Die Innenarchitektur ist der einzige Architekturzweig, in dem Frauen bereits wirklich in der Überzahl sind und wichtige Positionen einnehmen.

Warum sind es meist die männlichen Kollegen, die es auf die große Bühne schaffen? Im Rahmen des Women in Architecture WIA Berlin Festivals 2021 sprachen wir darüber am 17. Juni 2021 in einer Podiumsdiskussion im Berliner DAZ mit den Innenarchitektinnen Wencke Katharina Schoger (Reuter Schoger Architektur Innenarchitektur, Berlin),Karin Götz (Raum Form Licht Farbe, Potsdam) und Gabriela Hauser (buerohauser, Berlin).

Moderiert wurde das Gespräch von Prof. Sabine Keggenhoff, Innenarchitektin bdia (Keggenhoff | Partner, Arnsberg-Neheim) und Preisträgerin des Deutschen Innenarchitektur Preises 2019.

Frau Innenarchitektin

Eine Vielzahl an inter-/ nationalen Ausstellungen, Publikationen und Talks feiert eine Art Wiederentdeckung von Frauen, andererseits ist das Thema individuell sehr unterschiedlich. Das verstärkte Bewusstsein kann uns nur anspornen. Über 90 Prozent der Studierenden bei Ausbildungsbeginn sind Frauen. Was braucht es, um in der oft männlich dominierten Architekturwelt zu bestehen? Sind Frauen zu leise und welchen Anteil haben strukturelle Ungleichheiten?

Pia A. Döll, bdia Präsidentin: „Der Beruf der Innenarchitekt*in hat eine Menge mit Kommunikation zu tun; es bedarf einer genauen Analyse, welche Funktionen der Innenraum zu erfüllen hat. Hierfür sind gute Planung und viele Gespräche mit Auftraggeber*innen, gepaart mit Einfühlungsvermögen und Kreativität, essenziell. Gründe, warum es so viele Frauen an die Hochschulen treibt? Wir wollen auf überholte Rollenklischees hinweisen und sie auf die Tagesordnung setzen, Netzwerke ausbauen sowie Vorbilder suchen und selbst sein.“

Netzwerke bilden

Ergänzt wurde die Diskussion durch zwei Live-Umfragen mittels Mentimeter. Zum einen haben wir gefragt: In welchen Situationen empfinden Sie Ungleichheit? Hier wurde mehrmals das Gehalt genannt aber auch fehlender Respekt. Um Sichtbarkeit ging es im zweiten Themenblock der „paritätischen Baukultur“. Das sog. schwarze Loch wurde thematisiert, in dem Frauen im Alter zwischen 30 bis 40 Jahren oftmals verschwinden, meist aus familiären Gründen.

Dahingehend richtete sich die zweite Frage: Aus Ihren persönlichen Erfahrungen heraus: Was muss sich ändern? Es sind mehrere Stellschrauben, an denen gedreht werden muss, darüber waren sich die Diskutantinnen einig. Alte gesellschaftliche Rollenbilder, eine Arbeitskultur, die 40-Stunden plus und eine eine starke physische Präsenz fordert, sind nicht zeitgemäß. Projektleitungen sind auch in geteilter Position machbar, Voraussetzung hierfür sind die technischen Möglichkeiten, die der Arbeitgeber oder das eigene Büro stellen sollten sowie gegenseitiges Vertrauen.

Und ja, auch die Quote wäre ein Mittel, um paritätische Teilhabe im Job zu gewährleisten. Wenn es freiwillig nicht klappt, dann eben mit Vorgabe – die auch wieder zurückgenommen werden könnte, wenn sich genug bewegt hat.

Während der Veranstaltung wurde ein Graphic Recording von der Künstlerin Gabriele Schlipf (momik) angefertigt – Bild-Datei folgt.

Die Mentimeter-Fragen und Ergebnisse gibt es » hier zum Nachlesen (pdf)

(Fotos: Till Budde)

WIA 2021 ist das erste Festival zu Frauen in der Architektur in Berlin. Das Festival bietet einen Raum für die Auseinandersetzung mit Werken von Frauen und dem längst überfälligen Umbau des Berufsbildes.