Interview mit Anja Dirks, Präsidentin ECIA

Anja Dirks, Präsidentin ECIA

Die Innenarchitektin Anja Dirks ist seit 2015 die Präsidentin des europäischen Dachverbandes ECIA. Die Niederländerin führt ihr eigenes Büro INZIGHT in Utrecht, hat parallel “Interior+dementia” gegründet und unterrichtet seit einem Jahr an der Kunstakademie in Utrecht. Wir haben Sie um eine Einschätzung zur europäischen Dimension unseres Berufes gebeten.

Wie geht es der Europäischen Community?

Die Europäische Interior Community ist sehr lebendig. Ich sehe eine relativ junge Berufsgruppe, die täglich wächst und die Gemeinschaft ist insgesamt sehr aktiv und enthusiastisch. Wir unterstützen unsere Mitglieder und damit über 7.500 Innenarchitektinnen und Innenarchitekten in Europa. Wir stärken deren Position innerhalb des Berufsfeldes, damit sich der Beruf durch bedeutende Gestaltung weiterentwickeln kann.

Welches sind die Herausforderungen, denen sich der Beruf heute auf europäischer Ebene stellen muss?

Es gibt zwei verschiedene Herausforderungen. Auf der einen Seite entwickelt sich der Beruf selbst kontinierlich. Denken Sie an die Ausbildung, die nun einen gemeinsamen europäischen Standard beinhaltet. Oder an den einheitlichen Blick auf unseren Beruf, wie wir uns selbst positionieren für die Projekte, die wir in Zukunft bearbeiten.

Im Bezug auf die Ausbildung verfasst der ECIA eine Charta, um wesentliche Standards zu vereinheitlichen. Das neue Bachelor / Mastersystem hilft dabei. Masterabschlüsse sind noch relative jung und entwickeln sich somit noch stark, sowohl quantitativ als auch qualitativ. Damit wir in der Lange sind, eine starke Basis der Ausbildung mitzugestalten, ist eine Fortführung dieser Arbeit sehr wichtig.

Den Beruf selbst betreffend, müssen wir unsere Kompetenzen und die Qualität unserer Arbeit kommunizieren, um den zusätzlichen Wert unserer Qualifizierung aufzuzeigen. Die Aufrechterhaltung des Titelschutzes “Innenarchitekt” ist dabei ein wesentlicher Bestandteil des Prozesses.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich die Herausforderungen durch die Aufgaben, die wir bearbeiten. Zur Verdeutlichung möchte ich gerne zwei Beispiele geben. Erstens, die Mehrheit der europäischen Länder muss in ihr Gesundheitssystem investieren, Lösungen für die Anforderungen einer älter werdenden Gesellschaft entwickeln und die Finanzierung dafür stemmen. Innenarchitektur und Forschung können bei diesen Aufgaben einen maßgeblichen Beitrag leisten.

Zweitens möchte ich gerne die Herausforderungen nennen, die die Begrenzung oder das Abnehmen vieler natürlicher Ressourcen mit sich bringt. Nachhaltige Gestaltung und Design, energieeffizientes Bauen und Material sind die damit einhergehenden Themen, die wir kontinuierlich weiterentwickeln und in unsere Gestaltungsprozesse integrieren müssen.

Was ist Ihre persönliche Motivation, sich als Präsidentin im ECIA zu engagieren?

Ich mag es, Neues anzugehen und zu entwickeln – und ich liebe die europäische Vielfalt. Die Möglichkeit, Teil einer größeren, europäischen Gemeinschaft zu sein und sich gegenseitig zu unterstützen, um zu lernen, zu arbeiten, sich weiterzuentwicklen und zu wachsen – genau das finde ich so reizvoll am Engagement für den ECIA.

Wünschen Sie bitte denjenigen etwas, die Sie repräsentieren!

Genießen Sie diesen fantastischen Beruf, die Aufgaben und Projekte, an denen Sie gerade arbeiten. Zeigen Sie dies der Welt da draußen – und damit die große Macht der Innenarchitektur.