Innenarchitekten müssen in die Lehre! Editorial von Vera Schmitz, bdia Präsidentin

Vera Schmitz, Präsidentin bdia

Editorial Heft 6 / 2018

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Thema Fachkräftemangel wird in den Medien und in der Politik häufig diskutiert, wie sieht es eigentlich in unserem Berufstand aus?

Ich muss sagen, das Thema beschäftigt mich schon lange und ich beobachte mit großem Bedauern, dass Innenarchitektinnen und Innenarchitekten Mangelware an unseren Hochschulen sind! Warum? Haben wir zu wenig ambitionierte Kolleginnen und Kollegen, die in die Lehre möchten, oder sind es die Hochschulen, die bei Nachbesetzungen kein Augenmerk auf den Berufszweig legen?

Unabhängig von den Gründen ist es fragwürdig, inwieweit eine Ausbildung überhaupt qualitätsvoll sein kann, wenn es an entsprechenden Besetzungen an Lehrstühlen fehlt. Ich möchte es mal anders formulieren - was denken Sie, wenn zukünftige Mediziner von Zahnärzten, Heilpraktikern, Naturwissenschaftlern und Medizintechnikern ausgebildet würden? Ich gebe zu, das Bild ist etwas provozierend, aber es macht deutlich, welche Erwartungshaltung doch an eine Hochschulausbildung, neben allem interdisziplinären Anspruch, besteht.

Die Kernkompetenzen müssen ausreichend vertreten sein, um den Nachwuchs auf seine Berufswahl hin auszubilden.

 

Ihre Vera Schmitz,
Präsidentin bdia


3 Fragen an... Tabea Höfer, bdia Bremen-Niedersachsen

Tabea Höfer, Innenarchitektin bdia Bremen-Niedersachsen

1. Sie haben vor 4 Jahren Ihren Abschluss gemacht. Wer hat Sie hauptsächlich unterrichtet an der Hochschule – ArchitektInnen oder InnenarchitektInnen?

Wir wurden hauptsächlich von HochbauarchitektInnen unterrichtet.

2. Wer hat Sie am stärksten geprägt, wer ist Ihr Vorbild?

Beeindruckt haben mich schon immer die Werke von Tadao Andō. Mit seiner klaren, geometrischen Formsprache, dem Spiel mit Licht und Schatten und der rohen Materialität schafft er eine spannungsvolle, minimalistische Architektur mit faszinierenden Innenräumen. Vorbildlich finde ich vor allem auch seinem verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Ressourcen.

3. Könnten Sie sich selbst vorstellen, einmal in die Lehre zu gehen?
Noch während meines Studiums habe ich in Hannover ESTHET Innenarchitektur gegründet und mir damit den Traum vom eigenen Büro erfüllt – dort liegt zur Zeit mein Fokus. Eine Lehrtätigkeit würde ich jedoch per se nicht ausschließen.


Lehre, Hochschulen und Bewerbungsverfahren

Damit die baulichen und gestalterischen Aufgaben für das Bauen im Bestand und für Innenräume auch in Zukunft von Innenarchitektinnen und Innenarchitekten erfolgreich umgesetzt werden können, ist eine solide und nachhaltige Ausbildung durch Fachleute unerlässlich.
Unser Berufsstand muss bei Auswahlprozessen zur Besetzung von Lehrstühlen viel stärker berücksichtigt werden. Voraussetzung dafür aber sind auch ausreichende und gute Bewerbungen von Innenarchitekten sowie funktionierende Netzwerke.
Wir haben die Innenarchitektin Sabine Keggenhoff nach Ihren Erfahrungen und Einschätzungen gefragt. Neben Ihrer Tätigkeit im Büro ist sie Professorin an der Peter Behrens School of Arts in Düsseldorf.

BERUF UND LEHRE - eine Verknüpfung mit Mehrwert

In die Lehre gehen zu wollen und tatsächlich ausgewählt zu werden, gleicht dem Annehmen eines Auftrags, einer weiteren verantwortungsvollen Verpflichtung. Mut machen, sich selbst zu zutrauen, auch ein Feld der Lehre besetzen zu können, darum geht es. Das Engagement für den Inhalt, die Studierenden, für die Sache an sich ist Grundvoraussetzung. Man muss vielen Anforderungen gerecht werden, aber es macht Spaß, sehr viel Spaß sogar.

