Aktuelles

Das bdia-Blog

23. Februar 2017

bdia ausgezeichnet! Master für Claudia Schürg „Alte Zündholzfabrik“

Masterorarbeit WS 2016/17 an der Hochschule Darmstadt
Betreuung: Prof. Kerstin Schulz

Alte Zündholzfabrik

Ort und Aufgabe
Das Winzerdorf Albersweiler liegt, umgeben von Weinbergen und Kastanienwäldern,
direkt an der Deutschen Weinstraße, am Rande des Pfälzerwaldes. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchs Albersweiler vorübergehend zum Industriestandort heran. In dieser Zeit siedelte sich unter anderem die Zündholzfabrik an, die damals zu den größten ihrer Art in Deutschland gehörte. Seit 1978 liegt die Zündholzfabrik brach. Die Aufgabe besteht darin, das Industrieensemble zu revitalisieren und in den Ort zu integrieren. Für das auf dem Areal befindliche Kesselhaus ist in diesem Kontext ein Umnutzungskonzept zu entwickeln.

Nutzungskonzept
Das Nutzungskonzept sieht vor, einen gemeinschaftlichen Ort für kulturelle und nachbarschaftliche Veranstaltungen zu schaffen und somit eine Schnittstelle zwischen Anwohnern und Dorfbesuchern zu etablieren. Das Kesselhaus soll zukünftig für Veranstaltungen aller Art nutzbar sein. Ein langer Café-/Bartresen steht für den regulären Betrieb zur Verfügung, die große Freifläche kann flexibel bespielt werden. Konzerte, Lesungen oder Ausstellungen sind ebenso möglich wie Wochen- oder Flohmärkte. Im Maschinenhaus soll eine Gemeinschaftsküche entstehen, in der Anwohner und Dorfbesucher interaktiv zusammenkommen. Neben dem regulären Betrieb kann die Küche für Kochkurse verwendet werden. Im südlichen Teil des Maschinenhauses befindet sich ein Co-Working-Bereich, der sowohl frei zugänglich, als auch temporär vermietet, genutzt werden kann. Im ehemaligen Lagerturm entstehen vier Gästezimmer. Durch die vielfältige Nutzung und die flexible Bespielbarkeit steht das Gebäude einem breiten Nutzerspektrum zur Verfügung und schafft einen neuen kollektiven Ortsmittelpunkt.

Raumkonzept
Das Kesselhaus ist ein 13 Meter hoher Raum, in dem sich damals ein Dampfkessel zur Energieproduktion befunden hat. Besonders prägend sind die raumhohen Fensterbänder an der Nord- und Südfassade, sowie die Achsensymmetrie des Raumes.
Um den Raum zu zonieren und in seiner Höhe erlebbar und nutzbar zu machen, soll ein Raumkörper eingestellt werden. Die Position dieses Einbaus orientiert sich an den Fensterachsen, sowie an der Symmetrie des Gebäudes. Die mittlere Achse wird bewusst freigelassen, um die zentrale Achse des Gebäudes zu betonen. Es entstehen ein zwei-
geschossiger Riegel und ein dreigeschossiges Erschließungselement, die durch einen Steg miteinander verbunden sind.
Um das besondere, atmosphärische Kesselhaus ringsherum spürbar zu lassen, soll der Körper möglichst offen und durchlässig sein. In seiner Gestalt und Konstruktion stellt der Einbau eine Neuinterpretation der industriellen Bestandselemente des Gebäudes dar. Raumprägende Elemente und Materialien wie der Wartungssteg, die Stahlkonstruktion der Kesselanlage und das Fliesenband werden wiederaufgegriffen und im neuen Kontext adaptiert eingesetzt. Stahlträger stellen die Tragstruktur des Körpers dar. Ergänzt wird diese durch eine Nutzstruktur aus Drahtgitterelementen, die als Hängefläche dienen. Im nächsten Schritt werden die Funktionselemente wie der geflieste Bartresen und die Stahlwangentreppen in den Körper eingefügt.
Um diesen Industrie-Einbau möglichst vom Bestand abzusetzen und alt und neu klar voneinander zu trennen, wird das Mauerwerk der Bestandswände freigelegt und die Einbaustruktur monochrom in Weiß gehalten. Der mehrgeschossige Hauptausbau befindet sich im Kesselhaus. In der Gemeinschaftsküche, dem Co-Working-Bereich und den Gästezimmern werden die Elemente und Materialien im kleineren Maßstab wieder aufgegriffen. Claudia Schürg

Die Bewertung der Bachelor- und Masterarbeiten erfolgte am 26. Januar 2017. Die Jury bestand aus: Simone Ferrari, bdia Innenarchitektin; Ingo Haerlin, bdia Innenarchitek und Dieter Schmidt, bdia Innenarchitekt.

Jurybegründung: Schlüssiges und erfolgversprechendes Nutzungskonzept, gute Darstellung. Gemeinschaftlicher Überzeugende Schnittstelle zwischen Veranstaltungsraum, Gastronomie und Gästezimmern. Filigrane Struktur der raumbildenden Elemente, die nicht mit dem Bestandsgebäude konkurriert und sich sensibel einfügt. Die atmosphärische Qualität des Bestands ist dank einer herausragenden Plangrafik spürbar dargestellt. Insgesamt ein schlüssiges Nutzungskonzept, feinfühlig ausgearbeitet mit hoher atmosphärischer Qualität.

Was ist Ihre Meinung dazu?