bdia ausgezeichnet! Master für Franziska Schwall „Denkmalschutz Schutzbunker“

Bachelorarbeit WS 2019/20 an der Hochschule Trier
Betreuung: Prof‘ in. Kirsi Susanna Leppäkoski, Prof. Oskar Spital-Frenking


DENKMALSCHUTZ SCHUTZBUNKER
Diese Arbeit befasst sich mit der Umnutzung von Schutzbunkern aus dem Zweiten Weltkrieg anhand des Hochbunkers am Augustinerhof in Trier.
Dieser wurde 1942 unter der Aufsicht von H. O. Vogel erbaut. 1943 wurde der Bunker weitestgehend fertiggestellt, jedoch war er wegen einiger Mängel (u. a. einer nicht eingebauten Lüftungsanlage und einer fehlenden Dacheindeckung) und dem absehbaren Ende des Krieges nicht in vollem Maße einsatzbereit. Neben dem Zivilschutz von ca. 950 Personen, sollte dort die Unterbringung wichtiger Dienststellen des Rathaus erfolgen. Der Standort des Bunkers wurde wegen der Innenstadtnähe und der unmittelbaren Nachbarschaft zum Rathaus gewählt.
Später wurde der Bunker als Fluchtunterkunft genutzt, heutzutage wird er lediglich vom gegenüberliegenden Theater als Lagerfläche gemietet.

AUFBAU
Der Bunker verfügt über zwei Voll- und 15 Halbgeschosse, die sich entlang des mittleren Kerns in die Höhe strecken.
Die lichten Raumhöhen variieren zwischen 2,30m, 2,60m und 3,60m.
Trotz der imposanten Außenmaße von 15,40m x 15,50m sind die Innenräume wegen der 2,30m dicken Außenwände sehr schmal.
Abzüglich des Flurs und des inneren Kerns, haben die Halbgeschosse eine durchschnittliche Breite von 2,00m.

ENTWURF NUTZUNGSKONZEPT
Im Zuge dieser Masterarbeit wurde ein Nutzungskonzept im Hinblick auf aktuelle Nutzungsmöglichkeiten und städtebaulicher Integration mit dem Schwerpunkt der Innengestaltung für den Hochbunker entwickelt.
Um den Bunker für jedermann erfahrbar zu machen, wurde ein Mischkonzept entwickelt, welches die Bereiche von Kunst, Geschichte und Freizeit zusammenbringt.
Im inneren Kern wurden die Zwischendecken entfernt, sodass sich über die gesamte Höhe ein gläserner Aufzug erstrecken kann.
Außerdem wurde im hinteren Bereich des Bunkers ein großzügiger Versorgungsschacht geschaffen, der genug Platz für Wasser und Lüftungsleitungen bietet.
Im Erdgeschoss befindet sich der Eingangsbereich mit Garderobe und WC Anlagen.
Die ersten beiden Halbgeschosse bieten dem Besucher einen Einblick in den Bunker selbst, hier wurde bis auf ein neues Beleuchtungskonzept nicht in den Bestand eingegriffen. Somit kann der Bunker in seinem ursprünglichen Zustand erlebet werden.
Die nachfolgenden Geschosse rechtsseitig bieten Platz für temporäre Ausstellungen. Die unzählig vielen Nutzungsmöglichkeiten können durch ein flexibles Beleuchtungs- und Multi-Media-Konzeptes umgesetzt werden können, sei es das Ausstellen der Abschlussarbeiten von Studenten oder eine Wanderausstellung, dieser Bereich bietet mit circa 230m2 genug Platz.
Linksseitig befinden sich zwei Wohnateliers die durch ihre imposante Raumhöhe und den neuen Fassadenöffnungen beeindrucken.
In den oberen Geschossen bietet der Bunker Platz für eine dauerhafte Ausstellung zum Thema des Zweiten Weltkriegs in Trier.
Der Abschluss bildet eine Tanzbar, die sich über den Dächern Triers erhebt. Diese entstand auf dem ehemalig ungenutzten Dach.

LICHTKONZEPT
Das Lichtkonzept im gesamten Bunker wurde relativ simpel gehalten. Der Innenraum wird durch an der Decke angebrachte Neonröhren beleuchtet. Diese finden sich in jedem Bereich wieder. Die Ausrichtung der Röhren ist entgegengesetzt der Laufrichtung, gleichzeitig gehen sie mit dem Besucher mit. Das bedeutet, sie ändern die Ausrichtung bei einer Raumecke, somit werden die Besucher instinktiv mit Hilfe des Lichtes durch den Bunker geführt.