Der Bedarf ist da. Das ist gut. Die Studierenden wünschen sich ausdrücklich innenarchitektonische Vorbilder und im Detail ausdrücklich konzeptionell Lehrende, mit Haltung, mit Thema, mit Stringenz und gestalterischer Offenheit. Das bekomme ich immer wieder gespiegelt.

Wir sind eine berufliche Minderheit, wir sollten jedoch nicht wie eine solche agieren - mich befremdet das. Wir bedienen den Markt präzise, wir sind hervorragende Spezialisten und wir wissen was wir können. Der Erfolg gibt vielen von uns Recht. Der Bedarf, die qualitätvollen Anfragen, sind über alle Maßen vorhanden. Man braucht genau uns, uns Innenarchitektinnen und Innenarchitekten und unser Wissen um Raum.

Wesentliche Faktoren für eine gute, basisorientierte innenarchitektonische Lehre sind, verlässliche Rahmenbedingungen für Studierende zu schaffen, zugunsten einer wirtschaftlich interessanten und perspektivisch ausbaufähigen Selbstständigkeit. Hier ist meines Erachtens trotz großem Engagement vieler Beteiligter die Faktenlage nach wie vor nicht akzeptabel (Verweis auf: Ausgrenzung bei Wettbewerbsteilnahmen, Einschränkungen bzgl. möglicher Berufsfelderweiterungen, eingeschränkte Bauvorlageberechtigungen, etc.).

Beruf und Lehre zu vereinen; so wie ich es persönlich durchführe; ist mit viel Arbeit und viel Toleranz auf der Büropartnerseite verbunden. Beides soll erfolgreich laufen, so ist mein Verständnis, mein Anspruch, mein Ziel. Das scheint leichter als getan, bekanntermaßen erledigt sich nichts von allein, nichts nebenbei, es lohnt sich aber: keineswegs in klassisch-finanzieller Hinsicht, jedoch ideell, denn es beflügelt den eigenen Kopf, sorgt für regelmäßige Unterbrechungen des eigenen Schaffens und setzt Energien frei.

Wenn Stellen neu besetzt werden, dann fehlt es unter den Kollegen im Fachbereich häufig an Akzeptanz und Wertschätzung gegenüber Innenarchitektinnen und Innenarchitekten, die sich bewerben.
Die Notwendigkeit der Ausbildung durch gelernte Berufsträger wird nicht verstanden.

Das ist so, das sollte man wissen, das sollte jedoch keinesfalls entmutigen, im Gegenteil: Hier gilt es, sichtbar zu werden, Ansprüche zu formulieren, da muss man durch, das ist wie „draußen arbeiten“. Einen Schutzraum im klassischen Sinne gibt es für Innenarchitekten an Hochschulen nicht. Ergänzen möchte ich zusätzlich, dass es ebenso Zeit benötigt, sich im jeweiligen individuellen Hochschulprozess zu finden, zu verorten. Ich persönlich brauchte meinen Moment, zum Teil bin ich heute noch nicht „angekommen“.
Dass will gelernt sein, ebenso wie die internen Prozesse und gelebten Allianzen zu reflektieren und zu akzeptieren.

Ich selbst muss meinen zeitlichen Einsatz an der Peter Behrens School of Arts (PBSA) in Düsseldorf in jeder Woche und in jedem Semester ganz bewusst planen. Ich wollte nie meinen klassischen Berufsalltag verlassen um mich ausschließlich und / oder überwiegend der Lehre zu widmen, denn meine Fachkompetenz erfolgreich bewiesen und ausgeübt zu haben, bzw. weiterhin kontinuierlich auszuüben, befähigte mich ehemals für die „Kompetenzfelderweiterung Lehre“.

Mich interessiert beides, mich beglückt beides, mich motiviert beides.
Innenarchitektur ist kein architektonisches Beiwerk, sondern Zukunft.


INNENARCHITEKTENLEHREN.

Netzwerk- und Informationsveranstaltung zu Bewerbungsverfahren auf zukünftige Professuren der Fachbereiche Innenarchitektur.
4. Juli 2018, 15:30 bis 19:00 Uhr im Thonet Showroom, Düsseldorf.

