bdia ausgezeichnet! Bachelor für Janina Weissmann: „barbers room – Entwurfskonzept eines Herrensalons“

bdia ausgezeichnet! Bachelor für Janina Weissmann: „barbers room – Entwurfskonzept eines Herrensalons“

Bachelorbeit SS 2018 an der Hochschule Coburg
Betreuung: Prof. Barbara Fuchs

barbers room – Entwurfskonzept eines Herrensalons

Im „barbers room“ sollen Männer ihren Rückzugsort finden, an dem sie den hektischen Alltag außen vor und sich stilvoll pflegen lassen können. Hier wird traditionelles Friseurhandwerk zelebriert. Präzise Haarschnitte, Nassrasuren mit heißen Tüchern, Bärte werden in Form gebracht und gepflegt. Es wird mit der Fadentechnik gearbeitet, mit der Augenbrauen gezupft oder feinste Haare im Gesicht entfernt werden, mit heißem Wachs werden Nasen- und Ohrhaare entfernt. Ein Raum für Entspannung in klassischer, herzlicher und natürlicher Atmosphäre, ausgerichtet an die Bedürfnisse der Barbiere und der Kunden. Ein Ort der Zusammenkunft, an dem man sich austauschen kann. Ein Erlebnis.

Das innenarchitektonische Konzept bindet die Tradition der Friseurgeschichte mit ein. Darin enthalten finden sich Parallelen zu früheren Barbershops, die zum Teil in die heutige Zeit übertragen werden. Architektur, Mobiliar, Details und Barbiere sollen einen Retro-Look repräsentieren und insgesamt harmonisch zueinander passen. Gleichzeitig werden moderne Funktionen in das Konzept integriert, die die Arbeitsabläufe vereinfachen und für höheren Komfort sorgen. Janine Weissmann


Die Bewertung  der Abschlussarbeiten erfolgte am 05.11.2018. Jury: Claudia Gerstner | Vors. Vorstand bdia BY, Matthias Franz | Vors. Vorstand bdia BY, Claudia Schütz | Vizepräsidentin bdia, Mathias Rathke | bdia-Mitglied | Beirat LV BY/Rosenheim, Preisträgerin des Vorjahres: Lia Tchipeva

Jurybegründung: Es gibt sie wieder: die massiven Rahmen mit Füllungen, die auf Pressplatten verzichten und das Holz wieder arbeiten lassen. Nach Jahrzehnten der Möbelautomatisierung wird die Nische und die darin erledigte Arbeit mit Hand, die Manufaktur, wieder wertgeschätzt. Das hat mit Zeit und der Erkenntnis zu tun, das Zeit nicht nur Geld ist. Der Plausch im Treppenhaus oder eben im barbers room wird als Qualität neu entdeckt – Reden und Zuhören verstanden als Anteilnahme. Es sind diese einfachen Weisheiten, angemessen spektakulär vorgetragen, die das vorliegende Konzept eines Haarstudios so überzeugend und modern machen. Schlichte Strukturen und Teilungen, wenige, aber wertige Materialien, anspruchsvoll und solide verarbeitet.
Ornamente und Details: alles graphisch, im besten Sinne traditionell interpretiert, als Huldigung an das Einfache, wenig laute, selbstverständliche und liebevoll Zusammengestellte.
Es gibt sie wieder: unaufgeregte Orte, an denen es Freude macht zu verweilen und sich darin zu vertiefen – das schönste Kompliment was man als Kritiker zu vergeben hat!

 


bdia anerkannt! Master für Stefanie Kolb: „Kloster Biburg - ein Umnutzungskonzept für denkmalgeschützten Leerstand im ländlichen Raum“

bdia anerkannt! Master für Stefanie Kolb: „Kloster Biburg – ein Umnutzungskonzept für denkmalgeschützten Leerstand im ländlichen Raum“

Masterarbeit SS 2018 an der Hochschule Coburg
Betreuung: Prof. Dipl. Ing. Rudolf Schricker

Masterarbeit SS 2018 an der Hochschule Coburg

Immer mehr Gebäude stehen aufgrund von wirtschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur sowie der Versorgung des ländlichen Raums leer. Diese Bauwerke haben gewissermaßen ihre Daseins-Berechtigung für unsere heutige Gesellschaft verloren. Zusammen mit dem Aufbau von Neubaugebieten am Ortsrand führen diese Entwicklungen vor allem zu einem Leerstand von historischen Ortskernen in ländlichen Strukturen. Dieser schadet einerseits dem Ortsbild jener Dörfer, andererseits sind aktuelle Prozentzahlen an leerstehendem Bestand nicht mit dem vorherrschenden Wohnraummangel in unseren Großstädten vereinbar.

Es gilt daher für unsere Zukunft solchen wertvollen Baubestand aufzuwerten und wieder in unsere heutige Gesellschaft zu integrieren. Die Masterarbeit zum Kloster Biburg greift dieses aktuelle Thema auf und zeigt auf Basis eines leerstehenden Klosters und der angrenzenden Einflüsse sowie dem geschichtlichen Hintergrund des Bauwerks eine mögliche Nutzungsvariante für diesen Gebäudetypus.Stefanie Kolb


Die Bewertung  der Abschlussarbeiten erfolgte am 05.11.2018 . Jury: Claudia Gerstner | Vors. Vorstand bdia BY, Matthias Franz | Vors. Vorstand bdia BY, Claudia Schütz | Vizepräsidentin bdia, Mathias Rathke | bdia-Mitglied | Beirat LV BY/Rosenheim, Lia Tchipeva | Preisträgerin des Vorjahres

