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21. März 2016

BDIAusgezeichnet! Bachelor für Corinna Lüddecke “Wanderhütte Wanderlust” und Master für Sahar Khalajhedayati “ChaiThopia: Entwicklung einer Teebarkette”

Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Detmold: Der Rundgang fand am 5. Februar 2016 statt. Insgesamt hat die Jury 61 Abschlussarbeiten vom WS 2015/16 angesehen, davon waren 39 Bachelor- und 22 Masterarbeiten. Jury: BDIA Präsidentin Innenarchitektin Vera Schmitz, Innenarchitektin Karoline Kuhlmann, Innenarchitekt Jürgen Otte sowie Christina Koch, Preisträgerin  BDIAusgezeichnet 2015.

BDIAusgezeichnet! Bachelor für Corinna Lüddecke “Wanderlust”

WANDERLUST. Innenarchitektonischer Entwurf einer Wanderhütte in den Alpen. Die Lust am Wandern steigt in unserer heutigen Zeit mehr und mehr. Die immer größer werdenden Anforderungen an die Menschen können nur durch einen individuellen Ausgleich auf lange Sicht gemeistert werden. Dabei können kurze Tagesausflüge, oder längere Reisen für das nötige zur Ruhe kommen sorgen. Geplante Wanderrouten geben bei der Wahl der richtigen Strecke eine Hilfestellung, wie beispielsweise der E5. Eine Etappe führt von Oberstdorf über die Alpen bis nach Meran. Auf diesem Abschnitt befindet sich auf 2759m Höhe die Braunschweiger Hütte, welche als planerische Grundlage für die Bachelorarbeit diente.

Die äußeren Erscheinungen der Wanderhütten sind sehr abwechslungsreich und haben einen besonderen Charme, die die faszinierenden Eindrücke des Tages ergänzen. Das funktionelle Denken, möglichst viele Wanderer pro Nacht unterzubringen, hat jedoch dazu geführt, dass die innenarchitektonische Gestaltung bislang vernachlässigt wurde.

Der neue Entwurf befasst sich zunächst einmal mit der Zusammenfassung von Bereichen gleicher Nutzung. Er soll sich der Mentalität des Wanderns anpassen und somit eine einfache und schlichte Gestaltung besitzen, die den Wanderer bei seiner Ankunft nicht erschlägt, sondern die Möglichkeit bietet, Eindrücke des Tages zu verarbeiten und zur Ruhe zu kommen.

Das Erdgeschoss dient im Entwurf nur noch der Ankunft und dem Aufenthalt. Der Empfangsbereich wurde räumlich geöffnet und gibt dem Gast die Möglichkeit sich zunächst zu orientieren. An den Empfang anschließend liegen eine Stube, die der Verpflegung und dem ersten Kennenlernen dient, und ein Loungebereich, der die Kontaktaufnahme der Übernachtungsgäste vertiefen soll. Die Schlafbereiche wurden komplett in die oberen Etagen verlegt. Es wurden zwei Übernachtungstypen entwickelt. Zum einen gibt es den Zimmertypus, der etwas mehr Komfort und Intimität bietet, und zum anderen gibt es das Matratzenlager, welches möglichst viele Schlafplätze unterbringen, dabei aber auch möglichst viel Intimität bewahren soll.

Ein großer Dachboden bildet das Matratzenlager. Die schon bestehenden Stützen wurden erweitert und als Raster für die Einbringung eines Bettensystems verwendet. Jeder Übernachtungsgast bekommt hier seinen privaten Schlafbereich zugewiesen, in dem eine Beleuchtung, sowie elastische Netze integriert wurden. So kann Mitgebrachtes in unmittelbarer Nähe verstaut werden. (Betreuung: Prof. Carsten Wiewiorra und Christian Schulze)

Jurybegründung: Die Gesamtdarstellung der Arbeit dokumentiert die strukturierte Herangehensweise. Die geplante Einrichtung des historischen Gebäudes nimmt feinfühlig Rücksicht auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Wanderer und gestaltet die einzelnen Nutzungsbereiche differenziert. Die gute Analyse im wird Skizzenbuch dokumentiert und zeigt die Entstehung der Entwurfsidee nachvollziehbar auf. Die Übertragung in die dritte Dimension gelingt überzeugend und in einem großen Umfang. Eine traditionelle Wanderhütte erhält ein junges Gewand.