Mehr unter www.bdia.de


bdia Handbuch Innenarchitektur 2018/19 erschienen!

Lebensräume gestalten! Das "bdia Handbuch Innenarchitektur 2018/19" des bdia bund deutscher innenarchitekten präsentiert die aktuellen Trends und das herausragende Gestaltungsniveau von Innenarchitektinnen und Innenarchitekten in Deutschland. Von privaten Wohnhäusern, Szene-Gastronomie, Hotel-Design, Gewerbekonzepten bis hin zu öffentlichen Bauaufgaben und Bildungsstätten werden alle Branchen abgebildet. Jedes Projekt wird ausführlich und nachvollziehbar vorgestellt.

Das Zukunftsthema Digitalisierung in der Innenarchitektur wird in den Fachbeiträgen von namhaften Experten beleuchtet. Der Adressteil der bdia-Mitglieder und -Förderpartner, sortiert nach Bundesländern, rundet das Handbuch ab und macht es zu einem unverzichtbaren Nachschlagewerk für die Akteure der Innenarchitektur-Branche und alle, die sich über innovative und kreative Innenraumgestaltung informieren möchten.

„Das Handbuch ist grundsätzlich nicht als Award-Sammlung zu verstehen, sondern als repräsentative Auswahl qualitativ hochwertiger Projekte und Themen,“ sagt Sylvia Leydecker, Redakteurin und bdia Vizepräsidentin.

Der bdia bund deutscher innenarchitekten fördert und festigt seit über 60 Jahren den Berufsstand und die Berufsausübung der Innenarchitektinnen und Innenarchitekten in Deutschland. Dabei setzt er sich als Berufsvertretung seiner Mitglieder für deren Belange in der Öffentlichkeit und gegenüber Wirtschaft und Politik ein. Der bdia ist der größte Innenarchitektenverband in Europa.

29.95€ inkl. 7% MwSt.
Ausstattung: Klappenbroschur
Seitenanzahl: 250
ISBN: 978-3-7667-2346-8

Sie können das Handbuch direkt beim Callwey-Verlag bestellen »»

Das Buch ist über den Buchhandel ebenfalls als E-Book erhältlich.

Projekte des bdia Handbuch Innenarchitektur 2018/19:

  • Metamorphosen – Revitalisierung eines Reihenendhauses, München von Anne Prestel Innenarchitektur, München
  • Verwandlung – Umbau eines 80er-Jahre-Hauses, Ahegg von architektur + raum, Kempten
  • Marina im Souterrain – Modernisierung eines Mitarbeiterrestaurants, Rostock von baustudio Kastl, Rostock
  • Haus XI – Umbau einer Stadtvilla, Westfalen von Henrike Becker Innenarchitektin, Lübeck
  • Pfarrkirche St. Petrus und Paulus – Lichtgestaltung, Neuhausen auf den Fildern von Beckert & Soanca-Pollak, München
  • Chamäleon mit Innenarchitektur – Neubau Büroturm 01 FIT AG, Lupburg von Berschneider + Berschneider Architekten BDA + Innenarchitekten
  • Wer überholen will, muss die Spur wechseln – Workspace, Essen von bkp kolde kollegen, Düsseldorf
  • Atmosphärisches Ganzes – Erweiterung Modehaus Juhasz, Bad Reichenhall von blocher partners, Stuttgart
  • Neue Arbeitswelten – Zalando Lounge Zeughofstraße, Berlin von DESIGN IN ARCHITEKTUR, Darmstadt
  • Mit frischem Wind – Openspace Fläche für Dataport AöR, Altenholz bei Kiel von Lübs und Brendel, Flensburg/Rostock
  • Wohnen und Pege im Sonnengarten – Bettentrakt eines Pflegeheims, Buchen von Ecker Architekten, Heidelberg
  • Maßvoll und elegant – AKRIS Boutique, Düsseldorf von Falkenberg Innenarchitektur, Düsseldorf
  • Von Grund auf anders – Neubau einer Zahnarztpraxis, Riedstadt herzog, kassel + partner, Karlsruhe
  • Box Kitchen – Neuartige Sportstätte, München von iam interior architects munich, München
  • Moderne trifft Geschichte – Kundenbereich der Stadtsparkasse, Augsburg von Innenarchitektur Büro Kolb, Stadtbergen
  • Coole Kiste – Headquarter der codedentric AG, Solingen von Innendesigner Kemper & Düchting, Düsseldorf
  • Erzbischöfliches Berufskolleg – Innenarchitektur der Sonder ächen, Köln von KEGGENHOFF | PARTNER, Arnsberg-Neheim
  • Historische Eleganz – Sanierung eines denkmalgeschützen Schlosses, Göhren-Lebbin von Kitzig Interior Design - Architecture Group, Lippstadt
  • New Office Design – Arbeiten im Hochhaus zur Bastei, Zürich von Landau Kindelbacher Architekten Innenarchitekten, München
  • Neues Maxim Kino – Alte Dame in neuem Kleid, München meierei Innenarchitektur | Design, München
  • BWC Showroom – Neugestaltung eines Showrooms für Immobilien, Berlin von meierei Innenarchitektur | Design, München
  • High-Tech und Sinnlichkeit – Messestand Carpet Concept, Orgatec 2016, Köln von raumkontor Innenarchitektur, Düsseldorf
  • Golden Glamour – Generalsanierung Townhouse HH, Hamburg von Reimann Architecture, Hamburg
  • Modern und lichtdurchflutet – Gestaltung eines Penthouses, Frankfurt am Main von Schmidt Holzinger Innenarchitekten, Rodgau
  • Bibliothek der Generationen – Stadtteilbibliothek Oberhausen-Sterkrade, Oberhausen von UKW Innenarchitekten, Krefeld