Jurybegründung: Ora et labora – das Gebet und die Arbeit bestimmten 420 Jahre lang das Leben im Kloster Boburg. Der vorliegende Entwurf setzt dies fort: ein umassendes Werk aus Recherche, Analyse und Entwurfskonzeption. Profund und detailreich belegt, historisch wie denkmalpflegerische Aspekte einbeziehend, demographische Situation und Immobilienstrukturen berücksichtigend, wurde ein logisches Ganzes entwickelt, das sich eignet, Betreibern und Nutzern die Leitschnur für eine schlüssige Nutzung an die Hand zu geben. Die Empfehlung der Verfasserin: bei der zukünftigen Innenausstattng in Farbe, Material und Form zurückhaltend zu bleiben, ist ganz im Sinne Benedikts und ebenso zukunftsweisend!


bdia ausgezeichnet! Master für Julia Wall: "Iceland Northern Light Rooms"

bdia ausgezeichnet! Master für Julia Wall: „Iceland Northern Light Rooms“

Masterarbeit SS 2018 an der Hochschule Detmold
Betreuung: Prof.-Vertr. Stephanie Stratmann und Prof.-Vertr. Sascha Homburg

Masterarbeit SS 2018 an der Hochschule Detmold

„Iceland Northern Light Rooms“

In dem Wettbewerb „Northern Light Rooms“ wurde ein Entwurf für ein großes Areal am Myvatn-See im Norden Islands gesucht. Es sollte insbesondere ein Konzept für alleinstehende Gasthäuser zur Beobachtung der Polarlichter entwickelt werden. In der vorliegenden Arbeit liegt der Fokus auf dem Naturschutz. Daher wurde eine Lösung entwickelt, die sowohl möglichst wenig Fläche (und somit Lebensraum vieler Arten) und eine möglichst kurze Bauzeit in Anspruch nimmt. Dabei wurde auch auf die Verwendung nachhaltiger Materialien geachtet. Um eine Verkürzung der Bauzeit zu erreichen, besteht die Architektur aus vorgefertigten Modulen, die sich in ihren Abmessungen an klassischen Seecontainern orientiert und somit transportabel sind. Die Module stehen entweder allein als Gasthaus für zwei Personen oder als Saunahaus. Ein Gasthaus für 4 Personen besteht aus zwei Modulen, während sich das Haupthaus mit Gästebereich, temporärer Personalwohnung und Wohnung der Gastgeber aus einer Vielzahl an Modulen zusammensetzt. Die Gebäude sind in die Hügellandschaft integriert und orientieren sich von der Anordnung an den Verläufen der Höhenprofile. Die Häuser gehen mit begrünten Dachflächen nahtlos in die Landschaft über – somit wird die jeweilige Grundfläche an Flora und Fauna zurückgegeben.
Ziel des vorliegenden Entwurfes ist es, eine Lösung für sanften Tourismus zu zeigen. Da Island mit jedem Jahr aufgrund der einzigartigen Natur an Beliebtheit bei Touristen gewinnt, ist es wichtig, zum richtigen Zeitpunkt mit dem Umweltschutz zu beginnen – so dass sich auch die kommenden Generationen an diesem atemberaubenden Naturjuwel erfreuen können.Julia Wall


Die Bewertung  der Abschlussarbeiten erfolgte am 25. Juli 2018. Jury: Karin-Friedrich Wellmann | Innenarchitektin bdia, Thomas Geppert | bdia NRW, Amelie Peters und Jana Stumpe | bdia Ausgezeichnete des Vorjahres

Jurybegründung: Ohne viele Worte entsteht bei dieser Masterthesis, durch die sehr differenzierte graphische Darstellung, eine emotionale und erklärende Wirkung, die die verschiedenen Aspekte der Beschäftigung mit der Aufgabe darlegt. Der Betrachter wird in das Thema der Arbeit, über die Landschaft, den Außenraum bis in die atmosphärische Stimmung des Innenraumes hineingeführt. Die Verknüpfung vielfältiger, in sich stimmiger graphischer, bildlicher und lichttechnischer Elemente ist überaus besonders gelungen!


bdia ausgezeichnet! Bachelor für Jasmin Lepkojis: "Kurzzeitübernachtung in Konstanz – Tiefschlaf"

bdia ausgezeichnet! Bachelor für Jasmin Lepkojis: „Kurzzeitübernachtung in Konstanz – Tiefschlaf“

Bachelorarbeit SS 2018 an der Hochschule Stuttgart
Betreuung: Prof. Klaus-Peter Goebel



Bachelorarbeit SS 2018 an der Hochschule Stuttgart

Tiefschlaf

Nach der Besichtigung der entweihten und denkmalgeschützten Kirche St Johann in Konstanz, stand sehr schnell fest, dass sie den optimalen Platz für eine Kurzzeitübernachtungsmöglichkeit mit besonderem Charme bieten würde.
Das Umnutzungskonzept beinhaltet nicht nur die Übernachtungsmöglichkeit mit Nassräumen, Empfang und Aufenthaltsbereichen sondern auch ein direkt angrenzendes Café.

Die Schlafboxen befinden sich im gotischen Kirchenraum. Das besondere an ihnen ist, dass sie den Bestandsraum nicht berühren, zweistöckig angeordnet sind und trotzdem den ganzen Kirchenraum mit einbeziehen.
Alle Seiten parallel zur Fensterfassade im Süden sind komplett aus Glas, so kann selbst der Besucher in der hintersten Schlafbox das Tageslicht sehen. Gemütlichkeit innerhalb der Schlafräume, die für zwei bis drei Personen sind, entsteht durch das Fichtenholz, was den kompletten Schlafbereich mit seiner Inneneinrichtung bildet.
Eine neue Komposition aus alt und neu entsteht und lässt den Besucher spannende Raumsituationen erleben.Jasmin Lepkojis


 

 


bdia anerkannt! Master für Lena Carmen Gumbrich: "Moderne Braukultur“

bdia anerkannt! Master für Lena Carmen Gumbrich: „Moderne Braukultur – Die Wiederentdeckung nationaler Identität in Form temporärer Architektur“

Masterarbeit SS 2018 an der HS Wiesbaden
Betreuung: Prof. Reiner Wiesemes

Masterarbeit an der Hochschule Wiesbaden SS 18

Moderne Braukultur

Deutschland gilt als eine der führenden Biernationen Europas. So vielfältig wie die deutsche Kultur ist, so vielfältig ist auch das Bier als Produkt – ein Genussmittel, das mehr Wertschätzung verdient!

