfasern – zonieren die Sitzgruppen. Im Winter ist ein Wechsel zu wollenen Materialien vorgesehen.

Skiafos ist ein Ensemble von Licht und Schatten, jeweils im richtigen Maß, abhängig von der Aktivität bzw. des Aufenthaltsbereichs. So sind die schattenspendenden Lamellen in ihrer Höhe und ihrem Abstand zueinander dem Sonnenstand angepasst und verhindern den direkten Sonneneinfall. Philine Pleuger

Die Bewertung von 14 Bachelor- und 12 Masterarbeiten erfolgte am 14. Juli 2016. Jury: Innenarchitektin Claudia Schütz, bdia Vizepräsidentin und Landesvorsitzende Bayern; Innenarchitektin Dorothee Maier, stellvertr. Landesvorsitzende Bayern; Innenarchitekt Johann Haidn, bdia Schatzmeister; Innenarchitektin Annette Brunner; Innenarchitekt Bernhard Rückert sowie der Preisträger des Vorjahres Janis Necker.

Jurybegründung: Die in sich stimmige Arbeit zeigt einen durchdachten Lösungsansatz zur Umnutzung der bestehenden Bauruinen in Griechenland. Die sinnvollen Eingriffe in den Bestand und die sehr gute Darstellung zeugen von einer klaren Haltung in der Gestaltung. Der Umgang mit Materialien unterstreicht das Konzept der Achtsamkeit.

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