Eine druckfähige Datei des Covers können Sie hier downloaden: Cover BDIA 18/19_2D

Kontakt:

bdia bund deutscher innenarchitekten
Referentin für Medien und Öffentlichkeitsarbeit

Cathrin Urbanek
Wilhelmine-Gemberg-Weg 6, Aufgang G
10179 Berlin
Tel. +49 30 530 519 83
Fax +49 30 91442419
urbanek@bdia.de
www.bdia.de

 


3 Fragen an... Constantin von Mirbach, bdia Bundesgeschäftsführer

Constantin von Mirbach, bdia
RA Constantin von Mirbach, Bundesgeschäftsführer bdia

1. Datenschutz - wie steht der bdia insgesamt da?
Mit den Daten unserer Mitglieder gehen wir sorgfältig und verantwortungsvolle um, sowohl auf Budedsebene als auch im Austausch mit den bdia Landesverbänden. Wir sind ein kleiner Verband mit einer kleinen Geschäftsstelle und nur einzelne wenige Personen kommen mit sensiblen, personenbezogenen Daten in Berührung.

2. Welche Neuerungen sind für Verbände wichtig?
Die neue Verordnung zum Datenschutz stärkt das Recht des Einzelnen auf seine Daten und fordert unter anderem einen Datenschutzbeauftragten, der die Handhabung von Daten überwacht. Allerdings gilt diese Pflicht erst für eine Unternehmensgröße ab zehn Mitarbeitern.

3. Was muss der bdia anpassen?
Mit der Einführung der neuen Verordnung überprüfen wir unsere Datenhandhabung neu und passen auch Unterlagen und Formulare an. Das neue „Recht auf Vergessen“ bedeutet, wir müssen in Zukunft zum Beispiel das Archivieren von Akten aktiv erfragen.


Daten, Transparenz und Verantwortung

Innenarchitektinnen und Innenarchitekten erfassen, speichern, verwenden und löschen in Ihren Büros die Daten von Bauherren, Planungspartnern, Firmen und Mitarbeitern.
Die neue Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) baut auf bestehenden Rechtsvorschriften auf, verstärkt aber das Individualrecht auf den Schutz der eigenen, personenbezogenen Daten.

