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27. März 2017

bdia asgezeichnet! Master für Aitana Miriam Villanova Pellicena „Die Kirche im Dorf lassen“

Masterarbeit WS 2016/17 an der Hochschule HAWK Hildesheim
Betreuung: Prof. Dr. Sabine Foraita & Prof. Josef Strasser

Die Kirche im Dorf lassen

Umnutzung von Kirchengebäuden am Beispiel der Neuen Kirche St. Peter und Paul in Donndorf (Thüringen)

„Die Kirche im Dorf lassen“ wird auf Deutsch als Redewendung der selbstverständlichen Ordnung benutzt. Bedauerlicherweise wird in der Realität „die Kirche im Dorf zu lassen“ immer schwerer. Jetzt stehen viele dieser Gebäude einfach leer. So ist es derzeit eine wichtige Aufgabe, Ideen zu entwickeln, um eine neue Nutzung für ungenutzte Kirchen zu finden. Wie kann man Kirchen attraktiver machen? Wie kann eine Kirche neben der religiösen Nutzung auch noch aussehen?

In dieser Masterarbeit wurden für die Neue Kirche St. Peter und Paul in Donndorf (Thüringen) neue Nutzungsmöglichkeiten konzeptionell und gestalterisch entworfen. Die Idee war es, nicht irgendeine Funktion in der Kirche zu planen, sondern eine Nutzung auszuwählen, die die Kirchen schon im Mittelalter hatten, um diese in einer modernen und aktuellen Form zu gestalten. Die Größe der Herausforderung war dabei, den sakralen Raum neu zu gestalten und trotzdem auf die spezielle Atmosphäre und die baulichen Besonderheiten des Gebäudes einzugehen. Mit Hilfe der Recherche und partizipativen Architektur wurden zwei gestalterische Konzepte herausarbeitet: ein Bergwander-Hostel und ein Ausstellungsraum.

Bergwander-Hostel

Schon im 14. Jahrhundert haben die Franziskaner Kirchen eingerichtet, um Schlafmöglichkeiten anzubieten. Die Hospize waren nicht nur kleine Räume oder „Zellen“ innerhalb der Kirche für kranke, alte und arme Menschen, sondern auch für die Pilger. In der Nähe von Donndorf gibt es keinen Pilgerweg, aber es gibt eine andere Besonderheit, welche immer mehr Touristen anlockt: der alte Wald „Hohe Schrecke“. Deswegen wäre es eine gute Entscheidung, die Neue Peter- und Paulskirche als „Hospiz“ bzw. Herberge für die Wanderer einzurichten.

Um den Platz der Kirche so gut wie möglich zu nutzen, damit sich der Betrieb eines Hostels lohnt, wurden die Zimmer in 3 Etagen geplant. Zwei große Strukturen tragen die verschiedenen Zimmer, die wie gestapelte Kuben im Kirchenschiff aussehen. Diese Kuben erinnern an die Zellen, welche die Franziskaner für die Pilger eingerichtet hatten, aber dieses Mal in einer moderneren Form: viel heller und offener. Die 6-seitigen Würfel haben 2 große Verglasungswände, die das Licht der Kirchenfenster weiter in den Raum verteilen. Die Idee ist, dass die beiden Strukturen nicht an den Wänden der Kirche befestigt werden, sondern dass sie selbstständig stehen. Dieses Konzept hat nicht nur zur Folge, dass die Wände und die Architektur der Kirche noch zu sehen sind und erhalten werden können, sondern es hat auch einen temporären Charakter, denn die Konstruktion kann wieder vollständig abgebaut werden, ohne die Kirche zu beschädigen.

Ausstellungsraum

Die Thematik der Ausstellung sollte von allgemeinem Interesse sein, deshalb wurde ein Infopunkt kombiniert mit einer Ausstellung speziell für das Naturschutzgebiet „Hohe Schrecke“ entworfen. Das Ziel des Ausstellungsraumes ist es, nicht nur Inhalte zu vermitteln, sondern auch Gefühle zu übermitteln, die man im Wald und in der Natur haben kann. „Natur“, „Lebensraum“, Bäume“ und „Holz“ waren die wichtigsten Begriffe, die in der Ausstellung präsent sein müssen. ­ Um die Ausstellungsarchitektur mit dem Thema Natur in Einklang zu bringen, wurde soweit wie möglich auf eckige Formen verzichtet und stattdessen wurden viele organische Formen verwendet, die z.B. an die Ringe eines Baumstamms erinnern.

Die Ausstellung kann man als Rauminstallation in der Kirche verstehen, denn es wurde von Anfang an mit den Dimensionen des Kirchenraums, mit Licht und Stimmungen gearbeitet. Durch eine riesige Spirale mittig im Kirchenschiff schaffen wir es, den Platz in der Kirche bestmöglich auszunutzen und gleichzeitig den Blick auf die Kirchenwände nicht zu verdecken.

Der Titel der Ausstellung heißt: „Der Baum als Lebensraum”. Die verschiedenen Stationen der Ausstellung sind hauptsächlich im Spiralgang zu finden und so angeordnet, dass man von unten nach oben gewissermaßen durch die verschiedenen Schichtungen eines Waldes geht

Das sind zwei unterschiedliche Konzepte für eine kleine Kirche in einem kleinen Dorf in Thüringen. Mit dieser Arbeit muss ich feststellen, dass die leerstehenden Kirchengebäude nicht nur negative Konsequenzen haben, sondern als Chance für die Gemeinden begriffen werden sollten. Eine gemeinsame Arbeit an einer Umnutzung der eigenen Kirche kann das Gemeinwesen stärken und stellt eine wunderbare architektonische und gestalterische Herausforderung an Liebhaber solcher auratischer Räume  dar. Aitana Miriam Villanova Pellicena

Die Bewertung: (folgt)

Jurybegründung: Diese Arbeit beschäftigt sich mit zwei verschiedenen Möglichkeiten der Umnutzung einer ehemaligen Kirche. Die kreative Auseinandersetzung mit dem Bestand hat die Jury beeindruckt. Auch die Art und Weise der Darstellung des Entwurfs in Visualisierung und Modell ist bemerkenswert.

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