Als Anlehnung an die alte Brauerweisheit „Bier braucht Heimat“, soll dem Bier ein besonderer Ort gewidmet werden, an dem es gewürdigt und in guter Gesellschaft genossen werden kann. Einen Ort, an dem Gemütlichkeit, Geselligkeit und Genuss im Vordergrund stehen. Das Bier, auch „flüssiges Brot“ genannt, bildet in Kombination mit verschiedenen Brotzeitvariationen, die Grundlage für dort stattfindende Genuss-Events. Deren Kernzutaten, Hopfen und Getreide, werden dabei gestalterisch inszeniert.

Der Entwurf kann als Neuinterpretation eines allseits bekannten Festzeltes gesehen werden. Es ist eine Neuinterpretation, die die Wesenszüge moderner Braukultur widerspiegelt: Qualität, Genuss, Natürlichkeit, Ehrlichkeit, Kreativität, Heimatverbundenheit, Nostalgie und Handwerk.

Ähnlich einer Roadshow, soll der Entwurf von Stadt zu Stadt, durch ganz Deutschland, reisen und die genussvolle Craft Beer-Philosophie verbreiten – an uns alle ein Appell zu mehr Genuss!Lena Carmen Gumbrich


Jury: Simone Bücksteeg, Kerstin Baumann, Pia Döll

 


bdia anerkannt! Master für Christoph Laubuhr: "Raum für Abschied"

bdia anerkannt! Master für Christoph Laubuhr: „Raum für Abschied“

Masterarbeit SS 2018 an der PBSA Hochschule Düsseldorf
Betreuung: Prof. Klein Wiele



Masterarbeit SS 2018 an der PBSA Hochschule Düsseldorf

RAUM FÜR ABSCHIED

MOTIVATION
Man fragt sich berechtigterweise, warum ich mich mit diesem Gebäude, das mit seiner Aufgabe eine sehr traurige Funktion hat, beschäftigen wollte. 10 Jahre passierte ich dieses Gebäue auf meinem Schulweg und fragte mich früh, warum dieses Gebäude so düster und befremdlich wirkt. Den ausschlaggebenden Punkt etwas ändern zu wollen, war als meine Mutter, die Bestatterin in meinem Heimatort ist, auf mich zukam. Sie berichtete mir, dass es für sie so schwer sei in diesem Gebäude zu arbeiten und trauernde Menschen zu empfangen, da es so dunkel, kühl und unbehaglich sei.
Als gebürtiger Wettringer fühle ich mich mit dem Dorf und diesem Ort verbunden. Meine Vision war es, einen freundlichen Ort zu schaffen, der den traurigen Abschied erleichtert und angenehmer gestaltet.
Der Friedhof wird oft als ein Ort der Trauer und der Trauerbewältigung betitelt. Dabei sollte er vielmehr eine Stätte des Austausches, der Zuversicht und der Begegnung sein. Das Raumprogramm zeigt, dass dieser Ort einen respektvollen und würdevollen Abschied nicht mehr leisten kann und den Anforderungen der Gegenwart nicht mehr gerecht wird.

ZIELE
Um angemessene Veranstaltungen am Friedhof den Mitmenschen meiner Gemeinde zu gewährleisten, habe ich es mir mit dieser Masterthesis zur Aufgabe gemacht, ein innenarchitektonisches Konzept für das Friedhofsgebäude bis ins Detail zu entwickeln, das den Anforderungen der Gegenwart und der Zukunft gerecht wird. Eine Veränderung der äußeren Erscheinung, sowie eine Erweiterung wurde in Betracht gezogen.
Mein Anspruch ist und war es, detaillierte Lösungen zu entwickeln, von
Serienprodukten abzusehen und die Identität des Ortes so positiv zu prägen. Ein Schwerpunkt des innenarchitektonischen Gesamtkonzepts war daher der detaillierte Innenausbau.

KONZEPT
Einem geliebten Menschen die letzte Ehre zu erweisen ist ein natürliches und menschliches Bedürfnis. Dem Menschen, mit dem man zusammen gelebt hat, mit dem man gute und schlechte Zeiten erlebt hat, möchte man ein Zeichen der Liebe und der Anerkennung setzen. Das Bestandsgebäude wird der Aufgabe, einen würdevollen Abschied zu gewährleisten, nicht gerecht.
Durch die Umgestaltung ist eine Stätte des Austausches, der Zuversicht und der Begegnung entstanden. Die Bestandskapelle ist erweitert worden. Nun kann das Gebäude individuell auf verschiedenste Größen von Trauergemeinden reagieren und somit für einen würdevollen Rahmen sorgen. Der neu geschaffene Verabschiedungsraum, der sich vom Bestand löst, ist ein Raum der Intimität. Engste Angehörige nehmen dort vom Verstorbenen Abschied.

ERWEITERUNG BESTANDSKAPELLE
Funktion:
Durch die Tageslicht durchflutete Erweiterung reagiert das Gebäude auf die individuellen Größen von Trauergemeinden und lässt den Bestand durch das Öffnen der Front „atmen“.
Bisher hatten 50 Personen (Durchschnittsbeerdigung ca. 120 Personen) die Möglichkeit während der Aussegnungszeremonie Platz zu nehmen. Nun können bis zu 140 Personen bei einer Abschiedsfeier Platz finden.