Grundlegendes bleibt wie bisher

Einzelpersonen erhalten mehr Kontroll- und Ahndungsmöglichkeiten und der Schutz vor Datenmissbrauch hat oberste Priorität. Die Regelungen betreffen als „Kleinstunternehmen“ auch Innen/Architekturbüros.
Der für das Datenschutzrecht weiterhin maßgeblichen Grundsatz ist Transparenz.
Personen müssen wissen, dass und wofür sie betreffende Daten erhoben, verwendet oder anderweitig verarbeitet werden. Entscheidend ist auch die Zweckbindung: Daten dürfen nur zu einem vorher festgelegten Zweck und nicht etwa „auf Vorrat“ verarbeitet werden. Und die verarbeiteten Daten müssen auf das für die Zwecke ihrer Verarbeitung notwendige Maß beschränkt sein.

Vertrag, Dokumentation und Rechenschaft

Um die Rechtmäßigkeit seiner Datenverarbeitung nachweisen zu können, ist der Abschluss eines Architektenvertrages unerlässlich. Neu ist der niedergelegte Grundsatz der Rechenschaftspflicht.
Danach ist der Verantwortliche, also der Büroinhaber, für die Einhaltung datenschutzrechtlicher Prinzipien verantwortlich und muss deren Einhaltung auch nachweisen können.
Hilfreich für einen Nachweis ist zum Beispiel, wenn sich das Architekturbüro dahingehend zertifizieren lässt oder so genannte „Auftragsverarbeiter“ einsetzt. Typische Beispiele für eine Auftragsverarbeitung sind die Wartung der Computeranlagen, Aktualisierungen der Software oder die Abwicklung der Gehaltsabrechnungen für Mitarbeiter durch Dienstleister. Wenn in Architekturbüros mindestens zehn Personen ständig mit der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten beschäftigt sind, ist ein Datenschutzbeauftragter erforderlich.

Rechte betroffener Personen

Eine wesentliche Erweiterung sind die neu geregelten Rechte der „betroffenen Person“.
Darunter fallen insbesondere die Informationspflichten bei der Erhebung von personenbezogenen Daten.
Für den Architekten bedeutet dies, dass er z.B. seinem Bauherrn beim Abschluss eines Architektenvertrages und der dazu erforderlichen Erhebung von Daten „in präziser, transparenter, verständlicher und leicht zugänglicher Form“ mitteilen muss, wer die Daten erhält und zu welchem Zweck. Zum Beispiel als entsprechende schriftliche Vertragsanlage.

Löschung von Daten

Eine weitere Neuerung stellt das „Recht auf Vergessenwerden“ dar.
Danach sind Daten unverzüglich zu löschen, wenn sie für ihren ursprünglichen Zweck nicht mehr benötigt werden. Ausnahme ist wiederum, wenn die Verarbeitung der Daten zur Geltendmachung, Ausübung oder Verteidigung von Rechtsansprüchen erforderlich ist.
Vor dem Hintergrund der fünfjährigen Gewährleistungsfrist kann eher nicht erwartet werden können, dass sämtliche Daten bereits nach Abschluss eines Bauvorhabens gelöscht werden. Daten müssen immer datenschutzkonform gelöscht werden, beispielsweise durch einen Fachbetrieb für Aktenentsorgung.

Beschäftigtendatenschutz

Der Beschäftigtendatenschutz entspricht in großen Teilen den bisherigen Regelungen.
Danach dürfen die Daten von Beschäftigten für Zwecke des Beschäftigtenverhältnisses verarbeitet werden, wenn dies für die Entscheidung über die Begründung eines Beschäftigungsverhältnisses, etwa im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens, erforderlich ist.

Schadensersatz und Geldbußen

Mit der Einführung der DS-GVO erfolgt im Bereich der Bußgeldvorschriften eine deutliche Erhöhung. Nicht zuletzt im Hinblick darauf ist es Architekten zu empfehlen, sich mit den neuen Anforderungen zu befassen.


Quelle: Quelle: Dr. Florian Hartmann/Katrin Dietrich, Architektenkammer Nordrhein-Westfalen.
» www.aknw.de/Praxishinweise

Ausführliche Informationen zum Thema für (Innen)Architekten finden Sie auf den Seiten der Architektenkammer Baden-Württemberg:
» www.architektendatenschutz.de

Bild: Hans Jürgen Landes. Projekt: Messestand des DTI, imm cologne 2014 von raumkontor, Düsseldorf.


