31.01.2019 – Event „Wer? Wie? Was? Innenarchitektur!“ und Ausstellung bdia Handbuch 2018/19

Was macht eigentlich ein Innenarchitekt?

Eine Fragestellung mit der sich Vertreter der kleinen Fachrichtung im Laufe der Berufsausübung häufig konfrontiert sehen. Dabei scheint die Antwort doch so einfach: Innenarchitektinnen und Innenarchitekten geben Räumen einen Mehrwert. Sie sind Spezialisten im Detail und achtsam für das große Ganze. Sie planen für konkrete Nutzer und bewältigen die Komplexität der technischen und gestalterischen Anforderungen. Aber: Warum wissen scheinbar nur wir das? Und nicht die angesprochenen Nutzer? Oder die Kolleginnen und Kollegen? Oder Sachbearbeiter in der Bauaufsicht? Es scheint als hätte der Berufsstand ein Image-Problem.

Der bdia Berlin-Brandenburg möchte dies langfristig ändern und hat am 31. Januar 2019 eine kleine aber gelungene, öffentliche Veranstaltungin den Räumen von Mauermann Küchen und MK plan:objekt in Berlin Kreuzberg initiiert.

Den Auftakt der Impulsvorträge übernahm Dr. Inga Ganzer, Dipl.-Ing. Innenarchitektur und Dozentin, mit dem Vortragsschwerpunkt: „Kissenknicken kann man nicht studieren“. An 15 Institutionenwird der Studiengang Innenarchitektur deutschlandweit angeboten. Davon sind zwei auf universitärem Niveau, die anderen, frühere Fachhochschulen, heute Hochschulen der angewandten Wissenschaften. Acht Semester Bachelor sowie ein Master-Abschluss: eine der Grundvoraussetzungen für den Eintritt in die Kammer. In Berlin wird seit einigen Jahren der Studiengang Interior Design an der Berlin International University of Applied Sciences angeboten. Ein dort aufbauender Master-Studiengang wird bald auch das Bundesland Berlin mit einer eintragungsfähigen Ausbildungsmöglichkeit für den Berufsstand aufwerten. Festzuhalten bleibt unter anderem, dass gerade die theoretischen Auseinandersetzungen bezüglich Architektur, Design, Ästhetik, Philosophie und Psychologie immer stärker mit Lehre und Entwurf verknüpft sind. Eine wichtige, ganzheitliche Entwicklung.

Psychologie war auch das Stichwort für den nächsten Referenten des Abends: Andreas Hegenbart, Innenarchitekt und Psychologe mit eigenem Büro aus Konstanz, warf einen ganz anderen Blick auf das gemeinsame Berufsbild. Er beleuchtete in seinem Vortrag die Wirkung der gebauten Umwelt und der daraus resultierenden Verantwortung. DieWechselwirkung zwischen gebautem Raum und der Entwicklung der sich darin befindlichenMenschen ist nachweisbar prägend fürdas eigene Verhalten. Für den Planenden ist es daher unumgänglich, sich nicht nur mit dem eigenen Horizont, oder dem eigenen Wissen auseinanderzusetzen, sondern auch einen Perspektivwechsel vorzunehmen – sich über die Affordanz der von ihm geplanten Umgebung Gedanken zu machen. Wie nimmt ein Anderer den Raum wahr, der nicht über das gleiche Wissen verfügt? Hegenbartschloss seinen Impuls mit der Anregung, sich auch mit dem Thema der künstlichen Intelligenz langfristig als Berufsstand auseinanderzusetzen. Seiner Meinung nach ein Mehrwert, der ungeahnte Möglichkeiten bringen könnte.

Jochen Usinger rundete mit seinem Vortrag den gemeinsamen Ausblick noch mit einem ganz persönlichen Einblick ab. Das Büro UKW Krefeld hat sich in den letzten Jahren vor allem einen Namen bei öffentlichen Auftraggebern gemacht. Wettbewerbe, öffentliche Hand und Innenarchitekten. Ein eher seltenes Bild, da der Zugang oft schon allein durch die Auslobung verwehrt bleibt. Usinger kennt da ein Instrument: die Rüge. Und appelliert gleichzeitig an die Kammern und Verbände, sich dafür stark zu machen, dass bei Wettbewerben Innenarchitekten als eigenständigeBerufsgruppe akzeptiert werden. Genauso wie Stadtplaner, Architekten und Landschaftsarchitekten. Auch wenn das große Geld nicht winkt: Wettbewerbe geben viel mehr Raum für den Entwurf. Eine Phase die nach dem Studium oft immer weniger im Berufsalltag einnimmt als manch einem vielleicht lieb ist.

Die letzten Worte des Abends gingen an Juliane Moldrzyk, Innenarchitektin und Landesverbandsvorsitzende des bdia Berlin-Brandenburg, im Dialog mit Andrea Männel, Vorstandsmitglied der Architektenkammer Berlin und ebenfalls bdia Innenarchitektin. Ein Gast nahm die Gelegenheit wahr, ganz grundsätzlich mal ein paar Dinge zuklären: Was ist eigentlich der Unterschied zwischenden beiden „Vereinen“? Warum soll ich da überhaupt rein und warum ist das so teuer? Was ist eigentlich eine Bauvorlageberechtigung? Ist ein Interior Designer dasselbe wie ein Innenarchitekt? Juliane Moldrzyk und Andrea Männel standen Rede und Antwort und kamen am Ende schmunzelnd zu dem gemeinsamen Schluss, dass es auf die Frage, ob man nun lieber der Kammer oder dem bdia beitreten sollte nur eine Antwort geben kann: beiden!

Abgerundet wurde die Veranstaltung einerseits durch die Ausstellung der Projekte des jährlichen bdia Handbuchs Innenarchitektur, die die realisierten Interpretationen von Mehrwert in Innenräumen eindrucksvoll darstellen. Die Diskussionen und Gespräche zwischen den rund 70 Gästen, die sowohl aus dem näheren und weiteren Umfeld der Innenarchitektur als auch aus ganz fachfremden Umgebungen kamen, wurden durch Snacks und Getränke und die stylisch-loftartige Umgebung des Showrooms gefördert. Die Reaktionen waren einhellig: ein interessanter, aufschlussreicher und spannender Abend — ganz im Sinne des berufseigenen Marketings ein voller Erfolg!

Andrea Männel

Anhang Artikel aus der DAZ: bdia_WerWieWasIA-Veranstlatung