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Bundesmitgliederversammlung 2015 in Düsseldorf

Über 100 Mitglieder sind am 31. Oktober 2015 nach Düsseldorf in die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen gekommen, um das bdia Präsidium turnusgemäß neu zu wählen und über die nächsten Satzungsentscheidungen zu befinden. Ein neues Präsidium konnte vermeldet werden – eine neue Satzung nicht. Aber der Reihe nach.

Freitag: Bundesrat, Workshop und Kunst im Tunnel

Das Wochenende begann am Freitag Nachmittag mit dem Workshop „Wettbewerbe – wie geht’s?“ im Showroom der Firma Thonet am Medienhafen. Derweil tagte der bdia Bundesrat bei AIA Versicherungen ein paar Häuser weiter. Haushalt und Aktivitäten des bdiawurden dort vorgestellt und diskutiert und wichtige berufspolitischee Themen erörtert.

Bundesratssitzung zur BMV 2015. Foto: Cathrin Urbanek
Bundesratssitzung zur BMV 2015. Foto: Cathrin Urbanek
Vor allem die Bauvorlageberechtigung für Innenarchitekten bleibt ein wichtiges Anliegen für die Mitglieder des bdia. Die Bundesgeschäftstelle hat ein Papier erarbeitet als Forderung an die Politik, die Berufsaufgaben zu konkretisieren. Mit dem Papier soll erreicht werden, dass die Bauvorlageberechtigung von Innenarchitekten nur so weit eingeschränkt wird, wie nötig. Durch die Konkretisierung soll mehr Klarheit darüber geschaffen werden, was von der Bauvorlageberechtigung von Innenarchitekten umfasst ist. Dies gilt insbesondere auch für die Genehmigungsbehörden, die mit sehr unterschiedlichem Maß messen.

Auch die Deregulierungstendenzen der Europäischen Kommission zur Regelung des innereuropäischen Berufsausübung wird Kammern und Verbände noch ein Weile in Atem halten – denn die HOAI steht in der Schusslinie. Die Bundesregierung steht hinter den Forderungen zur Erhaltung der HOAI und unterstützt den Berufsstand auch im Falle einer Klage vor dem europäischen Gerichtshof.

Aufgabe des Bundesrates war an diesem Nachmittag auch, die erste Vizepräsidentin zu wählen – einstimmig wurde Innenarchitektin Claudia Schütz aus Rosenheim mit einer weiteren Amtszeit betraut.

Welcome Abend im Cafe KIT - Kunst im Tunnel. Foto: Oliver Edelbruch
Welcome Abend im Cafe KIT – Kunst im Tunnel. Foto: Oliver Edelbruch
Im bunt beleuchteten Café KIT am Rhein trafen sich am Abend viele Kolleginnen und Kollegen bei feinen Tapas und Wein. Ein Feuer im eisernen Korb wärmte vor der Tür – und im Untergeschoss gab es eine Soundinstallation der Kunstklasse Buetti aus Münster zu hören. Ein spannender Ort, so ein Restraum zwischen Tunnelwänden!


Samstag: Der große Tag.

Am Samstag morgen begrüßte der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen Ernst Uhing die Bundesmitgliederversammlung, die Stühle des Seminarraums bis auf den letzten Platz gefüllt (evtl Zitat). Die Präsidentin Vera Schmitz stellte in ihrem Geschäftsbericht die Aktivitäten des bdia seit der letzten BMV vor. Der Verband ist gut vernetzt – mit der Politik, mit den Hochschulen, mit der Industrie und der bdia hat auf Bundes- und Landesebene einige erfolgreiche Formate etablieren können. Eine gute Voraussetzung, um noch aktiver für die Belange der Kolleginnen und Kollegen einzustehen. Schatzmeister Johann Haidn erläuterte im Anschluss die Jahresabschlüsse 2013 und 2014, gefolgt vom Bericht des Finanzausschusses und der Entlastung des Präsidiums. Zum Tagesordnungspunkt Beitragsentwicklung verabschiedet die Versammlung mit großer Mehrheit eine 10% ige Erhöhung der Mitgliederbeiträge. Die Haushaltspläne 2016/17 beinhalten unter anderem die Finanzierung für eine spannende Aufgabe: der Überarbeitung des grafischen Erscheinungsbildes des bdia. Mit großer Mehrheit verabschiedete die Bundesmitgliederversammlung die „Düsseldorfer Erklärung“ zur intelligenten Nutzung von Bestandsgebäude– für einen bezahlbaren Wohnraum!

Neuwahl des Finanzausschuss: Vorsitzender Thomas Geppert, Jürgen Otte und Anke Meier-Liebrandt (v.li. n. re.) sowie Silvia Ernst (abwesend)
Ein neuer Finanzausschuss wurde gewählt. Vorsitzender Thomas Geppert, Jürgen Otte und Anke Meier-Liebrandt sowie Silvia Ernst.

Das oberste bdia Gremium selbst hatte auch zwei weitere große und spannende Tagesordnungspunkte zu bearbeiten: Die Neuwahl des Präsidiums (siehe oben) sowie die Verabschiedung des Satzungsentwurfs inklusive eines Änderungsantrags aus Bayern/Baden-Württemberg und eines Antrags aus Nordrhein-Westfalen, der sich auf diesen bezog.