Internationales Symposium zur Theorie der Innenarchitektur: Editorial von Vera Schmitz, bdia Präsidentin

Vera Schmitz, Präsidentin bdia

Editorial Heft 4 / 2018

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

„Was macht Innenarchitektur aus? Wie kann das Verhältnis von Innenarchitektur zu Architektur und Design theoretisch definiert und reflektiert werden?“ fragen unter anderem die Organisatoren des außergewöhnlichen, gleichwie überfälligen Symposiums „Interior – Inferior – in Theory? Contemporary Positions in Interior Design Theory.” Veranstalter ist die Hochschule BAU international.

Wir freuen uns sehr, die spannenden Fragestellungen zu einer eigenen Theorie - jenseits von Architektur- und Designtheorie - als Partner begleiten zu dürfen und laden Sie herzlich ein, am 17./18. Mai 2018 in Berlin im DAZ dabei zu sein.

Ihre Vera Schmitz,
Präsidentin bdia


3 Fragen an... Prof. Jens Wendland, bdia Nordrhein-Westfalen

Prof. Jens Wendland Innenarchitekt, Hochschullehrer und Buchautor bdia Nordrhein-Westfalen

1. Warum ist es so wichtig, einer Theorie der Innenarchitektur besondere Aufmerksamkeit zu schenken?
Gestaltend tätig zu sein, ohne den Hintergrund unseres Tuns zu bedenken, führt zu absoluter Beliebigkeit. Dass dabei das eigene Erwägen in den Zusammenhang des bisher Gedachten zu stellen ist, ist dabei Notwendigkeit und Lust zugleich.
2. Ist das Thema an der Hochschule, bei den Studierenden präsent?
Es gibt in diesem Bereich, von marginalen Einzelimpulsen abgesehen, keine Tradition und keine hinreichend gelebte Praxis. Anders herum formuliert: ein weites Feld voller Möglichkeiten liegt vor uns.
Auf geht’s!
3. In Ihrem Buch „Was wir lieben“ nähern Sie sich dem Prozess des Denkens über Gestaltung auf verschiedenen Wegen.  Ihre liebste Erkenntnis?
Denken ist praktizierte Selbstverunsicherung. Weite Bögen zu schlagen, eine Sache immer wieder zu umkreisen und ihr dabei neue, verblüffende Aspekte abzugewinnen, ist für mich elementar - beim Schreiben und in der Innenarchitektur.


Innenarchitektur, Theorie und Identität.

Prof. Dr. Carola Ebert, Interior Design, History and Theory of Architecture and Design an der BAU International Berlin
„Die Disziplin definieren - und stärken.“

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Carola Ebert, Interior Design, History and Theory of Architecture and Design an der BAU International Berlin – University of Applied Sciences

Warum ist es wichtig, sich mit einer Theorie der Innenarchitektur zu beschäftigen?

Innenarchitektur ist eine ganz eigene Disziplin. Eine Theorie dieser Disziplin ist das Fundament für den Berufsstand, die Forschung und die Ausbildung. Ist Innenarchitektur nur ein Teil von Architektur oder gibt es eine eigene gestalterische Identität, eigene Praktiken, Wissensformen und Ziele? Wie wurde und wird Innenarchitektur in verschiedenen Epochen gedacht, gelehrt und praktiziert? Diese historisch-wissenschaftlichen Grundlagen zu erforschen und zu kennen ist hochnotwendig - gerade in Ergänzung oder Abgrenzung zu anderen Fachrichtungen. Insbesondere für die Ausbildung sind der historische Kanon und die theoretischen Rahmenbedingungen von besonderer Bedeutung. Nur so können wir das Profil des Berufsstandes und die Fähigkeiten, die damit einhergehen sollten, diskutieren, stärken und vermitteln.

Welches sind Ihre Erwartungen an den internationalen Symposium?