BDIAusgezeichnet! Master für Sahar Khalajhedayati “ChaiThopia: Entwicklung einer Teebarkette”

Der Genuss von Tee versetzt mich in meine Kindheit zurück. Er bedeutet für mich eine Oase im stressigen Alltag zu finden und verschafft mir zugleich gute Laune. Ich wuchs in einer Umgebung auf, in der Gastfreundlichkeit kulturell verbreitet ist. Diese Gastfreundlichkeit und das Miteinander werden durch die gereichte Nahrung, aber besonders auch durch Tee zum Ausdruck gebracht. Seit seiner Entdeckung vor fast 5000 Jahren, wird Tee auf der ganzen Welt als Symbol für Gastfreundschaft, aber auch für seine energetisierend und gesundheitsfördernden Eigenschaften hoch geschätzt.

Chaitopia ist ein Treffpunkt für Liebhaber von Teeprodukten. Die Kunden genießen hier erlesenen Tee und finden zugleich einen Zufluchtsort, vor dem stressigen Alltag. Für Menschen, die einen stilvollen Platz zur Erholung suchen und keine Lust mehr haben, sich im lauten Alltag zu tummeln, ist Chaitopia der richtige Ort, um sich bei einer Tasse Tee wieder zu finden. Harmonie ist für mich etwas sehr Wichtiges und bezieht sowohl auf die räumliche Ästhetik,
als auch auf den zwischenmenschlichen Umgang.

Gemütlichkeit.Stimmung.Atmosphäre.

Bei der Umsetzung wurde viel Wert auf Gemütlichkeit und eine harmonisch, warme Stimmung gelegt. Um die Basis einer gemütlichen Atmosphäre zu schaffen, wurden der Verkaufsbereich und der Sitzbereich räumlich durch verschiedene Farben und Materialen unterschieden. Das Farbkonzept nimmt Bezug auf das entwickelte Logo und rangiert in den Tönen weiß, grau, anthrazit und orange. Die Textilien sind nachhaltige Stoffe. Die Ziegelwände, schaffen durch ihre rötliche Tönung eine wohnlich, warme Atmosphäre und markieren die historischen Bestandswände dieser Filiale.Alle weiteren Wände bekommen eine Putzoberfläche, die durch ihre unterschiedlichen, farblichen Akzente zur Raumgliederung beitragen.Der Boden ist mit einem geschliffenen Estrich überzogen und bildet so eine homogene Fläche,die sich selbst zurücknimmt und die Einrichtung hervorhebt.

Die Ornamente geben den Wänden eine zusätzliche Struktur, sie bringen Tiefe in die Wandgestaltung. Die 3D Objekte der Wände finden sich als 2D Prints auf dem Fußboden wieder, dort sind Sie zwar stark in Ihrer Intensität zurückgenommen, jedoch führt dies zu einem Zusammenhang von Boden und Wänden, die so eine raumgreifende Einheit bilden und den Kunden durch den Raum leiten.

Im hinteren Bereich des Raumes bieten eine lange, durchgehende Fenster Bank und zwei Tische eine große Vielfalt der Aneignung durch den Kunden. Ein entspannendes und gemütliches Umfeld mit privaten und behaglichen Ecken fördert Zusammenkünfte, um die Produkte genießen zu können.

Jurybegründung: Das detailliert ausgearbeitete Ladenbaukonzept „ChaiTopia“ besticht durch die gef+hlvolle Herangehensweise in der Auseinandersetzung mit den äumlichen Gegebenheiten des Bestandes. Die Ausarbeitung umfasst alle wesentlichen Teile eines Ladenbaukonzeptes von der Fassade über den Tresen und die Probierbereiche bis zur Darstellung der Produkte und der Erstellung eines Ornaments, das sich in der Architektur, der Innenarchitektur und dem Produkt wieder findet. Das umfangreiche, lebendige Skizzenbuch bildet die Grundlage für die überzeugende Darstellung der Entwurfsidee. Die gewählten Farbharmonien und die Materialauswahl unterstreichen die hohe Qualität des Entwurfes.