Reduktion durch Bestandsmauerwerk:
Der Bestand und die Erweiterung sind durch das Aufgreifen des Verblenders miteinander verknüpft. Das Konzept des Eingangsbereiches ist sehr reduktiv auf das Bestandsmaterial Mauerziegel fokussiert. Die monolithische anmutende Formensprache erzeugt eine „beschützende“ Geste. Sobald man den Eingangsbereich durchschritten hat, gelangt man in den Tageslicht durchfluteten Bereich.

Durch die entwickelte Glaskonstruktion konnte auf die Dachrinne verzichtet werden.
So wirkt die Dachfläche fast wie aus einem Stück. Lediglich das aus Weißtanne gefertige Holzständerwerk sorgt für eine Gliederung. Durch das Aufgreifen der Breite des Bestandsmauerwerkes von 50cm in der Erweiterung bilden sich Sitznischen zwischen dem Holzständerwerk. Zusammen mit den Sitzmöglichkeiten im Eingangsbereich sind Zonierungen für Austausch und Dialog entstanden.

ERWEITERUNG VERABSCHIEDUNGSRAUM
Funktion:
Die Trauergäste sind mit der Gesamtsituation überfordert und haben das Recht in ansprechendem, würdevollen Rahmen Abschied vom Verstorbenen nehmen zu können. Durch den Verabschiedungsort ist es den Trauergästen möglich, am offenen/geschlossenen Sarg, oder der Urne des Verstorbenen würde- und respektvoll Abschied zu nehmen. Der Verabschiedungsort erlaubt proportional den Abschied von 14-16 Personen. Somit ist sogar auch hier eine kleine Andacht möglich.

Reduktion durch Beton:
Der Verabschiedungsraum stößt sich vom Bestand ab und ist durch einen gläsernen Übergang mit diesem verbunden. Die Rahmen der bodentiefen Fenster sind nicht einsehbar. Dadurch entsteht eine Transparenz zwischen den Baukörpern. Der Verabschiedungsraum ist aus Schalungsbeton gefertigt und weißt eine gewisse Rohbauästhetik auf. Der raue Schalungsbeton steht im Kontrast zu der im Innenraum verarbeiteten Weißtanne.

LICHTKONZEPT
Das im Rahmen der Mastarbeit ausgearbeitete Lichtkonzept berücksichtigt die verschiedenen Nutzungszyklen und die entsprechenden Lichtcharakteristiken der Räumlichkeiten. Durch Modellbaustudien habe ich verschiedene Szenarien simuliert und untersucht. Ich analysierte das optimale Spiel, zwischen Tages- und Kunstlicht mit verschiedenen Glasoberflächen und Glasstrukturen.

Verschiedene Räumlichkeiten einer Trauerhalle benötigen unterschiedliche Lichteigenschaften. Ein Abschiedszimmer benötigt eine andere Lichtcharakteristik, als eine Trauerhalle in der die letzte Bestattungszeremonie stattfindet. Das Ziel war es für jeden Raum eine angemessene Atmosphäre zu schaffen. Die Belichtung soll über die Sonneneinstrahlung erfolgen und soll lediglich durch künstliche Beleuchtung unterstützt werden.Christoph Laubuhr


Die Bewertung der Arbeiten fand am 11. Juli 2018 statt. Jury: Anna Witte, Birte Riepenhausen, Barbara Eitner und Stefanie Berghaus

Jurybegründung: Der sensible Umgang mit dem Bestand und dem Thema „Tod und Abschied“ prägt diesen Entwurf. Der Verfasser hat sich umfangreich Thema Abschied und dem resultierenden Bedarf befasst. Ein gelungener Einsatz von raumbegleitenden Lichtakzenten leitet den Besucher durch die Räume. Der reduzierte Einsatz der Materialien gibt dem Entwurf Ruhe. Der Einsatz von pointierten Details an Boden und Türen rundet den Entwurf ab.


bdia anerkannt! Bachelor für Katharina Scharping: "Wohnen im Alter-Neue Erwartungen an die Innenarchitektur"

bdia anerkannt! Bachelor für Katharina Scharping: „Wohnen im Alter-Neue Erwartungen an die Innenarchitektur“

Bachelorarbeit SS 2018 an der Hochschule Hannover
Betreuer: Prof. Dipl.-Ing. Bernd Rokahr, V-Prof. Dr. phil. Martina Wiedleroither

Bachelorarbeit SS 2018 an der Hochschule Hannover

Wohnen im Alter – Neue Erwartungen an die Innenarchitektur

Die Nachrichten verkündeten vor einiger Zeit, dass wieder mehr Babys geboren werden. Dennoch werden die Alten immer älter, die Lebenserwartung der Menschen steigt. Während im Jahre 2013 20,9% der deutschen Bevölkerung über 65 Jahre alt war, wird der Anteil dieser Altersgruppe im Jahre 2060 auf rund 33% steigen (Quelle: Statistisches Bundesamt). In einigen Regionen Deutschlands stellen sie bereits die größte Bevölkerungsgruppe dar.

Gedanken zum Alterswohnsitz kommen jedoch häufig erst dann, wenn sich Lebensumstände ändern.
Die Kinder gehen aus dem Haus, die Wohnung ist auf Grund von alterstypischen Erkrankungen nicht mehr geeignet – die Gründe sind vielfältig. Oft scheint im fortgeschrittenen Alter der Umzug in ein Heim die einzige Option.
Nicht nur die eigenen vier Wände werden bedeutsamer, auch die unmittelbare Nachbarschaft wird wichtiger.
Doch beobachtet man, dass in vielen Bereichen die Infrastruktur den veränderten Anforderungen im Alter nicht gerecht wird. Sei es durch eine schlechte Erreichbarkeit von Geschäften des täglichen Bedarfs oder sogar der Mangel an öffentlichen Sitzplätzen, die auf dem Weg zum Supermarkt eine kurze Verschnaufpause erlauben.
Ist der Wohnsitz nicht mehr geeignet und ist die Tendenz der alterstypischen Risikofaktoren steigend, drohen soziale Isolation, persönliche Krisen, Frustration und führen somit letztendlich zu einer Verschlimmerung, die wiederum zu erhöhter Hilfsbedürftigkeit führt. Um die Selbstständigkeit älterer Personen möglichst lange zu gewährleisten, muss die Innenarchitektur vermehrt gesellschaftliche Entwicklungen im Blick haben und in allen Bereichen eine altersgerechte und langfristig sinnvolle Nutzung ermöglichen.