Wir haben die zweitägige Konferenz bewusst als Austausch konzipiert zwischen Forschenden, Lehrenden und praktizierenden Innenarchitektinnen und Innenarchitekten und berufsständischen Organisationen, besonders am zweiten Tage. Zum Programm gehören Beiträge aus dem angelsächsischen Raum, Großbritannien, Australien, Nordamerika, dort gibt es eine starke Forschungstradition rund um den Innenraum. Auch aus Belgien werden wir unterschiedliche Positionen aus Theorie und Praxis hören, aus der Schweiz, Italien, Brasilien. Das internationale Interesse am inhaltlichen Austausch ist sehr groß. Insgesamt hatten wir Einreichungen aus 24 Ländern und konnten Vortragende aus sechs Kontinenten einladen. Die Vorträge zur Berufspraxis in Saudi-Arabien und Iran sind sicher Beispiele für neue, spannende Perspektiven. Als Ganzes ermöglicht die Konferenz ein grenzüberschreitendes Nachdenken über das Wesen der Innenarchitektur und wird hoffentlich so die Theorienbildung für die Disziplin Innenarchitektur einen großen Schritt weiter voranbringen.

Welche zukünftigen Entwicklungen sehen Sie für den Berufsstand?

Wir haben schon innerhalb Europas ganz unterschiedliche Rahmenbedingungen. In Italien kann ich mich nicht als Innenarchitektin oder Innenarchitekt in der Kammer registrieren. In Großbritannien werden unterschiedliche Ausbildungen in Interior Design und Interior Architecture angeboten, wobei nur der letztere kammerfähig macht. In Deutschland sind wir wiederum weit vorn bei der Kammerfähigkeit, jedoch wird Innenarchitektur als Studiengang traditionell an Fach- und Kunsthochschulen unterrichtet und aufgrund der geringen Forschungstraditionen an diesen Hochschulen gibt es (noch) eher wenig deutschsprachige Forschungsergebnisse zur Innenarchitektur.

Im globalen Kontext sind die Unterschiede noch gravierender, aber in Zeiten der Globalisierung kommen wir nicht umhin auch Gestaltungsaufträge global zu denken. Als international ausgerichtete Hochschule bietet BAU International Berlin einen Bachelor und ab 2019 auch einen Master in Innenarchitektur an. Dieses englischsprachige Ausbildungsangebot dient nicht nur dem deutschen Markt, sondern bildet Studierende für die globalisierte Welt aus. Jenseits der praktischen Inhalte ist hierfür auch klares Profil des Berufes auf theoretischer Ebene sehr wichtig.
Dazu ist die aktuelle Situation in zweierlei Hinsicht besonders günstig. In den letzten Jahrzehnten haben Themen wie Bauen im Bestand und die Nachhaltigkeitsdebatte Innenarchitektinnen und Innenarchitekten in eine neue Macht- und Qualitätsposition gebracht. Die zeitgleich entstandene Debatte um eine Theorienbildung ist daher ein zusätzlicher Baustein, um die Disziplin insgesamt zu stärken. Diese Debatte in Deutschland international zu führen ist der Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung.


„Interior – Inferior – in Theory? Contemporary Positions in Interior Design Theory.”
Am 17. und 18. Mai 2018 in Berlin.

  • Eine Teilnahme am Symposium ist kostenfrei.
  • Veranstaltungsort: DAZ, Wilhelmine-Gemberg-Weg 6, 10179 Berlin.
  • Programm, Anmeldung und Registrierung unter:  » www.interior-theory.org

Sachverständige(r) werden! Editorial von Vera Schmitz, bdia Präsidentin

bdia Praesidentin Vera Schmitz_2015
Vera Schmitz, bdia Präsidentin

Editorial Heft 3 / 2018

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

viel zu Wenige von uns setzen sich ernsthaft mit den Aufgabenfeldern eines Sachverständigen und der Möglichkeit auseinander, diese in das eigene Tätigkeitsprofil zu integrieren. Die Folgen für die Praxis? Andere (Architekten und Ingenieure!) besetzen wieder einmal unser Fachgebiet, den Innenraum.
Warum gibt es zu wenig Interesse? Haben wir einfach zu viel zu tun? Ist es der leichte Amtsstubengeruch und die Aussicht, telefonbuchdicke Gutachten schreiben zu müssen? Äußert ungerechte Vorurteile!
Als Berufsverband möchten wir damit aufräumen und stellen mit neuen bdia Grundlagenseminaren die Sachverständigentätigkeit vor.
Wir freuen uns auf Sie!

Ihre Vera Schmitz,
Präsidentin bdia