Der Bundesmitgliederversammlung vorgelegt war ein im Bundesrat abgestimmter Satzungsentwurf, der neben redaktionellen und strukturellen Überarbeitungen drei wichtige Punkte beinhaltete, die angepasst werden sollten: 1. Die Änderung der Bezeichnung unserer Mitglieder ohne Kammereintrag, 2. Die Festlegung, den Schatzmeister direkt von der BMV als festen Bestandteil des bdia Präsidiums wählen zu lassen und 3. Anzahl und Zusammensetzung des BDIA Präsidiums.

Dieser Satzungsentwurf sieht die Wahl von drei Präsidiumsmitgliedern durch die BMV vor sowie einen mit Vetorecht ausgestatteten Beisitzer aus dem Bundesrat. Der gemeinsame Antrag der beiden Landesverbände Bayern und Baden-Württemberg schlägt eine engere Verflechtung der beiden Gremien vor und fordert ein mit vollem Stimmrecht ausgestattetes, aus dem Bundesrat direkt gewähltes Präsidiumsmitglied. Damit dieses Vorgehen dem deutschen Vereinsrecht entspricht, müsste der Bundesrat dieses Präsidiumsmitglied nach Proporz wählen – und nicht mit einer Stimme pro Landesverband wie bisher. An diesem Detail scheiden sich die „Geister“ nicht erst seit gestern – und auch in Düsseldorf konnte keine Einigung erzielt werden. Der Antrag aus Bayern/Baden-Württemberg wurde zwar abgelehnt, doch der dann zur Abstimmung gestellte Satzungsentwurf erhielt ebenso keine Zweidrittelmehrheit. Zwei Stimmen fehlten.

Nooij heisst auf holländisch „neu“ und manch einer hätte in dem gleichnamigen Restaurant abends gerne auch auf eine „neue“ Satzung angestoßen. Doch das ist eben Demokratie – sich mit Wahlergebnissen weiterhin konstruktiv befassen zu können, die man sich persönlich anders gewünscht hat. Die manchmal eine andere Zeit und andere Umstände benötigen. Und auf eine erfolgreiche Auseinandersetzung miteinander kann man immer anstoßen.


Sonntag: Zum Frühstück in der Hochschule

DSC_0816_kleinNRW Landesvorsitzende und Moderatorin Gritt Bartels begrüßte am Sonntag über 40 Gäste in der Materialwerkstatt der Peter Behrens School of Architecture zum Planerfrühstück. Zwischen Bandsägen und Schleifmaschinen diskutierten Präsidentin Vera Schmitz, Prof. Sabine Keggenhoff, Prof. Jens Wendland und Christian Hörmann, Master-Abslovent aus Düsseldorf und seit 1 Monat in Lohn und Brot mit dem Publikum über das Ausbildungsziel „Qualität“ – und was dieses Ziel heutzutage erfordert im Kanon der vielfältigen Anforderungen an das Berufsbild Innenarchitektur.

Planerfrühstück-Podium: Prof. Jens Wendland, Christian Hörmann, Prof. SAbine Keggenhoff, Vera Schmitz, Gritt Bartels. Foto: Christoph Beer
Was passiert nach dem Sprung ins kalte Wasser, mit der ersten richtigen Anstellung – oder mit dem ersten kleinen Auftrag? Sind die Absolventen fit für den Alltag? Was erwarten die Arbeitgeber? Wie kann der bdia die Konsolidierung von Qualität und Know-How mit unterstützen? Die unterschiedlichen Perspektiven der Podiumsteilnehmer waren spannend: Keggenhoff und Wendland sind Hochschullehrer und Arbeitgeber in einem. Freiheitliches Denken und unternehmerische Effizienz können manchmal im Widerspruch zueinander stehen.

Christian Hörmann berichtete von der ersten Frage, die ihm in Bewerbungsgesprächen gestellt wurde: „Welche CAD-Programme kennen Sie?“ Auf diese Kenntnisse möchte niemand reduziert werden, egal, ob mit einem Bachelor- oder einem Masterabschluss. Und der Bachelor wird leider viel zu oft ein einem schlechten Licht dargestellt. Ein Masterkurs bietet mehr Input, vor allem bezüglich des Entwurfes, aber auf die tatsächliche Berufsrealität bereiten beide nicht ausreichend vor. „Das müssen sie auch nicht!“ betont Sabine Keggenhoff. „Die Hochschule will bilden und eine selbstbestimmte, persönliche Entwicklung fördern. Auch der Bachelor ist auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Doch für eine Eintragung in eine Kammer muss der Masterabschluss verbindlich bleiben.“

„Innenarchitekten sind heutzutage vor allem Manager von Schnittstellen“, erklärt Prof. Wendland. Manch tradierter Begriff wie „Raum“ und „Atmosphäre“ hat vielleicht schon ein bisschen Staub angesetzt und neue Vokabeln sind erforderlich, um das eigene Profil deutlich zu machen auf dem Markt. Begriffe öffnen Themen. Der viel beschworene Wandel unserer Lebens- und Arbeitswelt betrifft die Innenarchitekten vollumfänglich – und erfordert auch radikale Haltungen, um sich sichtbar zu positionieren. Nicht ist langweiliger als ein Bademeister, auf dessen T-Shirt steht: ich kann schwimmen!


Bei allen Fragen können Sie sich gerne an die » bdia Bundesgeschäftsstelle wenden.