Im Rahmen dieser Arbeit wurde dargelegt, warum Innenarchitekten den Bereich Wohnen im Alter als wichtiges Handlungsfeld begreifen sollten und welche Maßnahmen ergriffen werden können, damit ältere Menschen möglichst lange selbstständig wohnen können. Es gibt vielfältige Entwicklungen, die den individuellen Wohnbedürfnissen von Senioren gerecht werden. Um die unterschiedlichen Möglichkeiten für ältere Menschen zugänglich zu machen, werden Innenarchitekten einige Planungshilfen an die Hand gegeben.
Die entsprechenden DIN-Normen stehen dabei an erster Stelle. Doch auch Design- und Architekturkonzepte, die sich mit dem Thema beschäftigen, müssen mehr Anerkennung finden und sollten jedem Planer ein Begriff sein.

Darüber hinaus ergeben sich Anforderungen an die Politik. Auch der Diskurs an Hochschulen sollte weiter forciert werden, damit das Thema direkt während der Ausbildung im mindset verankert wird. Konzepte wie die des Universal Design oder der Healing Architecture sind so nachhaltig und dazu fundiert, dass sie Eingang finden sollten in die Curricula aller Hochschulen und Universitäten. Egal, ob es sich um den Studiengang Innenarchitektur, Architektur, Städteplanung oder auch nur artverwandte Fächer handelt. Das Thema Barrierefreiheit muss darüber hinaus in den Ausbildungsplänen der handwerklichen Berufe verankert und in der Praxis veranschaulicht werden.

Man kann die gesellschaftliche Verantwortung nicht in die Hände einer Berufsgruppe legen. Dennoch kann jeder einzelne etwas von dieser Verantwortung übernehmen. Innenarchitekten können zumindest einen entscheidenden Beitrag leisten und Impulse geben für ein Wohnen im Alter, auf das man sich freuen kann.Katharina Scharping

» Fotos: www.Pixabay

» bdia.de/wohnen-im-alter-es-geht-uns-alle-an


Die Bewertung der Arbeiten erfolgte am 4. Juli 2018.

Jurybegründung: Diese Arbeit wurde aufgrund ihrer umfangreichen theoretischen Bearbeitung separat betrachtet. Die Jury möchte jedoch dieser Arbeit eine besondere Anerkennung verleihen. Im Zuge des demografischen Wandels findet sie es ausgesprochen wichtig, dass dem Thema „Wohnen im Alter“ eine spezielle Aufmerksamkeit geschenkt wird.

 


bdia ausgezeichnet! Master für Nadja Franka Jung: "Evergreen - Seerestaurant am Unterbacher See"

bdia ausgezeichnet! Master für Nadja Franka Jung: „Evergreen – Seerestaurant am Unterbacher See“

Masterarbeit SS 2018 an der PBSA Hochschule Düsseldorf
Betreuung: Prof. Vetter



Masterarbeit SS 2018 an der PBSA Hochschule Düsseldorf

EVERGREEN BAY OF PL[A]NTY TIMES

Die Bucht von EVERGREEN – BAY OF PL[A]NTY TIMES liegt am Ufer des Unterbacher Sees, dem Naherholungsgebiet an der Stadtgrenze zu Düsseldorf. Umgeben von prächtig grünen Wäldern, lädt die Natur und ein umfangreiches Sport- und Erholungsangebot seit über sechzig Jahren dazu ein, sich eine Auszeit vom Großstadtlärm zu gönnen und der Freizeit einen neuen Stellwert zu geben. Aus der Idee heraus, dem attraktiven Freizeitangebot auch eine bauliche Entsprechung zu geben, entstand der Entwurf EVERGREEN.

Hierzu wurde zunächst die in die Jahre gekommene und unübersichtlich zusammengewachsene bauliche Bestandstruktur analysiert, in Ordnung gebracht und schließlich durch ein atmosphärisches Gesamtkonzept ergänzt. Eine neue Sichtachse öffnet das Gebiet und teilt es in zwei Bereiche. Auf der linken Seite entsteht der Bereich für die Freizeit- und Eventnutzung. Ein großer Terrassenbereich mit unterschiedlichen Plattformen und zahlreichen Funktionen bietet Platz für private und öffentliche Veranstaltungen und führt den Besucher an den See heran. Auf der rechten Seite entsteht der Bereich für administrative Zwecke, sowie ein Infocenter, die Verwaltung, eine Werkstatt und Raum für alle Angelegenheiten rund um den Boots- und Wassersport.

Die entstehenden Baukörper lassen neue und alte Strukturen zusammenwachsen und treten in Interkation mit der umgebenen Natur. Großzügige Stahl-/Holzrahmen greifen die Kubatur der Bestandsbauten auf und dienen als Element der Teilung, Ergänzung und Strukturierung von Alt und Neu. In unterschiedlichen Intensitäten, öffnet sich die Architektur in Richtung des Sees und lässt seine Weite auch baulich spüren. In Richtung des dichten Waldes, der das Gebiet wie eine behütende Umarmung rahmt, wird auch die Struktur der Architektur geschlossener. Durch Begruünung im Innenraum erhält die Natur dennoch weiter Einzug in das Gebäude.

In „immergrüner“ Umgebung erhält der Bestand eine neue Frische. Aus dem Oldie vergangener Zeiten entsteht ein moderner Naturerlebnisraum, der dazu einlädt die Natur zu genießen und die Zeit wenigstens für einige Stunden zu vergessen. EVERGREEN – BAY OF PL[A]NTY TIMES.
Nadja Franka Jung


Die Bewertung der Arbeiten fand am 11. Juli 2018 statt. Jury: Anna Witte, Birte Riepenhausen, Barbara Eitner und Stefanie Berghaus

Jurybegründung: Der Umbau des Bestandsgebäudes am Unterbacher See überzeugt durch die neu strukturierte und sich öffnende Architektur, der sensible Umgang mit der Natur und durch das treffende und stimmige Raum- und Materialkonzept. Innen und Außen verschmelzen durch die sich öffnenden Raumstruktur, indem sich der Raum durch eine Rippenstruktur fortsetzt und sich so zum See hin weitet. Eine konsequente Umsetzung durch die stimmige Wahl der Materialien und Farben lässt die Natur im Inneren Einzug halten.


bdia anerkannt! Bachelor für Jasmin Manthey: "Wanderausstellung: Leben prägen"

bdia anerkannt! Bachelor für Jasmin Manthey: „Wanderausstellung: Leben prägen“

Bachelorarbeit SS 2018 an der Hochschule Kaiserslautern
Betreuung: Prof. Werner Glas, Prof. C. Schmachtenberg



Bachelorarbeit SS 2018 an der Hochschule Kaiserslautern

Leben Prägen – Wanderausstellung zum Thema Biodiversität

Biodiversität bedeutet biologische Vielfalt in Form von Arten, Genen und Ökosystemen. 1,7 Millionen Arten von Lebewesen wurden bisher wissenschaftlich bestimmt, schätzensweise wird die Erde aber von etwa 14 Millionen Arten bevölkert. Wir Menschen sind nur eine davon und prägen doch durch unser Leben und Handeln  deutlich unsere Umgebung. Biodiversität beeinflusst Robustheit der Ökosysteme gegenüber Umwelteinflüssen und bietet auch wirtschaftliche Vorteile zum Beispiel für Landwirtschaft, Tourismus oder Medizin. Außerdem empfinden wir Gegenden mit hoher biologischer Vielfalt als angenehm und betiteln sie sogar als Naherholungsgebiete. Durch den Eingriff der Menschen sind viele Ökosysteme und Arten in Gefahr. Wo genau uns Biodiversität begegnet und wie wir sie erhalten und positiv beeinflussen können zeigen die Stationen dieser Ausstellung auf spielerische Art.

Standort und Dauer
Biodiversität ist in jeder Ecke Deutschlands ein wichtiges Thema. Daher ist die Ausstellung „Leben prägen“ so konzipiert, dass sie sich an alle örtlichen Gegebenheiten im Innerstädtischen Bereich anpassen kann. Im Stadtzentrum finden sich in fußläufiger Nähe Grünflächen, Brunnen oder Flüsse, Marktplätze oder Einkaufszentren, Wohngebiete und Plätze mit großer Bedeutung in der Stadtentwicklung. „Leben prägen“ zieht daher jährlich an einen neuen Ausstellungsort in eine neue Stadt. Jeder Umzug gewährleistet auch, dass die Stationen gewartet und instandgesetzt werden können.

Wegeführung
Da die Stationen im Stadtzentrum verteilt sind, benötigen die Besucher eine Leitlinie. Diese stellt sich auf dem Boden wie eine Spur dar, die von einer Station zur nächsten führt. Die Spur ist organisch geformt und umringt jeden Ausstellungsteil. Auf dem Weg gibt es auch kleine Hinweise in Form von kurzen Abzweigen und Verdickungen der Linie. An diesen Stellen kann die App eingesetzt werden um weiterführende Inhalte zu erfahren oder selbst eine Spur zu hinterlassen. Der Titel „Leben prägen“ ist im Verlauf der Spur zwischen den Stationen mehrmals zu lesen. So kann jeder Besucher, der während eines Stadtbummels zufällig auf die Ausstellung stößt erkennen wie das Projekt heißt und sich auch spontan der Linie folgen.

App zur Ausstellung
Durch die Ausstellung begleitet eine App die durch Augmented Reality Content den Stationen eine weitere Ebene verleiht. Auf dem Weg durch die Stadt lassen sich immer wieder Spuren von Tieren, Pflanzen und auch anderen Besuchern aufspüren. Das Smartphone wird zur Wünschelrute. In den Stationen wie „Grüne Wüste“, „H2NO“ und „Bio-Hotspot“ wird die App zum Guckloch in eine andere Welt. Die leere Graslandschaft wird zum spektakulären Urwald, das Wasser ist voller Leben und weiter hinten völlig veralgt und rund um das Stadtmodell wird den Besuchern angezeigt wo Insekten und Pflanzen in der Nähe der Menschen eine neue Zuflucht gefunden haben. Gleichzeitig enthält die App ein Belohnungssystem. In jeder Station versteckt sich ein Fingerabdruck mit eingearbeitetem QR-Code. Mit dem Smartphone eingescannt ergibt sich daraus ein Teil eines Satzes, Wer alle Fingerabdrücke findet und abscannt kann am Ende ein virtuelles Schiebepuzzle freischalten und erhält das Fazit der Ausstellung: Dein Fingerabdruck bleibt auf dieser Erde, auch wenn du sie irgendwann verlässt. Jeder Tag ist die Chance aus deiner Spur einen Weg zu einer besseren und gesünderen Welt zu machen. Für ein Morgen auf das wir uns alle freuen. Jasmin Manthey


Jurybegründung: Die als Wanderausstellung konzipierte Arbeit setzt sich sehr einprägsam mit Biodiversität im Stadtraum auseinander. Einzelne sehr ausdrucksstarke Exponate führen den Betrachter in verschiedene Welten. Grafisch sehr gut umgesetzt, Materialität perfekt das Thema reflektierend.

