bdia ausgezeichnet! Master für Wibke Bruners und Edgar Hildebrand „NOAH Das jüdische Kindermuseum“

Masterarbeit SS 2016 an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Detmold
Betreuung: Prof. Carmen Munozde Frank, Prof. Rütt Schultz-Matthes

NOAH  Das jüdische Kindermuseum

Als Ergänzung des Jüdischen Museum Berlin soll ein Kindermuseum für junge Besuchergruppen im Alter von 5-12 Jahren geschaffen werden. Mit dem Kindermuseum soll dauerhaft eine neue Ausstellung entstehen, ein lebendiger Kulturort, der die Wissensvermittlung und das Lernen zu einem unvergesslichen Ereignis werden lässt. Zentraler inhaltlicher Schwerpunkt ist die Erzählung der biblischen Geschichte der Arche des Noah.

Die ehemalige Blumengroßmarkthalle, in der das Kindermuseum untergebracht werden soll, befindet sich im zentralen Berliner Stadtgebiet des Bezirkes Friedrichshain- Kreuzberg. In direkter Nachbarschaft ist das international bekannte Jüdische Museum Berlin. Konkret soll das Kindermuseum innerhalb der derzeit ungenutzten Hallenteilfläche des Eric F. Ross Bau, auf rund 2775 m2 geschaffen werden.

Das Kindermuseum soll ein interaktiver Erlebnis- und Erfahrungsort werden, der Kinder einlädt, die Erzählung von der Arche des Noah aus verschiedenen Perspektiven zu entdecken. Die Kinder erleben in Momentaufnahmen mit allen Sinnen die abenteuerliche Rettung aus der Sicht der Tiere. Die Geschichte beginnt mit dem Betreten der Arche des Noah und endet mit dem Verlassen des Schiffes.

Das Gestaltungskonzept ist von der semantisch stark aufgeladenen Erzählung abgeleitet. Um eine klare Entwurfssprache zu vermitteln, bezieht sich die räumliche Umsetzung auf den Aspekt der ambivalenten Gefühlswelt, welche die Rettung von Mensch und Tier mit sich bringt: die menschliche VERFEHLUNG und die unerschütterliche HOFFNUNG. In der entwickelten Raumfolge lässt sich die Ausstellungsfläche in diese zwei Bereiche gliedern.

Die Besonderheit dieses Konzeptes ist das Erleben der lebensrettenden Reise aus der Sicht der Tiere. Denn diese sind die leidtragenden Geschöpfe und somit die Verlierer der Geschichte. Bekanntermaßen löste das menschliche Fehlverhalten die Katastrophe in Form einer Sintflut aus. Ungeachtet dieser Ungerechtigkeit wird diese Bestrafung kindgerecht und mit Liebe zum Detail den jungen Betrachtern näher gebracht: Am Museumseingang erhalten die Kinder eine Tieridentität, welche sie erst beim Verlassen des Museums wieder ablegen. Während des Museumsrundganges gibt es immer wieder Anknüpfungspunkte mit dem eigenen Tiercharakter, um sich besser mit ihm zu identifizieren und den Museums- besuch immersiv zu erfahren.  Darüber hinaus fließen zusätzlich grundlegende Inhalte des jüdischen Kulturgutes ein. Wibke Bruners und Edgar Hildebrand


Die Bewertung von 72 Bachelor- und 16 Masterarbeiten erfolgte am 14. Juli 2016. Jury: Innenarchitektin Gritt Bartels, bdia Landesvorsitzende Nordrhein-Westfalen; bdia Innenarchitektin Karin Friedrich-Wellmann; bdia Innenarchitekt Manfred Felix Haverkamp sowie der Preisträger des Vorjahres Sahar Khalajhedayati, Corinna Lüddecke und Timo Schröder.

Jurybegründung: Die Arbeit stellt in besonderer Weise, von der Recherche über die Analyse bis hin zu einer möglichen Realisierung, den konsequenten Entwurfsweg da. Hier ist eine Geschichte mit großer szenografischer Kompetenz in eine sehr komplexe Raumstruktur umgesetzt worden und zum Leben erweckt. Idee, Konzeption, Umgang mit Raum und Art der Darstellung haben überzeugt.