ERDGESCHOSS
Man betritt den Bunker an der dem Augustinerhof zugewendeten (Nord-Ost) Seite. Vom Eingangsbereich führt links ein Weg zu den Toilettenanlagen. Diese wurden durch eine neu eingezogene Holzwand vom Flur abgetrennt. Um die Struktur des Betons der Außenwand sichtbar zu lassen, werden alle Leitungen auf der Wand geführt. Die schwarzen Trennwände aus beschichtetem HPL werden mit weißem, thematisch passenden, Graffiti besprüht. Am Ende des Flurs befindet sich der Zugang zum Versorgungsschacht. Folgt man der Raumfolge vom Eingang aus nach rechts, gelangt man über die durch Beleuchtung in Szene gesetzte Garderobe. Von dort aus geht es weiter zum Treppenaufgang und zum Aufzug, zu diesem gelangt man über eine gläserne Brücke. Von dort aus kann man mit einem Blick nach oben die Höhe des Bunkers erfahren. Zu den oberen Geschossen führt neben dem Aufzug auch die große, einladende Treppe mit beleuchtetem Handlauf.

WOHNATELIER
Der Schwerpunkt des Entwurfs sind die beiden übereinanderliegenden Wohnateliers. Hierzu wurden vier linke Halbgeschosse durch die Entfernung jeweils einer Zwischendecke zu zwei hohen Räumen verbunden. Die beiden Ateliers sind unabhängig voneinander nutzbar, jedoch komplett gleich aufgebaut. Die Wohnateliers beeindrucken mit einer Raumhöhe von jeweils 5,50m und einer Nutzfläche von ca. 66m2. Die verwendeten Materialien ergänzen sich farblich und bilden gemeinsam ein harmonisches und gemütliches Wohn- und Arbeitsumfeld. Überwiegend ist der bestehende rohe Beton sichtbar. Im Gegensatz zu diesem kalten Material wurden die großen Einbaumöbel aus einem warmen Kiefernholz gefertigt.
Im unteren Bereich befindet sich eine in das Sideboard integrierte Küche, welche mit einem Ausblick durch die großformatigen, neuen Fensteröffnungen zum Kochen einlädt. Über die versteckten Treppen (siehe Detail 4) kann man die entstandenen Fensternischen betreten. Dort befindet sich zum einen eine mit Holz ausgekleidete Mulde die mit Sitznischen, Bogenleuchte, Chesterfieldsofa und Teppich einen Ort zum verweilen darstellt.
Die zweite Fensternische bietet einen Essplatz, der ebenfalls als Mulde ausgebildet wurde. Die Bereiche können durch rundumlaufende Vorhangschienen von den anderen Bereichen abgetrennt werden. Die Nutzfläche der Fensternischen wurde tiefergelegt, um den Ausblick nicht mit Möbel zu verbauen.
An der gegenüberliegenden Wand befindet sich ein Einbaumöbel, welches als Zwischenebene fungiert. An der schmalsten Stelle misst dieses eine Tiefe von 60cm.
Mittig in diesem Möbel befindet sich ein Lounge-Platz, welcher über eine mobile Leiter erreicht werden kann.
Links- und rechtsseitig davon gibt es jeweils ein Bücherregal mit 30cm tiefen Fächern, die restlichen 30cm dienen als Trittfläche.
Weiter nach außen gibt es jeweils ein Guckfenster, welches vom Flur aus zu betreten ist. Dies ermöglicht es den Besuchern des Bunkers einen Blick in das Atelier zu erhaschen, ohne es zu mieten.
Diese Fenster könnten, wie alle anderen Öffnungen auch, mithilfe der verschiebbaren Lamellenpaneele verdeckt werden.
Im hinteren Bereich sind zwei übereinanderliegende Schlafalkoven (1,80m x 2,00m), die Platz für bis zu vier Besucher gleichzeitig bieten. Im vorderen Bereich ist eine Arbeitsnische mit zwei Bänken und einem Arbeitstisch.
Darunter ist Platz für eine Werkbank, welche mit Spots ausgeleuchtet wird. Unter den Schlafalkoven, hinter der verspiegelten Wand, befindet sich der Sanitärbereich mit einer Dusche und einem separatem WC.
Die mit Formica beschichtete Magnetwand dient als Mood-Board und hilft den Besuchern, ihre Ideen im Kollektiv zu visualisieren.