 


bdia ausgezeichnet! Bachelor für Maria Gerbaulet: "Wanderrefugium Ringelstein"

bdia ausgezeichnet! Bachelor für Maria Gerbaulet: „Wanderrefugium Ringelstein“

Bachelorarbeit SS 2018 an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Detmold
Betreuung: Prof. ‘in Iris Baum und Ricarda Jacobi, M.A.

Bachelorarbeit an der Hochschule Ostwetfalen-Lippe, Detmold

Wanderrefugium Ringelstein
Das Stellwerk Ringelstein, umgeben von Wanderwegen im Harth, gelegen an einer stillgelegten Bahnstrecke, besitzt durch seine Lage und seine baulichen Merkmale gute Voraussetzungen für ein Wanderrefugium.

Themenrecherche
Das Wandern verändert sich, wird von immer mehr jungen Menschen praktiziert und geht mit dem Trend hin zum Genussvollen. Der sportliche Gedanke des Wanderns wird demnach meist hintenan gestellt und die Motivation für eine Wanderung verändert sich. Galt es vor ein paar Jahren als Freizeitbeschaäfigung der eher älteren Generation, hat es einen starken Aufschwung erlebt und ist vor allem durch seine ausgleichende Wirkung auf Seele und Körper immer mehr in den Fokus gerückt. Die Menschen leben häufig einen schnelllebigen Alltag mit Verzicht auf Zeit und bewusstes Erleben. Die Digitalisierung hat zudem Einfluss darauf, dass sich der Mensch immer mehr vom Natürlichen entfernt und vor allem den Bezug zu menschlichen, sozialen Kontakten verliert. Gleichzeitig stellt man immer stärker fest, dass etwas fehlt, sei es das bewusste Wahrnehmen einer Situation, der Zugang zur Natur oder auch die Rückbesinnung auf sich und seinen Körper.
Das Wandern lässt uns der Natur aber auch uns selbst, verstanden als Teil der Natur, wieder näher kommen. Dieses Näherkommen zeigt sowohl positive Effekte auf die physische als auch auf die psychische Gesundheit.

Konzept/Aneignung des Raumes
Das Annähern an das Natürliche und Bewusste für die eigene Umwelt, die eigene Person und den eigenen Körper, der beim Wandern an seine Grenzen kommt, sind die thematischen Schwerpunkte, die für die Gestaltung meines Erdgeschossbereichs die Basis bilden. Geknüpft an sich unterscheidende Handlungen überführte ich die Themen in ein fließendes Raumgefüge. Es ist mir wichtig, dass der Nutzer zu sich kommen kann und den Raum und die Handlungen des Ankommens, des Waschens, des Liegens in ihrer natürlichen Form mit allen Sinnen wahrnimmt. Dieses Bewusstwerden soll über Auf- und Abstiege, über konkrete Schaffung von Freiraum und Privatheit in Form von Schiebeelemente generiert werden.
Als weiteren Aspekt greife ich die Möglichkeit der freien Kommunikation auf. Eine Kommunikation, die durch eine informelle Umgebung eine offene Gestaltung ermöglicht, mit der Chance zum Rückzug aber auch der direkten Teilnahme am Gespräch an Tiefe gewinnt. Das Wandern bietet den Vorteil, dass man sich von der Gruppe oder einzelnen Personen zurückfallen lassen oder aufschließen kann, entsprechend wenn man sich der Kommunikation entziehen möchte oder eben diese sucht. Dabei geht man nebeneinander her, ohne einen direkten Augenkontakt mit dem Gesprächspartner zu haben. Um diese Thematik in der Raumgestaltung im Obergeschoss aufzugreifen, arbeite ich mit aktiven Zonen und Randnischen. Diese Randzonen haben nur leichte Trennungen, sodass immer noch Sichtkontakt zu den Aktivitätszonen aufgebaut werden kann und man sich Situationen entziehen oder annähern kann.

Ankunftsort
Einer der drei Haupthandlungen in der Wanderunterkun bildet das Ankommen.
Das Ankommen am Zielort symbolisiert dem Wanderer, dass das Tagesziel erreicht ist. Dieser Handlung kommt bei einer Wanderunterkunft eine bedeutende Rolle zu und bedarf eines Orts, der dieser gerecht wird.
Der erschöpfte Wanderer besitzt die Möglichkeit, sich direkt beim Erreichen der Unterkunft auf eine mit starkem Leder überzogene Bank fallen zu lassen, um sich vor Ort die Schuhe auszuziehen. Dafür wird in der durchgängigen Treppenwand eine Ankunftsbox integriert. Die Box dient der Verstauung der Sitzebene und ebenso der Wanderschuhe. Der Dreck der Wanderschuhe fällt in eine Schublade, die seitlich in der Kellerebene geleert wird. Neben der integrierten Wanderbox befindet sich seitlich eine in eine Tür integrierte Garderobe. Die Tür bildet die Schwelle zur Kellerebene, die als funktionale Ebene für Heizung und Waschmaschinen dient.

