bdia anerkannt! Master für Laura Graceffa: “Stadt, Land, Tisch”

Masterarbeit WS 23/24 an der HS Mainz
Betreuung: Prof. Lutz Büsing

Der städtische Raum und unsere Esskultur verändern sich ständig, was die Möglichkeit bietet, die Verbindung zwischen Esskultur, Gestaltung und Gemeinschaft im urbanen Kontext neu zu interpretieren. Der Fokus des Konzeptes liegt auf einem gastronomischen Raum, der auf dem Prinzip von “Urban-Farm-to-table” basiert. Dabei geht es nicht nur um die räumliche Nähe zur landwirtschaftlichen Produktion, sondern auch um die Anerkennung und Wertschätzung lokaler Lebensmittel, die durch die Integration der Kreislaufwirtschaft gefördert werden.

Die traditionelle Landwirtschaft, die üblicherweise viel Raum beansprucht, wird effizient in den städtischen Raum integriert. Um dies zu ermöglichen, werden vertikale Anbauflächen in einem Bestandsgebäude eingefügt. Dadurch wird nicht nur das Gebäude revitalisiert, sondern es ermöglicht auch den lokalen Anbau in der Stadt, ohne dabei wertvollen städtischen Raum einzunehmen.

Das Gebäude befindet sich in einem Kreativareal in der Stadt Karlsruhe und diente früher als Schweineschlachthalle. Im Hinblick auf den historischen Kontext wird bewusst eine konträre Nutzung konzipiert. Die Halle dient nun als Plattform für einen rein pflanzenbasierten Ansatz. Dabei werden gestalterische Elemente der ehemaligen Schlachthalle in das neue Konzept integriert. Auf diese Weise bleibt der geschichtliche Bezug erhalten und es wird eine stärkere Sensibilisierung für das Thema erreicht.

Es entsteht ein Begegnungsort, der den Kreislauf der Nahrung anschaulich macht: vom Anbau und der Lagerung über die Zubereitung bis hin zum Upcycling von Lebensmittelresten.  Das Esskultur-Zentrum trägt dazu bei, ein Bewusstsein für unser aktuelles Essverhalten zu schaffen, eine höhere Wertschätzung für Lebensmittel zu fördern und die Bedeutung der Gemeinschaft beim Essen hervorzuheben.

Das bestehende Achsraster des Bestandes wird aufgegriffen, um eine klare vertikale Ausrichtung zu erzielen. Die offene Gestaltung der einzelnen Bereiche ermöglicht ein umfassendes Verständnis des Kreislaufs.

Ein Kolonnadengang in der Mitte empfängt die Besucher:innen beim Betreten der Halle. Von dort aus ergeben sich klare Blickbeziehungen in die beiden Zonen: die öffentlich zugängliche Zone mit Küche, Essbereich, Werkstatt und einem Workshop- Bereich sowie die private Zone mit Anbau, Lagerung und Vor- und Nachbereitung.

Der Archetyp des Gewächshauses dient als übergeordnete Leitstruktur, die die vertikale Ausrichtung lenkt. Dieser steht symbolisch für die Landwirtschaft und wird in abstrahierter Form über die Rahmenkonstruktion in die räumliche Struktur übertragen.

Die offene Küche fungiert als zentrales architektonisches Element und erstreckt sich als vertikales Band zwischen Innen- und Außenraum. Dadurch entstehen Blickbeziehungen zwischen beiden Bereichen, die eine harmonische Integration ermöglichen. Die Transparenz wird durch das Front-Cooking zusätzlich betont. Vom Essbereich aus, ob innen oder außen, ist der vertikale Anbau von beiden Perspektiven sichtbar und unterstreicht den Bezug zu Frische und Regionalität. Laura Graceffa


Jury: (folgt)
Jurybegründung: (folgt)