Mit der Gründung der Architekturkooperative ARKO am 24. Juni 2026 in Wiesbaden ist ein neues gemeinsames Projekt für die Zukunft der Planungsberufe gestartet. 83 Gründungsmitglieder beschlossen die Satzung und wählten den Aufsichtsrat. Beteiligt sind die Architektenkammern aller 16 Bundesländer und auch die Innenarchitektur ist von Beginn an vertreten.
Für die Interessen der Innenarchitekt*innen gehört Eva Holdenried aus Rheinland-Pfalz zu den Gründungsmitgliedern und vertritt die Innenarchitektur im Aufsichtsrat. Weitere Innenarchitekt*innen unter den Gründungsmitgliedern sind unter anderem Simone Jüschke, Jüschke InnenArchitektur, Pia Mogendorf, Mogendorf Projektdesign, und Irene Maier, Innenarchitektur-im2.
„Die ARKO ist nicht einfach eine weitere digitale Plattform. Sie wird deutlich größer, denn die ARKO wird eine digitale Infrastruktur des gesamten Berufsstandes aufbauen“, sagt Irene Maier. „Das haben auch alle 16 Länderkammern erkannt und sich der Gründung angeschlossen.“
Warum ist das für Innenarchitekt*innen relevant?
Planungsbüros erzeugen heute große Mengen digitaler Informationen: von Zeichnungen und Planungsdaten über Material- und Produktinformationen bis hin zu Raumbüchern, Ausschreibungen und Dokumentationen. Diese Daten sind nicht nur für ein einzelnes Projekt wichtig. Sie können über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes relevant bleiben, etwa bei Umbauten, Sanierungen oder im Betrieb.
Gleichzeitig verändert sich, wie diese Daten verarbeitet werden. Cloud-Anwendungen, digitale Planungsprozesse und künstliche Intelligenz eröffnen neue Möglichkeiten, bringen aber auch neue Abhängigkeiten mit sich. Für Planungsbüros stellt sich deshalb zunehmend die Frage: Wie können wir selbstbestimmt mit unseren Projektdaten umgehen und sicherstellen, dass sie auch langfristig nutzbar bleiben?
Hier setzt ARKO an. Die Genossenschaft will eine digitale Infrastruktur schaffen, die aus dem Berufsstand heraus entwickelt wird. Gemeinsame Standards und offene Schnittstellen sollen den Austausch von Daten zwischen unterschiedlichen Anwendungen erleichtern. Ziel ist dabei nicht, eine weitere Softwarelösung an die Stelle bestehender Systeme zu setzen, sondern eine Grundlage zu schaffen, auf der unterschiedliche Anwendungen und Akteur*innen zusammenarbeiten können.
Gerade für kleinere Innenarchitekturbüros kann das interessant sein. Während größere Büros möglicherweise eigene IT-Strukturen, Datenmodelle oder KI-Anwendungen entwickeln können, ist dies für kleinere Büros häufig nicht wirtschaftlich. Eine gemeinsam getragene Infrastruktur kann hier Zugang zu Standards und technischen Entwicklungen ermöglichen, die ein einzelnes Büro allein nur schwer aufbauen könnte.
Datensouveränität als Teil beruflicher Unabhängigkeit
Ein zentraler Gedanke der ARKO ist die Datensouveränität. Die Genossenschaft soll als Datentreuhänderin den organisatorischen und technischen Rahmen für eine sichere und kontrollierte Datennutzung schaffen. Dabei sollen die Daten bei ihren jeweiligen Eigentümer*innen bleiben.
Für Planer*innen geht es damit um eine Frage, die über reine Technik hinausgeht: Wer bestimmt künftig, wie die im Planungsprozess entstehenden Daten genutzt werden? Und wer kann aus diesen Daten neue Anwendungen und Dienstleistungen entwickeln?
Mit ARKO soll diese Entwicklung nicht allein Softwareunternehmen und großen Plattformanbietern überlassen werden. Die Mitglieder der Genossenschaft können die Entwicklung der Infrastruktur und die dafür notwendigen Standards gemeinsam mitgestalten.
„Wer die Daten kontrolliert, kontrolliert das System“, fasst Irene Maier die Bedeutung der Entwicklung zusammen. „Gerade für kleinere Büros ist die ARKO hoch interessant. Ein großes Büro kann sich eine eigene IT-Abteilung, Datenmodelle und KI-Systeme leisten. Ein kleines Büro profitiert vom Netzwerk.“
Die ARKO befindet sich dabei erst am Anfang. In den kommenden Jahren sollen die technischen Grundlagen entwickelt, Standards etabliert und erste Anwendungen aufgebaut werden. Für unsere Disziplin bietet sich damit die Möglichkeit, die digitale Entwicklung des eigenen Berufsstands frühzeitig mitzugestalten und dafür zu sorgen, dass die Anforderungen und Perspektiven von Innenarchitekt*innen in dieser Entwicklung berücksichtigt werden.
Mitmachen und mitgestalten
Die ARKO ist als Genossenschaft organisiert. Auch kleinere Büros und Einzelpersonen aus der Innenarchitektur können sich beteiligen. Ein Anteil kostet 750 Euro. Informationen zur Mitgliedschaft und zum Antrag sind über die beteiligten Architektenkammern erhältlich.
Die Gründung markiert damit nicht das Ende, sondern den Beginn eines längerfristigen Entwicklungsprozesses.
Weitere Informationen auf der » Website der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen
