bdia.nrw_Thema: Kammer darf jünger, weiblicher und angestellter werden

Zuerst einmal möchte ich „jung“ in Zusammenhang mit Kammer- und Verbandsarbeit definieren. Studienabschluss mit 25, Praxiszeit zwei bis fünf Jahre, je nach familiärer und wirtschaftlicher Lage. Heißt 30! Fünf Jahre selbstständig oder angestellt arbeiten, um das Berufsfeld in der Breite kennen zu lernen. Heißt 35! Arbeiten bis zur Rente bis 65 oder 70. Wir reden also über eine Altersspanne zwischen 27 und 67. Bei dieser Betrachtung sind für mich diejenigen zwischen 27 und 47 Jahren die „Jungen“.

Tendenziell haben von denen die 37- bis 47-Jährigen am ehesten die Zeit und die Erfahrung, die Interessen eines Berufsverbandes zu vertreten. Bei der Betrachtung des Themas „jung“ müssen wir aber auch mitdenken, warum wir es mit vielen „Alten“ in der Kammer- und Verbandsarbeit zu tun haben. Die Gruppe der „Alten“ hat aus eigenen Erfahrungen heraus bereits mit vielen Handlungsfeldern unserer Berufstätigkeit eine Einstellung entwickelt und auch Lösungsansätze praktiziert. Dadurch ist in dieser Gruppe ein großes Potenzial an Erfahrung und auch ein großes Potenzial an „Platzhirsch-Denken“, das darauf ausgerichtet ist, sich zum Ende der Laufbahn nicht noch die „Butter vom Brot“ nehmen zu lassen. Das „Nachrücken“ der jüngeren und auch weiblichen Mitglieder wird in der gruppe der „Alten“ tendenziell den Abwehrreflex auslösen.

Auf der anderen Seite stehen den „Alten“ oft die eigenen Erfahrungen der Vergangenheit im Weg, wenn es darum geht , den Blick auf die Chancen zu richten, die in der Veränderung liegen.  Dieser gesellschaftliche Konflikt lässt sich, in Abhängigkeit von den handelnden Personen, nur durch Interessensausgleich oder Konfrontation lösen. Ich wünsche uns hier die Kraft, diesen Veränderungsprozess zu mehr – nicht ausschließlich – „jüngeren“, “weiblichen“ und „angestellt tätigen“ Mitgliedern in den Gremien der Kammer offen zu führen.