DAUERAUSSTELLUNG
Der Bereich der Dauerausstellung umfasst circa 135m2. Dieser verteilt sich auf drei Halbgeschosse mit einer lichten Raumhöhe von zweimal 2,60m und einmal 4,50m.
Die Ausstellungsfläche soll thematisch den Zweiten Weltkrieg mit Hauptaugenmerk auf die Geschehnisse in Trier beinhalten. Um diese Zeit den Besuchern näher zu bringen, wird viel mit Bildern, Videos und Büchern gearbeitet.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Bevölkerung seitens der Regierung oft ein verzerrtes Bild der aktuellen Lage dargestellt, besser bekannt als „Kriegsverherrlichung“.
Dieser Fakt soll in der Ausstellung aufgegriffen werden. Den Besuchern wird durch verschiedene Oberflächen und Materialen auf den ersten Blick ein verzerrtes Bild dargestellt. Hierzu werden unter anderem gebogene Spiegel und verzerrende Folien eingesetzt.
Im ersten Halbgeschoss der Dauerausstellung sieht der Besucher beim Betreten des Raumes eine große, in sich gebogene Spiegelfläche, welche die Bilder auf der gegenüberliegende Seite reflektiert.
Erst beim Betreten des Raumes gelingt es dem Besucher die eigentlichen Fotografien zu betrachten.
In der vorderen Raumecke befinden sich Stellwände mit weiteren Fotografien, im hinteren eine Vitrine mit Originalexponaten und Büchern.
Im nächsten Halbgeschoss findet der Besucher in der oberen Raumecke weitere Fotografien. Um diese (ohne Nackenstarre) betrachten zu können, muss er sich der gegenüberliegenden Wand zuwenden und kann nun über eine ausgerichtete Spiegelfläche die Fotografien ansehen.
In der hinteren Raumecke befindet sich ebenfalls eine Vitrine. Im vorderen Bereich ist dieses Mal eine Medienwand die durch eine im Vordergrund angebrachte Folie verzerrt wird. Erst wenn der Besucher um die Folie herum ist, kann er die Medienwand unverzerrt sehen.
Im dritten Halbgeschoss eröffnet sich dem Besucher ein Raum mit einer lichten Raumhöhe von 4,50m. Im vorderen und hinteren Bereich befinden sich Sitz- und Liegepolster auf dem Boden. Von dort aus kann man die an die Decke projizierten Filme betrachten. In der Raummitte ist eine Sitzbank angebracht mit gegenüberliegendem Bücherregal. Dort kann der Besucher sich ausruhen oder sich durch die Bücher blättern.

CLUB
Der krönende Abschluss des Bunkers bildet der auf dem Dach errichtete Club.
Von dem 16. Obergeschoss aus gelangt man auf den heraustretenden Kranzumlauf und kann die Aussicht über die Dächer von Trier hinweg genießen.
Ebenfalls beginnt im 16. Obergeschoss der Bereich des Clubs. Dies erkennt man unter anderem an dem veränderten Bodenbelag. Hier befinden sich die WC-Anlagen, ein Lagerraum und die Garderobe.
Folgt man der neu errichteten Treppe, gelangt man durch die 2,30m dicke Abschlussdecke in den Bar-Bereich. Der Aufzug führt ebenfalls bis zu dieser Etage.
Geradeaus befindet sich die Bar, links- und rechtsseitig einige Loungebereiche mit Tischen.
Geht man über den Glasboden hinweg zur zweiten Treppe, führt diese eine weitere Etage nach oben zur großzügigen Tanzfläche. Dieser Bereich bietet Platz für ein DJ-Pult und Stehtische.
Franziska Schwall


 Jury: Daniela Sachs Rollmann, Landesvorsitzende bdia Rheinland/Pfalz-Saarland, Dipl. Des. Sabine Waschbüsch, Dipl. Des.Pierre Grün, Elham Bankston {Protokoll)
Juryberündung: Gelungene sensible reduzierte Einbauten, durchgängiges Gestaltungskonzept, besonders gelungene graphische Darstellungsweise.