BDIAnerkennung Master für Timo Schröder „Share Your Skills“

„Share Your Skills“ ist eine Design Agentur mit dem Schwerpunkt auf temporären Kooperationsprojekten. Die Teilnahme an Wettbewerben oder Kurz-Projekten ist für viele Design Büros aufgrund mangelnder Kapazitäten nur selten möglich. Insbesondere kleinere, lokale Büros haben oftmals weder die Zeit noch die verfügbaren Mitarbeiter um erfolgreich in kurzer Zeit einen gelungenen Entwurf auf die Beine zu stellen. Meistens fehlt es außerdem an Fachkräften für diverse Spezialgebiete wie Grafik Design oder Visualisierung.

Share Your Skills bietet diesen Unternehmen eine Auswahl an Individualisten und einen ausgewogenen Pool für den innovativen, kreativen Input durch junge Nachwuchstalente. Über eine Online Plattform werden die Talente vorgestellt und Ihre Verfügbarkeit aufgezeigt. Außerdem kann gezielt nach Spezialisten gesucht werden.
Die Webseite ist hierbei der Dreh- und Angelpunkt für das Knüpfen von Kontakten, die Einsicht in vergangene Kooperationen und aktuelle Entwicklungen im zugehörigen Design Büro. Dieses Büro ist der stationäre Anlaufpunkt für alle startenden Kooperationen. Der Schwerpunkt hierbei liegt auf der Kommunikation im Raum. Es gilt das Prinzip: Jeder arbeitet Wo, Wann und Wie er es selbst möchte und wie es für Ihn persönlich am effektivsten und angenehmsten ist.

So ist der Raum geprägt durch unterschiedliche Arbeitsszenarien und die Möglichkeit ein Stück des Büros mitzunehmen und in die Welt hinaus zu tragen. Dieses Stück nennt sich „PALi“ ( engl. Pal = Kumpel ) und fungiert als mobiler Schreibtisch inklusive autarker Energieversorgung durch Solarenergie-betriebene Akkus. Es ist ein Produkt für die Unabhängigkeit und symbolisiert die Flexibilität moderner Gestalter. Durch diverse Interaktionsmöglichkeiten innerhalb des stationären Büros, sowie die Möglichkeit zur Personifizierung und eigenhändiger Montage, ist „PALi“ die visuelle Manifestation der Bedeutsamkeit jedes einzelnen Teammitglieds innerhalb der Kooperationen von Share Your Skills.
Optisch ist der stationäre Entwurf durch starke Kontraste geprägt, die sich in Form und Materialität durch den Raum bewegen und sowohl dynamische Spannungen, wie auch ruhige Gelassenheit erzeugen. Diese Heterogenität ermöglicht dem Nutzer seine individuellen Präferenzen auszuleben. Weiterhin war es mir wichtig die uns umgebende Digitalisierung aus Ihrer mystischen Unsichtbarkeit heraus in eine visuelle Form zu bringen, um einen Bezug zu Ihr aufzubauen und eine Sensibilisierung mit der Thematik herzustellen.

Der ganzheitliche Ansatz bei der konzeptionellen Planung erzeugt eine in sich geschlossene Vision einer Design Agentur mit dem Schwerpunkt auf intensiven, temporären Kooperationen unter Berücksichtigung individueller Stärken – ein Kreativ Impuls Büro.

Jurybegründung: Timo Schröder entwirft in seiner Masterarbeit einen mobilen Aufbewahrungsort für die Utensilien eines individuellen Arbeitsplatzes und ein räumliches Konzept für eine „Agentur für Gestaltung“. Ausgangspukt der Überlegungen war, einen Raum zu gestalten, in dem die kreative Auseinandersetzung studentischer Ideen ihren „Ort des Teilens“ finden sollten. Eine Einladung zu „share your skills“! Dem Gestalter gelingt es, einen in der Form reduzierten „Mobilen Arbeitsplatz“ in ein vielgestaltiges Agenturkonzept zu integrieren. Das Raumprogramm umfasst die Nutzungen Ausstellung, Produktpräsentation, Dialog- und Arbeitsbereiche. Die Rauminterpretation des Agentur-Ladenlokals ist durch die zeitgemäße Wahl der Formen und Materialien überzeugend. Die beeindruckende Präsentation der Arbeit ist mit einem hohen Gestaltungsanspruch umgesetzt.

 

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