bdia.nrw_Thema: Theorie der Innenarchitektur als „living document“

Martin Müller im Interview

Der bdia Landesverband NRW veranstaltete im Juli in Detmold sein Fachforum zum Thema „Die Theorie der InnenArchitektur“. In diesem Zusammenhang konnten wir den Innenarchitekten und Vizepräsidenten der Bundesarchitektenkammer Martin Müller befragen.

Wie könnte die Bandbreite einer Theorie der Innenarchitektur aussehen?

„Aus meiner Sicht muss sich eine „Theorie der InnenArchitektur“ stets messen lassen an den uns gestellten Herausforderungen in der Praxis. Dort wird unser Tun täglich vor Ort sichtbar und wirksam. Wir Praktiker haben jeden Tag gute Innenarchitektur zu schaffen, verbunden mit der wirtschaftlichen Büroführung und dem bestehenden großen Haftungsdruck. Auch dieser praktische Aspekt muss in die Theoriediskussion einfließen.“

Welche möglichen Akteure sehen Sie?

„Für eine grundlegende Theorie-Vermittlung stehen unsere Ausbildungsstätten in NRW in Düsseldorf und Detmold natürlich an exponierter Stelle. Für eine darüber hinaus gehende Theoriediskussion plädiere ich dafür, in der ersten Phase die Bandbreite der Akteure relativ groß zu halten. Weil auch die Zahl der Profiteure einer angewandten „Theorie der Innenarchitektur“ deutlich größer sein wird als nur unsere Profession.

An wen denken Sie da besonders?

„Neben den freiberuflich tätigen und den angestellten Kolleginnen und Kollegen denke ich auch an die privaten wie die institutionellen Bauherren und auch an die Hersteller  unterschiedlichster Produkte, die wir bei unserem Tun verarbeiten. Alle diese profitieren von einer angewandten Theorie der Innenarchitektur.“

Wie können wir eine Theorie der Innenarchitektur etablieren?

Meines Erachtens wäre eine Theorie der Innenarchitektur eine ständige aktive Diskussion zwischen Ausbildung und Praxis und damit eine niemals ganz „fertige“, sondern eine sich beständig weiterentwickelnde Haltung. Insofern ist aktuell gerade zu dessen 100sten Gründungsjubiliäum der Bezug zum „Bauhaus“ spannend, denn auch hier wurden Haltungen ausprobiert, weiterentwickelt und ggfs. verworfen. Gibt es jenseits der bekannten Manifeste ein „gebundenes Standardwerk“ zur Theorie des Bauhauses? Von Bauhäuslern selber?
Mein Fazit:
Ja, wir sollten uns um eine Theorie der Innenarchitektur kümmern – in dem wir sie als „living document“ verstehen, diskutieren und weiterentwickeln.
Dieses wäre auch das ständige Forum, das Interessierten (Kolleg*innen, Bauherr*innen etc.) beispielsweise webbasiert verfügbar gemacht werden könnte.

Was könnten die nächsten Schritte sein?

Die nächsten Schritte müssen sein, die entsprechende fachliche Kompetenz zusammen zu bringen und mit z.B. jährlichen Konferenzen die Diskussion anzufachen und turnusmäßig weiterzuentwickeln.
Das hört sich zunächst gewaltig an, aber es sollte ja ein umfassendes Interesse bei allen denen geben, die mit Innenarchitektur zu tun haben, in diesem Umfeld Geld verdienen und im besten Sinne von guter Innenarchitektur profitieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

Fotocredit: Christian Kruppa / BAK, Berlin