Entspannungsort
Das Erdgeschoss wird über das bestehende Treppenhaus erreicht. Es befinden sich dort Zonen zur Entspannung und zur körperlichen Hygiene. Das Bad und der Schlafbereich im herkömmlichen Sinne verschmelzen zu einer Einheit mit räumlichen Qualitäten wie gezielte Führung von Tageslicht, Spiel mit Ebenen und Höhen. Als größter gestalterischer Eingriff ist eine Box eingefügt worden, für die ein oberes Deckenfeld entfernt wurde. Die Box sorgt für eine erweiterte Raumhöhe im Erdgeschossbereich und schafft zudem eine Empore im Obergeschoss. Die Box, die als Hauptliege und Schlaffläche dient, ist zum angrenzenden Raum und Nassbereich geöffnet, kann jedoch auf Wunsch nach stärkerer Privatsphäre über ein Schiebeelement geschlossen werden. Durch einen leichten Überstand zu der darunter liegenden Ebene, erweckt sie den Eindruck in das Gebäude eingeschoben zu sein. Von der Schlafbox aus erreicht man die tiefere Erdgeschossebene über drei hölzerne Trittstufen, die an der Wand entlang laufen. Neben der Liegebox ist das Duschelement ein weiteres zentrales Element der Raumgliederung. Nach vorne grenzt es den Nassbereich, seitlich den Toilettenbereich und nach hinten den Entspannungsbereich ein. Der Entspannungsbereich besteht aus eingelassenen Tatami Matten, die für Massagen aber auch als Untergrund für eine optionale Schlafebene für weitere zwei Personen dient. Eine Matratze kann dafür aus der unteren Rückseite des Duschelements hervorgezogen werden. Oberhalb befinden sich Regalflächen für die Utensilien des Wanderers.
Vom Tatamibereich wird der Boden ein weiteres Mal abgesenkt, um auf das Niveau des Außenbereichs zu gelangen und schafft hier eine Fläche für ein Fußwaschbecken. Das Becken selbst ist flexibel und kann hängend an der Wand gelagert werden, während ein Wasserhahn zur Befüllung in der Nähe ist.

Ort der freien Kommunikation
Über das Bestandstreppenhaus wird man weiter ins obere Geschoss geleitet, das den gemeinschaftlichen Handlungen dient. Durch den Grundgedanken einer freien, flexiblen Kommunikation, habe ich neben den Aktivitätszonen Randzonen geschaffen, gebildet durch raumhohe, transluzente und textile Raumteiler sowie zwei Ebenen, die höher gelegene Kaminebene und die in das Treppenhaus eindringende Sitzbox.
Im Aktivitätsbereich und Kochbereich sind einzelne Handlungsschritte neu aufgegliedert und räumlich strukturiert. Im Zubereitungsbereich, der auf der Kaminebene aufliegt, bildet sich seitlich auf der Kaminebene ein Sitzplatz aus, sodass jemand bei der Zubereitung helfen oder aber auch durch die leichte Trennung einer anderen Handlung nachgehen kann. So entsteht ein Ort, der ungezwungen für eine Gesprächssituation genutzt werden kann. Durch die Entfernung der Geschossdecke im Obergeschoss wird der Blick auf den Dachstuhl frei und der Raum gewinnt an Höhe. Während es ganz flächig eine Zwischensparrendämmung gibt, wird nur der hintere Raumbereich über Lamellen zoniert.

Materialität
Der Erdgeschossbereich ist in einer ruhigen und klaren Materialsprache gehalten. Um die fließende Raumführung zu unterstützen, wählte ich einen fugenlosen Estrich für alle Bereiche, ausgenommen der Schlafbox. Die Wände erhalten einen Lehmputz mit leichter Struktur, um einen sanften Kontrast zu der glatten mit Microbeton beschichteten Schlafbox zu schaffen. An der Duschwand und im Bereich oberhalb des Waschbeckens wird der Strukturkontrast durch schimmernde Keramik gesteigert. Farblich gibt es nur geringe Abstufungen. Textile Schiebelemente aus Leinen werden in Holzrahmen aus Hainbuche geführt.
Während Hainbuche und geräuchertes Eichenholz in den meisten Bereichen im Erdgeschoss nur akzenthaft verwendet wird, bildet das Schlafboxinnere aus breiten mit Hainbuche furnierten Schichtholz Platten mit seiner Durchdringung nach oben einen leichten Übergang in das Hölzerne, Warme. Im oberen Bereich bleiben die Wände weiterhin schlicht, während der Fußbodenbelag in Hainbuche gestaltet ist, die an einer Stelle von Eichenleisten (geräuchert) durchbrochen wird, die den Blick nach unten freigeben. Im Obergeschoss werden verstärkt Textilien eingesetzt: als Polsterung, als Teppiche oder in Form der raumhohen Raumteiler. Metall findet akzenthaft braunrot pulverbeschichtet als Möbelbeine oder Regalauflage Verwendung.

Abschlussbemerkung
Mit dem Wanderrefugium Ringelstein schffe ich einen Ort, der den Menschen alltägliche Handlungen bewusst erleben und genießen lässt. Ein Ort an dem nicht funktional orientiert Handlungen vollzogen werden, sondern diese an Qualität und Gefallen gewinnen, durch den ganzheitlich an den Nutzer angepassten räumlichen Kontext.
Die Merkmale des Hauses werden durch ein Spiel mit weiteren Zwischenebenen herausgearbeitet und gesteigert. Ebenen und Steigungen symbolisieren Anstiege und das Bergab einer Wanderung, verorten Handlungen und schaffen fließende Räume. Maria Gerbaulet


Die Bewertung erfolgte am 25. Juli 2018  Jury: Karin Friedrich-Wellmann | Innenarchitektin, bdia NRW,Thomas Geppert | Innenarchitekt, bdia NRW, Jana Stumpeund Amelie Peters | Preisträgerinnen des Vorjahres

Jurybegründung: Als Ergebnis mit der Auseinandersetzung zum Thema „Unterkunft für Wanderer“ in einem alten Stellwerk entstand beim Bauen im Bestand eine spannungsreiche Raumabfolge, die durch ein Spiel mit Zwischenebenen herausgearbeitet und gesteigert wurde.
Ebenen und Steigungen symbolisieren die Anstiege und das Bergab einer Wanderung, verorten Handlung und schaffen fließende Räume. Räume und Funktionsmöbel gehen ineinander über, sodass jede kleinste Ecke zum Erlebnis wird und der Innenraum zu einer erlebbaren Skulptur.
Das Innenraumkonzept ist funktional durchdacht und hat Entwicklungspotenzial für regional verordnete Gebäude im Bestand.